Roadtrip in Patagonien vom 16.01. – 06.02. 2006

Eine Reise durch Patagonien mit Christoph und Roland. Wir hatten uns für drei Wochen einen allradgetriebenen Pick up truck gemietet, um damit die Carretera Austral zu erkunden.

Hornopirén, den 16.01.: Der Patagonien-Urlaub hat begonnen! Letzte Nacht ging es mit dem Bus nach Puerto Montt und dann mit unserem neuen Mietwagen weiter bis hierher. Eigentlich wollten wir um 15:00 Uhr die Fähre nach Caleta Gonzalo erreichen, doch wir haben sie um zwanzig Minuten verpasst und müssen jetzt bis morgen warten.

Zuvor gab es in Puerto Montt noch ein paar Verzögerungen, da die Autovermietung die Erlaubnis, das Auto nach Argentinien zu bringen, noch nicht fertig hatte und außerdem Christophs internationaler Führerschein abgelaufen war und er noch versucht hat, aus der Heimat einen neuen zu bekommen.

Die Gegend hier ist sehr schön. Geschätzt bis zu 2000m hohe Berge fallen direkt ins Meer ab, dichte Wälder beherrschen ihre Flanken und Gletscher ihre Höhenlagen.

Chaiten, den 17.01.: Heute haben den wir den „humble dusty outpost“ (Lonely Planet über Hornopirén) verlasen und sind mit der Fähre nach Caleta Gonzalo gefahren. Die Fährfahrt bot abwechslungsreiche Blicke auf die beeindruckende Küstenlinie. Auf der anschließenden Autofahrt nach Chaiten ging es dann durch dichten Urwald und an einem sureal beleuchteten See vorbei. Auf dieser Strecke haben wir noch zwei Medizinstudenten aus Valdivia mitgenommen.

 

Puyuhuapi, den 18.01.: Heute ging es bei wechselhaftem Wetter von Chaiten nach Puyuhuapi. Die Landschaft war wunderschön. Dichte Wälder, zerklüftete Berge, ungezähmte Flüsse, tiefblaue Seen und gewaltige Gletscher prägten das Bild.

Am Nachmittag wurde das Wetter leider zusehends schlechter und es regnete recht stark. Da wir es in Puerto Montt so eilig hatten, fehlte uns die Zeit einige Dinge, insbesondere eine Abdeckung für die Ladefläche unseres Pickups und einen Benzinkanister, zu besorgen. Dementsprechend mussten wir improvisieren. Unsere Planen-Regenschutzkonstruktion zeigte sich heute nur schwachem Regen gewachsen. Zum Glück gab sie jedoch erst nach, nachdem wir schon ausgeladen hatten.

Puyuhuapi wurde 1940 von drei deutschen Einwanderern gegründet. Einer von ihnen war Walther Hopperdietzel, nach dem die örtliche Brücke benannt ist. Das Dorf ist mit ca. 570 Einwohnern sehr klein aber trotzdem recht hübsch. Außerdem gibt es eine Teppichmanufaktur und ein „Café Rossbach“, in dem man in einem an ein Landgasthaus im Schwarzwald erinnernden Ambiente Kaffe und Kuchen zu sich nehmen kann.

Coihaique, den 19.01.: Die Fahrt heute war sehr abwechslungsreich, sowohl was die Landschaften als auch was die Straßenverhältnisse betrifft. Auf einigen Abschnitten waren wir wirklich froh, ein so großes und robusten Auto zu haben. Mit was für Karren einige Chilenen über die Carretera fahren ist allerdings sehr erstaunlich.

Leider hat es heute die meiste Zeit über geregnet, so dass wir z.B. den Hängegletscher im Parque Nacional Queulat nicht anschauen konnten. Schade!

nahe Puerto Guadal, den 21.01.: Gestern war das Wetter zum Glück wieder besser. Nachdem wir das nicht besonders schöne Coihaique verlassen hatten, ging es durch das malerische Valle Simpson und das Tal des Río Ibañez nach Puerto Río Tranquilo. Der Lago General Carrera, den wir dort zum ersten Mal sahen, ist der zweitgrößte See Südamerikas und verzaubert den Betrachter durch seine türkise Farbe.

Bis nach Cerro Castillo, ein nach dem gleichnamigen Berg, der mit seinen Felszinnen und -wänden tatsächlich uneinnehmbar aussieht, benannten Dorf, hatten wir eine Biologin aus Kolumbien im Auto. Sie arbeitet als Freiwillige in einem Nationalpark in ihrer Heimat und verbringt jedes Jahr die Sommermonate damit, per Anhalter und zu Fuß durch Südamerika zu reisen. Ab diesem Dorf war dann eine Israeli mit an Bord, die nach ihrem zweijährigen Militärdienst zehn Monate lang gearbeitet hat und sich nun ihren zweimonatigen Südamerikaurlaub zu finanzieren.

