Wanderung im Erzgebirge am 12.06. 2011

Eigentlich wollte ich zu Pfingsten ja in die Tauern fahren, aber die Wetteraussichten haben mich davon abgehalten. Zum Glück kann man jedoch auch im Erzgebirge anspruchsvolle Touren unternehmen, z.B. die 14 Achttausender-Runde. Diese Tour wurde vor einigen Jahren von der MDR-Sendung Biwak bekannt gemacht und beinhaltet die Besteigung der 14 Gipfel rund um Altenberg, die die „magische“ Höhe von 8000 Dezimetern überschreiten. Die Tour ist inzwischen so populär, dass sie sogar in der Wanderkarte des Landesvermessungsamtes eingezeichnet ist. Beigelegt ist ein Blättchen, auf das man die auf den 14 Gipfeln verteilten Prägemarken einprägen kann, um seinen Erfolg zu dokumentieren (und an einem MDR-Gewinnspiel teilzunehmen). Insgesamt ist die Strecke ungefähr 50 km lang (wie ungefähr, sollte ich noch erfahren) und wird normalerweise in 2 Tagen gemacht. Normalerweise… aber nach erfolgreicher Teilnahme am Fichtelbergmarsch dachte ich mir, dass ich das doch bestimmt auch an einem Tag gehen kann. Und mal ehrlich: 14 Achttausender an einem Tag, ist das nicht der Traum jedes Bergsteigers?

Gesagt, getan, Samstag Kartenstudium, einige Abkürzungen über nicht markierte Wege gefunden. 50 km, das sollte doch in 10 – 11 Stunden machbar sein, dachte ich. Sonntag früh, fünf nach acht ging es schließlich los in Altenberg. Fluchs hinauf auf den ersten Gipfel, den Geisingberg (8238 dm).

Der Aussichtsturm war so früh noch geschlossen und die Prägemarke konnte ich auf die Schnelle nicht finden. Gleich der erste Besteigungsnachweis würde mir also fehlen. Ade, Gewinnspiel, es sollte nicht sein!

Weiter ging es; der Himmel war zwar verhangen, aber es war trocken und angenehm warm. Um 10:15 Uhr erreichte ich nach unspektakulärer Wanderung schließlich Gipfel Nr. 2, die 8238 dm hohe Traugotthöhe und machte erst mal Frühstückspause. Beim Betrachten der Karte fiel mir auf, dass es neben den Achttausendern ja sogar noch einen Neuntausender in der Region gibt, den Kahleberg. Den noch mitzunehmen würde nur etwa 2 km Umweg zwischen Achttausender 7 und 8 bedeuten. Den kann man sich auf so einer Gipfelsammeltour doch unmöglich entgehen lassen!

Durch Wälder und herrliche Wiesen (für die der Wanderer eine gewisse Toleranz gegenüber nassen Hosen mitbringen sollte) ging es weiter

auf den Gipfel des Fuchshübels (8138 dm), der allerdings nur aus einer Holzschlagschneise besteht. Von hier aus ging es steil hinab über einen Jägerpfad zu einer Straße. Am Eingang eines ehemaligen Bergbaustollens konnte ich den auf der Karte verzeichneten Weg nicht finden, also folgte kurze Waldkletterei

und danach stures bergauf gehen durchs Unterholz bis zu einem Weg, der zu Gipfel Nr. 4 führt, der 8072 dm hohen Scharspitze. Von dort war es auch gar nicht mehr weit bis zur idyllisch gelegenen Biwak-Kuppe, die – was eher selten ist unter Achttausendern – sogar ein Gipfelbuch hat.

Hier legte ich noch mal eine kurze Essenspause ein, dann ging es weiter zu den beiden Lugsteinen, zuerst zum kleinen (8973 dm), dann zum großen (8992 dm), zwei Gipfeln, die erstaunlich felsig aus einer Heidelandschaft wachsen.

Noch war ich frisch, also weiter zum Bonusgipfel Kahelberg (9051 dm). Mittlerweile war es kurz nach zwei und mir wurde klar, dass ich mich etwas ranhalten müsste, um noch vor der Dunkelheit wieder in Altenberg zu sein. Der Kahleberg entpuppte sich dann nicht nur seiner Höhe wegen als lohnendes Ziel, sondern auch wegen seiner Aussicht. Mittlerweile war auch die Wolkendecke aufgerissen, was die Sicht natürlich verbesserte.

