Bergtour am 08. – 09.07. 2011

Schon länger hatte ich eine 2Tages-Tour in den Tauern geplant, sie jedoch aufgrund von zweifelhaften Wetteraussichten immer wieder verschoben. Doch dieses Wochenende war die Vorhersage nicht schlecht genug, um mich abzuhalten. Nur meinen ursprünglichen Plan zu biwakieren tauschte ich angesichts der angekündigten Gewitter lieber gegen eine Hüttenreservierung. Im Nachhinein wäre es dann eh gegangen, aber gut, hinterher ist man immer schlauer.

Los ging es Freitag früh am Günsterwasserfall. Nach den ersten Höhenmetern gab es die ersten Ausblicke aus dem Wald.

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Auf der Alm wurde ich dann von einigen neugierigen Kühen verfolgt (es kam aber zu keinem „Killerkuh“-Zwischenfall).

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Der Weiterweg über den Krautgarten zieht sich etwas, zumal man die meiste Zeit über nur den (sogar höheren) Vorgipfel des Trübecks im Blick hat.

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Ich muss zugeben, der Anstieg zum Trübeck schaffte mich etwas. Da latscht man vorher über 60 km durch’s Erzgebirge (und das sogar zweimal) und denkt, man ist fit, und dann ist man nach 1300 Hm Anstieg gleich wieder platt. Na ja, immerhin hatte ich mit zu wenig Schlaf in der Nacht zuvor sowie einem unzureichenden Frühstück zwei halbwegs brauchbare Ausreden zur Hand…

Schließlich kam auch der Gipfel (2367m) in Sicht; passend zum Namen dahinter beginnende Wettereintrübung.

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Auf meinem ersten Tauerngipfel musste ich kurz posieren…

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und nahm dann den Weiterweg zum Feldeck (2480m) in Angriff. Dahinter sieht man schon die nächsten Ziele – das Brennerfeldeck (2507, rechts) und das Rupprechtseck (2591m, links). Es ist noch ein Stück.

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Das Wetter verschlechterte sich zusehends. Immerhin sah es nicht nach Gewitter aus, höchstens nach Schauern. Auf dem Feldeck-Gipfel rief mich dann jemand. Ich dachte mir schon, dass es der von der Wirtin der Rudolf-Schober-Hütte angekündigte 1-Personen-Gegenverkehr sein würde, konnte aber nirgendwo jemanden entdecken. Erst vom Gipfel des Brennerfeldecks aus, sah ich ihn dann auf dem Abstieg zur Schattnerhütte. Kurzes Winken besiegelte diese Begegnung auf diesem anscheinend nicht allzu oft begangenen Kamm.

Hier der Gipfel des Brennerfeldecks. Dahinter das Feldeck und hinten links der SO-Kamm des Trübecks.

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Kurz wurde die Sicht frei auf den beeindruckenden Grat vom Schöderkogel (links mit Gipfel in den Wolken) zum Eisenhut.

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Der Weiterweg führte mich dann auf das Arfeld (2491), wo ich mangels Sicht keine Photos machte. Im Anstieg zum Rupprechtseck, dem höchsten Punkt der Tour, dachte ich sogar kurz, in 1 – 2 Stunden könnte vielleicht doch noch ein Gewitter aufziehen, als es plötzlich aufriss.

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So konnte ich dann beruhigt den Weiterweg zum Dachleiteck (2467m) antreten, der hier rechts im Bild dem Rupprechtseck erstaunlich nahe liegt. Ich vermute, hier ist ein Fehler auf der AV-Karte.

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Das Dachleiteck war dann Gipfel Nr. 6 an diesem Tag – keine schlechte Tagesbilanz.

Hier noch mal ein Blick zu Schrein, Schimpelgrat und Sauofenspitze, die jetzt alle aus den Wolken auftauchten.

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Über Toreben ging es dann hinab in Richtung Günsterscharte. Etwas oberhalb der Scharte muss man den richtigen Abstieg zur Grafenalm finden. Angeblich steht hier ein Steinmann, aber den habe ich übersehen. Einen Weg (etwas heikel, aber nicht schwierig) habe ich aber trotzdem gefunden, hier der Blick von unten.

