Sonne, Firn und Gras im Pustertal

Skitouren im Pustertal vom 12.-15.03. 2012

Nach entsprechenden Freuden in den beiden vergangenen Jahren stand auch in diesem Winter wieder eine Skitourenwoche im Programm, dieses Mal allerdings erst in der zweiten Märzwoche. Geleitet wurden die Touren abermals von Bergführer Paul Sapelza von der Alpinschule Pustertal. Außerdem waren mit von der Partie Siggi, den ich bereits aus den Vorjahren kannte, und Manfred.

Die spärliche Schneelage auf der Alpensüdseite hatte meine Erwartungen an die Abfahrten deutlich gedämpft; stellenweise ruppig wurde es tatsächlich, doch hatte ich Pauls Fähigkeit, auch bei schwierigen Verhältnisse perfekte Firnhänge aufzuspüren, deutlich unterschätzt.

Frühlingshaftes Welsberg

Frühlingshaftes Welsberg

1. Tag: Kreuzspitze (2624 m)

Das Frühjahr liegt nicht nur früh im Jahr, sondern nötigt dem Skitouristen auch frühes Aufstehen ab. Um viertel vor sechs klingelte der Wecker, eine Stunde später fuhren wir ab ins Villgratental. Dank Pauls Erwähnung von Harscheisen fiel mir auf, dass ich genau diese vergessen hatte. Na prima, das fing ja gut an!

Früher Start in Kalkstein

Früher Start in Kalkstein

07:45 Uhr starteten wir in Kalkstein (1641 m), gleichzeitig mit einem Bergretter aus Sillian, der natürlich deutlich schneller unterwegs war als wir und so freundlich, mir später immerhin ein Harscheisen zu leihen (das ich zwar nicht brauchte, aber das war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar).

Zunächst ging es über einen Forstweg dahin, dann über eine Almlandschaft nordwärts bergauf. Die Schneeauflage war nicht gerade optimal, aber im Aufstieg stört das ja nicht weiter. Dafür war das Wetter herrlich – etwas windig zwar, aber sonnig und warm.

Aufstieg bei nicht ganz optimaler Schneeauflage

Aufstieg bei nicht ganz optimaler Schneeauflage

Im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren war ich dieses Mal nicht erkältet, was erstens zu mehr Genuss und zweitens zu mehr Kraft führte. Und so zog ich nach der letzten Pause bis zum Gipfel das Tempo etwas an. Vielleicht war ich aber auch nur deshalb schneller als meine Begleiter, weil ich als einziger mit Dynafit-Bindung unterwegs war. 😉 Kurz nach elf war ich dann oben. Oben erwartete mich der Nordföhn in voller Stärke, dazu ein herrlicher Dolomitenblick.

Herrliche Aussicht auf der Kreuzspitze

Herrliche Aussicht auf der Kreuzspitze

Meine Mitstreiter erreichen den Gipfel

Meine Mitstreiter erreichen den Gipfel

Am Gipfel war es etwas zugig

Am Gipfel war es etwas zugig

Nach kurzer Pause machten wir uns an die Abfahrt, die in ihrer Qualität recht gemischt war: Kurze Firnstücke wechselten mit Harsch und Bruchharsch sowie zwei kurzen Felspassagen. Immerhin – auch wenn ich nach wie vor einen eher aufstiegsorientierten Fahrstil pflege (es hat schon seinen Grund, warum ich während der Abfahrt kaum fotografiere) – kam ich doch deutlich besser zurecht als am ersten Tourentag des Vorjahres. Ganz ohne Sitzprobe ging es aber natürlich nicht.

Felsberührung auch während der Abfahrt

Felsberührung auch während der Abfahrt

An der Oberlipper Almhütte legten wir eine Rast ein, dann ging es über den Forstweg gemütlich zurück nach Kalkstein, wo wir uns bereits um ein Uhr an Sauerkraut und Weißbier labten. Schließlich besuchten wir noch das bekannte Wilderergrab, bevor wir abfuhren. Besagter Wilderer wurde von zwei Jägern erschossen, die ihn mit dem achten Schuss in den Hinterkopf trafen…

Das Grab eines von Jägern erschossenen Wilderers in Kalkstein

Das Grab eines von Jägern erschossenen Wilderers in Kalkstein

2. Tag: Regelspitze (2775 m)

Am zweiten Tag ging es nach ähnlich frühem Aufstehen ins von Welsberg aus nahegelegene Gsieser Tal. Inzwischen war es mir zum Glück gelungen, Harscheisen aufzutreiben, die wir auch tatsächlich auf allen weiteren Touren benötigen sollten.

