Eisenwege am Gardasee

Klettersteige vom 31.05. – 05.06. 2009

Im Frühjahr 2009 zog es mich nach längerer Abwesenheit wieder in die Alpen. Dabei stand mir der Sinn eher nach Kraxelei als nach Wandern, allerdings konnte ich kurzfristig keinen Partner für Klettertouren finden. Also beschloss ich, mir ein Klettersteigset zu kaufen und die Gardaseeregion unsicher zu machen. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass ich das Solobegehen von Klettersteigen ohne vorige Erfahrung nicht Allgemein weiterempfehlen kann. Man sollte für diesen Einstieg schon ein gewisses Maß an Bergerfahrung mitbringen und auch ein bisschen klettern können

Ende Mai fuhr ich also über den Brenner und weiter nach Riva del Garda, wo ich einen sehr netten Campingplatz für die kommende Woche fand. Am folgenden Tag ging es dann los. Da ich erst mal einfach anfangen wollte, wählte ich als erste Klettersteige die sentieri attrezzati Fausto Susatti (A) und Mario Folatti. Der Susatti-Steig stellte sich allerdings bald als gesperrt heraus. Ein Einheimischer meinte, ich könne trotzdem gehen. Also umging ich die Absperrung und stieg den Zustegsweg auf der Westseite des Gardsees, nur wenig südlich von Riva, hinauf. Am Einstieg zum Kletterstieg, dessen Versicherungen komplett erneuert waren, herrschte dann auch bereits reger Betrieb. Also los.

Die Kletterei am Susatti-Steig ist einfach, der Fels fest und spektakuläre Tiefblicke auf den Gardasee runden dieses schöne Erlebnis ab. Von der Cima Capi (909m) geht es dann oberhalb des Val Sperone teils versichtert zu einem Sattel im Rocca-Massiv.

Tiefblick im Fausto-Susatti-Klettersteig

Tiefblick im Fausto-Susatti-Klettersteig

Segelboote auf dem Gardasee

Segelboote auf dem Gardasee

An diesem Sattel gibt es einen Abzweig hinab nach Riva und einen weiteren zum Gipfel der Rocca (1089m). Letzterem folgend kommt man über den Foletti-Steig nach einer halben Stunde einfach zum höchsten Punkt. Auch dieser Gipfel bietet eine sehr schöne Aussieht, allerdings zog es langsam zu, als ich dort ankam. Also bald zurück zum Sattel und von dort nach Riva. Beim Abstieg fing es leider bald an zu regnen. Dazu wählte ich auch noch einen falschen Weg – zwar ebenfalls markiert, aber nur der Hochspannungsleitung zugehörig und nicht dem offiziellen Wegesystem. Der Weg war sehr steil, so dass ich schnell nach unten kam, mich dann dort aber auf der falschen Seite eines Gittertores wiederfand, hinter dem die Straße lag. Nun ja, wozu hat man klettern gelernt…

Die Cima Rocca

Die Cima Rocca

Die Cima Capi vom Sattel aus

Die Cima Capi vom Sattel aus

Am zweiten Tag wollte ich die Schwierigkeit dann ein wenig steigern und begab mich daher zur Via dell‘ Amicizia (B), die man von Riva schnell zu Fuß erreicht. der Freundschaftsweg zeichnet sich vor allem durch seine ungewöhnlich langen Leitern aus. Mit klettern hat das nicht viel zu tun, aber es liefert tolle Tiefblicke auf Riva und den Gardasee.

Blick auf Riva von der Via dell' Amicizia

Blick auf Riva von der Via dell‘ Amicizia

Eine der langen Leitern

Eine der langen Leitern

Wie bereits am Tag zuvor war recht viel los auf dem Klettersteig. Als ich auf der Cima SAT (1276m) ankam, saßen dort bereits mehrere Gruppen und genossen ihr Mittagessen im Sonnenschein. Nachdem auch ich die Aussicht und einen Imbiss genossen hatte, kletterte ich über die Versicherungen auf der Rückseite des Gipfelaufbaus hinab und  ging anschließend gemütlich über den Wanderweg zu Tal.

Die Cima SAT

Die Cima SAT

Tiefblick von der Cima SAT

Tiefblick von der Cima SAT

Am nächsten Tag machte ich eine Klettersteigpause und stattdessen einen Spaziergang am Monte Baldo.

An Tag Nr. 4 jedoch stand wieder ein Klettersteig auf dem Programm: Die via ferrata Ernesto „Che“ Guevarra. Als Klettersteigneuling hatte ich ziemlichen Respekt vor diesem Steig. Er würde ein gutes Stück schwieriger sein (C) als die bisher bewältigten und dazu vor allem sehr, sehr lang. Erstaunliche 1400 Höhenmeter durchsteigt man auf dieser via ferrata, von Pietramurata hinauf zum Gipfel des Monte Casale.

Die Ostabstürze des Monte Casale - erstaunlich, dass ein Klettersteig da durch führt

Die Ostabstürze des Monte Casale – erstaunlich, dass ein Klettersteig da durch führt

Eugen Hüsler schreibt in seinem Klettersteigführer, der erste Gedanke beim Anblick des Ostabsturzes des Casale sei „unmöglich“, der zweite „fantastisch“. Und das trifft es wirklich gut. Im unteren Bereich brauchte ich dann zunächst ein bisschen um meinen Rhythmus zu finden, danach war es ein einziges Vergnügen, durch diese gewaltige Wand voller spektakulärer Tiefblicke zu steigen. Schwierig ist dieser Steig nicht, verlangt aber aufgrund seiner Länge einige Kondition. Relativ weit unten gibt es einen Notabstieg, den nutzen sollte, wer sich überfordert fühlt.