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Anschließend geht es Blockhalden und Almwiesen (Steinmännchen) zum vorderen Sauofensee, dann durch Wald (deutlicher Weg) zur Rudolf-Schober-Hütte, wo mich sehr freundliche Bewirtung und gutes Essen erwarteten.

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In der Hütte war ich einer von nur drei Übernachtungsgästen und hatte das Lager ganz für mich allein. Einerseits tat es mir ein bisschen leid für die Wirte, das nicht mehr los war, andererseits war es für mich natürlich sehr komfortabel. Nicht nur hatte ich meine Ruhe, ich konnte mich sogar ganz frech quer legen und ausnahmsweise ungefaltet liegen. Oh Wonne!

Am nächsten Tag ging es dann wieder hinauf zur Günsterscharte. Aus Neugierde wählte ich nicht den Abstieg vom Vortag, sondern folgte weiter nach links führenden Steigspuren zu dieser Rinne.

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Die sah zwar nett aus, war aber deutlich schwieriger. Die kurze Schlüsselstelle würde ich mit II+ bewerten.

In der Scharte kam dann auch mein heutiges Ziel in Sicht, der Schöderkogel (2500m), den man im unteren Bereich nahe des N-grates in der NW-Flanke besteigt. Steigspuren und Steinmännchen weisen immer wieder den Weg und wo nicht, ist es auch nicht schwierig.

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Blick zurück aus dem Anstieg zum Schöderkogel auf den Sauofen

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Schließlich kommt man zum felsigen Gipfelaufbau, bzw. eigentlich eher Ansatz des Gipfelgrates. Hier folgte ich zunächst Steigspuren nach rechts, ging dann ein Stück aufwärts (I) und querte unter einer überhängenden Platte in die schrofige NO-Flanke.

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Nun ging die Sucherei nach dem besten Anstieg zum Gipfel los. Den letzte Grataufschwung zum Gipfel direkt zu gehen, schien mir ein bisschen zu schwierig. Also sucht ich der etwas unübersichtlichen Flanke nach einer besseren Lösung. In der Nähe eines Steinmannes versuchte ich drei Verschneidungen, die mir aber alle nicht ganz geheuer waren. Im Aufstieg wäre zumindest die eine schon gegangen, aber das Abklettern erschien mir dort etwas unangenehm.

Ich war schon kurz davor, den Gipfel Gipfel sein zu lassen, als ich schließlich ein System von, nur durch kurze Felsbänder (jeweils I) getrennten, grasigen Terrassen entdeckte, die in eine halb erdige, halb felsige Rinne mündete (ebenfalls I). So erreichte ich doch noch den Gipfelgrat

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Die Fernsicht war toll und belohnte mich für die Aufstiegssuche. Ursprünglich wollte ich ja eigentlich den Grat zum Eisenhut (der spitze Zacken links im Bild) weitergehen.

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Allerdings war ich schon eher etwas zu spät dafür losgegangen. Spätestens im Aufstieg zum Schöderkogel war dann klar, dass dieser Grat heute eine Nummer zu groß für mich wäre. Ich hatte für Wegsuche und Schrofenkletterei einfach viel zu lange gebraucht (fast 2 Stunden ab Günsterscharte!). Stattdessen freute ich mich, diesen Gipfel überhaupt noch erreicht zu haben

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und genoss die Aussicht auf den gestrigen Kammweg.

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Zurück ging es dann durch den Schödergraben,

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der oben sehr schön ist,

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sich im Wald dann aber doch etwas zieht, bis zum Günsterwasserfall, dem höchsten Wasserfall der Steiermark.

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Insgesamt waren es zwei sehr schöne Tage mit einem ziemlichen Konditionshammer am ersten und einer spannenden Besteigung am zweiten. Da hat sich die Fahrt in die Steiermark doch mal gelohnt!