Skitouren in der Glocknergruppe am 16.-17.03. 2012

Nach vier Skitouren in den Villgratner Bergen verlegten wir unseren Standort nach Kals am Großglockner; hier waren die Schneeverhältnisse etwas besser als rund um das Pustertal und wir hofften auf guten Firn für die verbleibenden zwei Touren. In unserer neuen Unterkunft wurden wir mit mit Bier, einer Runde Willkommensschnaps, belegten Broten und auch sonst äußerst freundlich empfangen – das ließ sich ja schon mal sehr gut an.

Tag 5: Figerhorn (2744 m)

Nach einem reichhaltigen Frühstück (es war so viel, wir hatten überhaupt keine Chance, alles aufzuessen) fuhren wir die Straße zum Lucknerhaus hinauf und hielten an einer Kehre auf ca. 1850 m Höhe. Von hier aus führte ein Forstweg in westlicher Richtung bergan. Die Schneeauflage war nicht allzu üppig und außer Paul dachten wir wohl alle, dass die Abfahrt über diesen Restschnee recht bescheiden werden würde. Als wir dann einen grasigen Hang erstiegen, der eben genau das war – grasig – fragte ich mich, warum wir eigentlich hierher gefahren waren. Grashänge hätten wir auch im Pustertal zur Genüge gefunden.

Abendlicher Blick von unserer Pension in Kals

Abendlicher Blick von unserer Pension in Kals

Grasiger Aufstieg zu den Greiwiesen

Grasiger Aufstieg zu den Greiwiesen

Kurz darauf erreichten wir dann weite Hänge (die Greiwiesen), komplett schneebedeckt und wunderbar zu gehen. Okay, so langsam hatte es was. Wir hielten uns nun in nördlicher Richtung auf den steilen Gipfelhang des Figerhorns zu; mit uns zahlreiche andere Tourengeher, von denen uns die meisten überholten.

Das sieht doch schon deutlich besser aus.

Das sieht doch schon deutlich besser aus.

Am verharschten Gipfelhang hielten sich die meisten nah an den Grat, der die Gipfelflanke nördlich begrenzt. Wir hielten uns weiter südlich, stiegen zunächst zu einer Scharte auf und querten dann nach Norden, wo man den in SW-Richtung verlaufenden Kamm erreicht. Diese Variante erwies sich als günstiger, da wir so den steilsten Teil der Flanke vermeiden konnten, was man von unten aber kaum erkennen kann.

Tiefblick in der Gipfelflanke

Tiefblick in der Gipfelflanke

Am Kamm ließen wir die Ski zurück und gingen zu Fuß zum Gipfel, den wir um 10:00 Uhr erreichten und von dem aus wir einen herrlichen Blick auf den Großglockner genossen. Der Tiefblick auf der Ostseite des Gipfels war auch nicht zu verachten.

Glocknerpanorama vom Gipfel des Figerhorns

Glocknerpanorama vom Gipfel des Figerhorns

Nach der Gipfelrast galt es nun, den Gipfelhang auch wieder herunterzukommen. Mit knapp 40° war dieser für meine Skifähigkeiten doch recht steil, so dass ich mich bei den ersten Schwüngen etwas überwinden musste. Zum Glück war der Harsch inzwischen schon weicher geworden, so dass es letztendlich ganz gut ging.

Abstieg am Gipfelkamm

Abstieg am Gipfelkamm

Begutachten der Abfahrt

Begutachten der Abfahrt

Weiter unten zeigten die Greiwiesen dann, was im Winter in ihnen steckt: Perfektes Skigelände bei herrlichem Firn. Wir hatten einen Riesenspaß und auch den abschließenden Hang zur Forststraße kamen wir fast ohne Grasberührung hinunter. Die Forststraße erwies sich dann überraschenderweise (außer für Paul natürlich) als völlig unproblematisch. Kurz vor Mittag saßen wir schon wieder bei einem Weißbier vor unserer Pension in der Sonne. Ein schöner Tag.

Langsam abgleitender Schnee hat diese Falte geformt

Langsam abgleitender Schnee hat diese Falte geformt

Abends, am letzten Abend dieses Bergurlaubs, saß ich auf dem Balkon und genoss den Blick auf die gegenüberliegenden Berge. Der kahle Lärchenwald leuchtete orange-braun in der Abendsonne und bildete einen deutlichen Kontrast zu den weißen Hängen. Mit Musik im Ohr wartete ich ab, bis die Schatten der Felskämme immer weiter in die Hänge und Rinnen hineinwuchsen und es schließlich dunkel wurde.

Tag 6: Weißer Knoten (2910 m):

Für die letzte Tour dieser Woche fuhren wir erneut in Richtung Lucknerhaus und bogen dieses Mal nicht west-, sondern – auf ca. 1910 m – ostseitig ab. Zunächst folgten wir einem Ziehweg, dann ging es über Wiesenhänge nordwärts. Es wehte ein kühler Wind, so dass ich mein Fließ die meiste Zeit über anlassen musste.

Der Großglockner grüßt über der Straße zum Lucknerhaus

Der Großglockner grüßt über der Straße zum Lucknerhaus

Da Samstag war, war recht viel los. Noch mehr Menschen aber brachen vom Lucknerhaus zum Großglockner auf. Dort herrschte eher die Art von Einsamkeit, bei der die vielen Einsamen aufpassen müssen, sich nicht gegenseitig auf die Skienden zu steigen.

Der Weiße Knoten ist der linke der beiden Gipfel

Der Weiße Knoten ist der linke der beiden Gipfel

Auch zum Weißen Knoten muss man einen steilen, verharschten Gipfelhang hinauf. Von einer Scharte, von dem ein versicherter Steig nach Osten zu einem Nachbargipfel führt, gingen wir dann weiter nach Westen hinauf und stiegen erst unmittelbar unter dem Gipfelkreuz von den Ski. Hier oben war schon einiges los, eine ganze Reihe Skitouristen genoss auf der windgeschützten Ostseite des Gipfels ihre Gipfelrast. Ich erstieg kurz die Gipfelfelsen (das muss schon sein – sonst war man ja nicht oben!), dann gesellte ich mich zu den Anderen.

Ein letztes Mal der Glockner - dieses Mal vom Gipfel des Weißen Knotens aus.

Ein letztes Mal der Glockner – dieses Mal vom Gipfel des Weißen Knotens aus.

Das Gipfelkreuz des Weißen Knotens

Das Gipfelkreuz des Weißen Knotens

Im Nordwesten beobachteten wir eine Gruppe Skitourengeher die lange Flanke des Schwertkopfes hinunter fahren. Ihrem Tempo nach muss der Firn perfekt gewesen sein. Unsere eigene Abfahrt war dann leider weniger genussvoll als am Tag zuvor. Einen richtig tollen Firnhang erwischten wir auch heute, der Rest war aber doch recht ruppig. Trotzdem war dieser Aussichtsberg eine sehr schöne Abschlusstour.

Als wir mittags nach Käseknödeln und einem letzten Weißbier unsere Sachen packten, zeigten sich im Süden bereits die ersten Wolken, die während der Fahrt zurück nach Norden immer weiter aufzogen. Wir hatten ein unglaubliches Glück mit dem Wetter gehabt! Die Heimreise trat ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge an: Es war eine richtig tolle Woche und ich wäre gerne noch länger geblieben. Immerhin war ich dann einige Jahre später noch einmal dort.