Hochtour in den Ötztler Alpen am 21.-22.08. 2010

Zum Abschluss meiner Alpen-Sommersaison nutzte ich das herrliche Wetter an diesem Septemberwochenende für eine letzte Hochtour. Ich hatte von einer Möglichkeit gehört, ohne Gletscherberührung die Wildspitze zu besteigen – das hörte sich nach einer interessanten, solo-tauglichen Tour an, auch wenn mir die IIIer-Schlüsselstelle durchaus Respekt einflößte.

Die Breslauer Hütte

Die Breslauer Hütte

Am Samstag stieg ich zunächst von Vent (1900m) zur Breslauer Hütte (2844m) auf. Den Sessellift ignorierte ich tapfer und ging den Weg zu Fuß. Etwa 150 Hm unter der Hütte holte mich dann mal wieder mein höhenbedingter Konditionsabfall ein, was mich doch etwas nervte; trotzdem war ich nach 2h an der Hütte. Nach einer Pause inklusive Kaiserschmarrn ging ich noch weiter zum Urkundkolm (3140m), dem Hausberg der Hütte. Ich war erst relativ spät dort, so dass die Tagesgäste schon wieder abgestiegen waren und außer mir nur 3 Münchner die frühe Abendstimmung über den Ötztaler Alpen genossen.

Ein erster Blick auf die Wildspitze im Anstieg zum Urkundkolm

Ein erster Blick auf die Wildspitze im Anstieg zum Urkundkolm

Abends erkundigte ich mich dann beim Hüttenwirt nach der Aufstiegsroute über den Ötztaler Urkund. Der Wirt meinte, die Gipfelflanke sei sehr gefährlich und er würde mir davon abraten. Aber ich könnte ja hochgehen und mir selbst ein Bild machen. Das war dann auch der Plan für den nächsten Tag.

Kurz nach sechs verließ ich die Hütte. Während die meisten der Übernachtungsgäste durch das Mitterkar in Richtung Wildspitze aufstiegen und einige wenige zum Rofenkar aufbrachen, war ich der einzige, der erneut den Urkundkolm bestieg. Von dort ging es dann, zunächst Steigspuren folgend, zum schwach ausgeprägten Westgrat des Ötztaler Urkunds. Zunächst kam ich schnell voran, als ich dann aber dem aufsteilenden Grat etwas in die brüchige Flanke ausweichen musste, ging es doch etwas langsamer vorwärts. Trotzdem lag ich noch gut in der Zeit, als ich den Südgrat erreichte. Dieser entpuppte sich als ziemlich luftig und die Kletterei dort (bis II) als sehr anregend. Schließlich kam ich auch zu berüchtigten Schlüsselstelle, einer Steilstufe im III. Grat. Hier nun ließ ich mir ziemlich viel Zeit, da ich bei jedem Zug hundertprozentig sicher sein wollte, dass ich sowohl problemlos hinauf als auch wieder herunter kommen würde. Zwei Mal dreht ich zunächst um, weil ich einen Zug für zu heikel im Solobetrieb hielt, zwei Mal fand ich doch noch ein gute Lösung. Das Ganze kostete allerdings viel Zeit und so war ich erst kurz nach 09:00 Uhr am Gipfel (3556m).

Weisskugel in der Morgendämmerung

Weisskugel in der Morgendämmerung

Blick vom Südgrat des Ötztaler Urkund über den Rofenkarferner

Blick vom Südgrat des Ötztaler Urkund über den Rofenkarferner

Bergsteiger auf dem Rofenkarferner

Bergsteiger auf dem Rofenkarferner

Die Schlüsselstelle am Grat (III)

Die Schlüsselstelle am Grat (III)

Ich verweilte nicht lange auf dem Ötztaler Urkund, sondern stieg stattdessen zügig in Richtung Wildspitze ab, auf deren Gipfel sich bereits die ersten Bergsteiger zeigten. Durch unangenehmen Bruchharsch ging es über das Joch, an dem ich einen weiteren Alleingänger traf, der über den Rofenkarferner gekommen war, und dann an die steile Flanke zur Wildspitze. An dieser zeigten sich die Spuren vergangener Steinschläge; auch während ich unterwegs war, ging etwas links der Aufstiegsspur etwas ab. Der Schnee war tief und hielt nicht; immer wieder brach ich bis zu den Hüften ein, entsprechend mühsam war der Aufstieg. Schließlich kam ich zu dem Schluss, dass ein Aufstieg bei diesen Bedingungen zu gefährlich sein würde. Die Aufstiegsroute war eindeutig steinschlaggefährdet und in dem tiefen Schnee würde ich sehr lange brauchen, um durch die Gefahrenzone zu kommen. Also Umkehr – schweren Herzens aber mit dem Gefühl, das Richtige zu tun.

Gipfelflanke der Wildspitze

Gipfelflanke der Wildspitze

Am Joch traf ich den anderen Alleingänger wieder, der inzwischen auch den Urkund-Gipfel erreicht hatte. Wir taten uns nun zusammen und stiegen über den Rofenkarferner zunächst zur Hauptspur und dieser dann folgende zurück zur Breslauer Hütte hin ab, wo wir mittags eintrafen. Noch einmal Pause und Kaiserschmarrn und dann ging es hinunter nach Vent und von dort aus zurück nach Hause.

Etwas betrübt war ich schon, dass ich mein Hauptziel, die Wildspitze, nicht erreicht hatte. Andererseits sah ich ich auch im Rückblick keine vertretbare Alternative zum Rückzug. Und immerhin hatte ich mit dem Ötztaler Urkund auch einen schönen und recht selten bestiegenen Gipfel erreicht.

Drei Jahre später kehrte ich zurück und versuchte diese Tour noch einmal.