Nach Überquerung eines Passes kamen wir vom Tal des Río Ibañez in das des Río Murta. Da die sanitären Einrichtungen in unserem Hostal in Coihaique, das uns als „die Ekelhospedaje“ in Erinnerung bleiben sollte, ziemlich unappetitlich waren, hatten wir morgens auf eine Dusche verzichtet. Das holten wir nun in den kalten Fluten des Río Murta nach, was zwar einiges Erstaunen bei unserer Mitfahrerin hervorrief, aber unserer Sauberkeit zuträglich war.

Nachdem wir später in Puerto Río Tranquilo (der Name ist hier Programm) einen Bootsausflug zu phantastischen Marmorhöhlen gemacht hatten, ging es dann abends über die Ruta de Ventisqueros nach Westen.

Chile Chico, den 21.01.: Diese Straße, die hauptsächlich touristischen Wert besitzt, ist noch nicht fertig gebaut, so dass wir nicht bis zum Meer fahren konnten. Stattdessen standen wir irgendwann am Ende der Piste, vor uns nichts als Urwald.

Das Tal von Río Tranquilo und Río Exploradores ist jeoch schon für sich genommen absolut phantastisch. Mit seinen ungezähmten Flüssen, dem dichten Urwald, den unnahbaren Bergen mit ihren gewaltigen Gletschern und seiner Einsamkeit wirkt es wie das verwunschene Tal aus einem Märchen. Wenn uns hinter einer der zahlreichen Biegungen plötzlich Gandalf entgegen geritten wäre, hätte sich wohl keiner von uns wirklich gewundert.

Übernachtet haben wir dann in der Hütte von Omar, der einen Ausgangspunkt für Gletscherführungen betreibt. Eigentlich haben wir ihn nur gefragt, ob wir vor der Hütte zelten dürfen, doch er hat uns dann eingeladen, stattdessen in der Hütte zu schlafen. Seinen Herd durften wir auch benutzen.

Omar ist der Sohn eines Bauern aus der Gegend von Coihaique, der von November bis Februar diese Hütte betreibt, was ein ziemlich einsamer Job ist. Er meinte jedoch, dass er ihm Spaß mache.

Heute ging es zunächst zu Fuß zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man den Monte San Valentin bewundern kann, den höchsten Berg Patagoniens. Dann, nach einer Dusche in einem kleinen Wasserfall (affig kalt, aber weckt garantiert auf) ging es am Südufer des Lago General Carrera nach Chile Chico. Hier ist das Klima völlig anders als bisher. Es ist viel trockener und sieht eher mediterran aus. Vorboten der Pampa vermutlich.

Campamiento Poincenot, den 23.01.: Entgegen unserer ursprünglichen Planung, in zwei Tagen von Chile Chico nach El Chaltén zu fahren, haben wir gestern die große Pampa-Durchfahrt an einem Tag gemacht. Daher waren wir auch erst um halb elf in El Chaltén, das sich als sehr touristischer Ort erwies. Es gibt jede Menge Unterkünfte und Restaurants, dazu Souvenier- und Outdoorläden. Erstaunlicherweise jedoch gibt es im ganzen Ort keine Bank, was bei uns eine akute Bargeldknappheit ausgelöst hat.

Die Fahrt durch die Pampa, in diesem Fall die Pampa de Asador, war beeindruckend. Es war fast so leer wie im bolivianischen Altiplano und noch eintöniger, da sich die Landschaft auf 400 km Strecke überhaupt nicht ändert. Nur ein See hat zwischendurch für etwas Abwechslung gesorgt. Jedoch muss ich zugeben, dass die Weite und Eintönigkeit der Landschaft zusammen mit den zerissenen, tief dahinfliegenden Wolken Eindruck macht. Einen Tank- und Enkaufsstopp haben wir zwischendurch in Bajo Carracoles gemacht, einem der trostlosesten Käffer, die ich je gesehen habe. Wenn mir noch mal irgendjemand etwas von „mitten in der Pampa“ erzählt, werde ich das nicht ganz ernst nehmen können.

Heute haben wir dann die Fitz-Roy-Runde begonnen. Trotz des hervorragenden Wetters hatten wir keinen guten Start, weil wir uns alle gegenseitig auf die Nerven gegangen sind. Nun ja, während drei Wochen Aufeinanderhängens bleibt es wohl nicht aus, dass man sich über irgendetwas streitet.

Von El Chaltén aus ging es zunächst in Richtung der Laguna Torre bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen phantastischen Blick auf die senkrechten Granitwände von Cerro Torre und Monte Fitz Roy hatte. Kein Wunder, dass beide zu den schönsten Bergen der Welt gezählt werden.

Anschließend haben wir eine falsche Abzweigung gewählt und uns etwas verlaufen. Die Orientierung fiel leicht, jedoch dauerte es einige Zeit bis wir wussten, wo wir waren. Nach etwa zwei Stunden querwaldein waren wir dann wieder auf dem Hauptpfad und konnten den Weg hierhin fortsetzen. Und so kann ich hier an einem Bach in der Sonne sitzen, den Gipfel des Fitz Roy hinter ein paar Bäumen fest im Blick, und diese Zeilen schreiben.

Die Fortsetzung dieser Geschichte findet sich im zweiten Teil.