Immer wieder herrliche Tiefblicke

Immer wieder herrliche Tiefblicke

Lange Klammerreihen sind eine Spezialität dieses Steiges

Lange Klammerreihen sind eine Spezialität dieses Steiges

Ich hatte das große Glück, während meiner Begehung niemanden sonst zu treffen. Laut Wegbuch war vor mir mindestens schon einer am selben Tag hier entlang geklettert und nach mir folgten noch eine ganze Reihe Gruppen. Doch sie alle traf ich erst am Gipfel, so dass ich das großartige Ambiente dieses Klettersteigs ganz ungestört genießen konnte.

Neben dem Steig selbst ist auch der Gipfel etwas besonderes, denn er besteht aus einer flachen Blumenwiese. Nach 1400 m Wand kam mir diese besonders idyllisch vor. Die Aussicht nach Süden auf den Gardasee sowie nach Norden auf Adamello und Brenta sind herrlich und laden zur ausgedehnten Rast ein, die ich mir nach vorangegangenen Anstrengungen auch verdient hatte.

Gipfelwiese mit Adamello im Hintergrund

Gipfelwiese mit Adamello im Hintergrund

Gipfelkreuz und Gardasee

Gipfelkreuz und Gardasee

Pfingstrosen

Pfingstrosen

Schließlich folgten ein langer Abstieg nach Sarche sowie der Rückweg nach Pietramurata, der sich dann doch etwas zieht.

Den fünften Tag wollte ich der via attrezzata Rino Pisetta (E) widmen, dem angeblich schwersten Klettersteig in der Gardaseeregion. Der Tag ging erst mal nicht gut los, denn kaum war ich in Sarche angekommen, musste ich feststellen, dass ich meine Kletterschuhe im Zelt vergessen hatte. Also nochmal zurück nach Riva und wieder nach Sarche. So war es dann schon später Vormittag, als ich am Einstieg ankam. Der hat es auch gleich mal ordentlich in sich (glatt und abgespeckt). Ich fand überhaupt kein Gefühl für die Kraxelei und beschloss nach wenigen Metern, den Rückzug anzutreten.

Am Einstieg des Rino-Pisetta-Steiges geht es gleich ordentlich zur Sache

Am Einstieg des Rino-Pisetta-Steiges geht es gleich ordentlich zur Sache

Ich war gerade dabei, mein Geraffel auszuziehen, als drei Deutsche zum Einstieg kamen. Die drei waren ein sehr lustiger Haufen; sie meinten, ich solle doch einfach mit ihnen mitkommen. Schließlich entschied ich mich genau dafür und stieg also erneut ein. Der Anfang war dann wieder ein ziemliches Gewürge, aber nach ca. 15 Minuten hatte ich endlich meinen Rhythmus gefunden, und ab da machte es richtig Spaß. So konnte ich auch guten Gewissens am Notausstieg vorbeiklettern.

Der Steig ist meist recht steil...

Der Steig ist meist recht steil…

und die Ausblicke entsprechend spektakulär

und die Ausblicke entsprechend spektakulär

Nach oben hin wird der Steig zwar eher noch etwas schwerer, aber das machte mir nichts mehr aus. Die Abwesenheit von künstlichen Tritten lässt beinahe Kletterfeeling aufkommen und die Ausgesetztheit sorgt für eine großartige Stimmung auf diesem Steig. Es wurde ein Spitzentag, auch wenn wir im Abstieg einen falschen Abzweig wählten und eine Extrarunde drehten.

Am letzten Tag stand dann noch ein weiterer klassischer Sportklettersteig auf dem Programm – und zwar wiederum mit den drei Deutschen vom Vortag, mit denen ich mich in Mori traf, um von dort die via attrezzata Monte Albano (C-D) zu begehen. Technisch ist dieser Steig deutlich weniger schwierig als die Rino Pisetta, dafür ist er übel abgespeckt. Sogar die Eisenstifte sind rutschig. Als Entschädigung für den Speck erwarten den Klettersteig-Enthusiasten einige spektakulär ausgesetzte Quergänge mit viel Luft unter dem Allerwertesten. Herrlich, wenn man nicht zu Schwindel neigt. Leider nur hatte ich an diesem Tag meine Kamera vergessen.

Es war ein würdiger Abschluss meiner Klettersteigwoche am Gardasee. Meist herrliches Wetter und wunderschön gelegene Steige machten meine ersten Klettersteigerfahrungen zu einem großartigen Erlebnis.

2 Kommentare

  1. tolle bilder hannes! 🙂
    wir hatten leider nur einen nebelverhangenen blick auf die adamellogruppe. ach ja, und den pisetta wollen wir auch bald machen.
    liebe grüße aus südtirol,
    bis bald
    magdalena

  2. Hallo Magdalena,
    Freut mich, dass Dir die Bilder gefallen. In dieser Woche hatte ich wirklich eine Menge Glück mit dem Wetter. Der Pisetta-Steig ist natürlich auch absolut toll – Platz 2 in meiner persönlichen Hitliste. 🙂

    Grüße
    Hannes

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