Einige Kilometer weiter folgte mit Gipfel Nr. 8 der letzte einer Reihe von Gipfeln, die alle recht nah beieinander liegen. Diese Wüste Höhe (8266 dm) ist nicht unbedingt beeindruckend,

hat aber doch den Rang eines eigenständigen Erzgebirgsgipfels (die Schartenhöhe habe ich aber nicht nachgemessen). Hier machte ich noch einmal Pause, tapte meinen leicht schmerzenden rechten Knöchel – allerdings mit wenig Hoffnung, da mich dort eher ein Druck- als ein Scheuerschmerz plagte. Dann noch mal ein Blick auf die Karte. Das können doch unmöglich nur 50 km sein, dachte ich mir, als ich bereits zurückgelegte gegen noch ausstehende Strecke abwog.

Zum nächsten Gipfel, dem Hemmschuh (8473 dm) fand ich erst mal den Weg nicht und ging stattdessen eine Skipiste hoch. Jawohl: Skipiste – und gar nicht mal so flach. So etwas gibt es hier im Erzgebirge.

Nach diesem alpinen Highlight, war der nächste Gipfel der Sammlung (Schickelshöhe, 8049 dm) dann doch wieder recht flach.

Kurz nach dessen aufregender Besteigung machte ich noch einmal Pause, dieses Mal an einer Quelle mit idyllischer Bluemwiese.

Mittlerweile war es 17:15 Uhr und ich hatte noch jede Menge Weg vor mir. Also das mit den 10-11 Stunden würde ich wohl knapp verfehlen. So, jetzt keine Pause mehr bis zur Stephanshöhe, dem vorletzten Gipfel, nahm ich mir vor.

Weiter und weiter, vorbei an den traditionellen Nutztieren der Region (Vicuna pacos saxoniensis)

und über Gipfel Nr. 11, die Steinkuppe (8048 dm), dann steil und etwas abenteuerlich über unmarkierte Waldpfade hinunter und wieder herauf zum drollig dekorierten Drachenkopf (8054 dm). So, kurz nach 19:00 Uhr, das Dutzend war voll!

Bereits beim Kartenstudium während meiner Frühstückspause hatte ich mir gedacht, dass die lange Strecke zwischen den Gipfeln Nr. 12 und 13 ziemlich wenig spaßig werden würde. Und so war es dann auch. Eine gewisse Erschöpfung war inzwischen doch vorhanden. Es mag nicht die ursprüngliche Absicht des Aufstellers des untersten Schildes im Bild gewesen sein, aber es drückte aus, wie ich in diesem Moment diese Tour empfand: Einfach verflucht lang!

Immer wieder hoch und runter ging es nun, mit schön abwechselnden Schmerzen – beim Runter- und Geradeausgehen meldete sich der Knöchel, beim Bergaufgehen die Fersen, an denen sich inzwischen Blasen gebildet hatten. Aber dafür, dass ich die Schuhe zuvor nur 10 km lang getragen hatte, ging es eh ganz gut. Ist es bescheuert, auf so eine Tour fast neue Schuhe anzuziehen? Wahrscheinlich schon, aber das war bei dieser Unternehmung auch schon egal. Immerhin, auf eine Pause an dieser Bank zu verzichten, fiel schwer.

Nach etwas über zwei Stunden erreichte ich dann endlich, endlich die Stephanshöhe (8040 dm). Eine kurze Pause tat not.

So, nun noch zu Gipfel Nr. 14, dem 8328 dm hohen Pöbelknochen (einige der Berge hier haben wirklich seltsame Namen). Mitterweile war es schon fast dunkel und ich beschloss, mich durch gelegentliches Pfeifen bemerkbar zu machen, als ich den nächsten Pfad bergwärts trabte. Den Schreck des gegenseitigen Bemerkens auf kurze Distanz hatte ich vor Jahren einmal erlebt und wollte ihn nun sowohl dem Wild als auch mir ersparen. Oben angekommen, war dann das einzige, was noch hell genug war zum fotografieren, der Mond über den Wipfeln.

Dank diesem konnte ich dann auch die letzten Kilometer über breite Waldwege und Straßen sicher zurücklegen. Nur oben in der Schneise war ich froh darum, die Stirnlampe trotz meiner optimistischen Zeitplanung eingepackt zu haben. Spaß machten diese letzten ca. 40 Minuten nicht mehr und ich war sehr erleichtert, als ich nach 15 Stunden, 65 km und 15 Erzgebirgsgipfeln endlich wieder mein Auto erreichte. Das nächste Mal messe ich die Strecke erst aus, bevor ich beschließe, dass ich sie an einem Tag schaffe. Andererseits: 14 Achttausender an einem Tag, ist das nicht der Traum jedes Bergsteigers?

Und die komplette Bildersammlung zu dieser Tour gibt es hier.