Wir verlassen den Wald

Wir verlassen den Wald

Von der Skipiste aus (ca. 1600 m) gingen wir auf einem im unteren Bereich auch schon recht aperen Forstweg zunächst in westlicher Richtung und bogen dann nach rechts ins Kasertal ab. Nach einem kurzen Serpentinenanstieg weitet sich das Tal zu weiten Wiesenflächen. Der Anstieg war deutlich steiler als am Tag zuvor und somit auch deutlich anstrengender. Dazu war es noch wärmer und der Wind hatte sich gelegt; teilweise stieg ich nur im Merinohemd. Siggi ließ dann auch den Gipfel aus; Paul, Manfred und ich stiegen weiter zur Scharte nordöstlich des Gipfels und gingen von dort aus zu Fuß zum höchsten Punkt, den wir erneut kurz nach elf erreichten.

Blick zurück über unseren Anstiegsweg

Blick zurück über unseren Anstiegsweg

Das obere Kasertal; links die Regelspitze

Das obere Kasertal; links die Regelspitze

Die tolle Fernsicht von den Ötztalern bis zu den Julischen Alpen genossen wir nur kurz, denn Paul machte in bisschen Druck, damit wir rechtzeitig wieder abführen. Vor lauter Beeilung vergaß ich, vor der Abfahrt meine Skischuhe in Abfahrtsposition zu bringen, was mich in die unangenehme Situation brachte, nach den ersten Metern noch mal zurücksteigen und meine Schuhe versorgen zu müssen. Zu schnell ist dann auch wieder langsam.

Blick vom Gipfel nach Norden auf die Rieserferngruppe

Blick vom Gipfel nach Norden auf die Rieserferngruppe

Fern im Osten der Großglockner

Fern im Osten der Großglockner

Die Abfahrt wurde deutlich schöner als am Tag zuvor: Der Gipfelhang war noch ruppig, danach folgten tolle Firnhänge und schließlich eine Bachquerung mit angeschnallten Ski. Kurz, bevor wir den Wald wieder erreichten, machten wir Pause und freuten uns, genau rechtzeitig abgefahren zu sein. Später, auf dem Forstweg kam uns gegen Mittag noch eine Gruppe entgegen. Das kann kaum noch Spaß gemacht haben!

3. Tag: Hinterbergkofel (2726 m)

Für den dritten Tag wurde die Aufstehzeit noch einmal nach vorne geschoben, so dass wir bereits um halb sieben am Antholzer See (1642 m) starteten. Zunächst überquerten wir den noch stabil zugefrorenen See und stiegen dann steil über den Wanderweg zum Staller Sattel (2052 m) empor.

Wildgall und Hochgall in der Morgensonne

Wildgall und Hochgall in der Morgensonne

Eine Almhütte mit Blick auf Wildgall und Antholzer See

Eine Almhütte mit Blick auf Wildgall und Antholzer See

Von hier stiegen wir über harten, windgepressten Schnee nach Nordosten ins Weissenbachtal hinein. Dem Tal folgten wir nach Südosten; zwischendurch überholten uns zwei Tourengeher, die von der Osttiroler Seite den Sattel erreicht hatten. Unterhalb der Hallscharte bogen wir dann nach Süden ab und erstiegen ein Joch etwas westlich des Gipfels. Es war steil hier und durchaus anstrengend, doch ich genoss einfach dort zu sein, in den Alpen, in der Sonne, mit Ski an den Füßen.

Wir steigen der Sonne entgegen

Wir steigen der Sonne entgegen

Bereits kurz unterhalb des Joches mussten wir von den Ski steigen und oben mussten wir sie an den Rucksack schnallen, bevor es über den Grat weiterging. Das fühlte sich doch mal nach Bergsteigen an! An einem kleinen, nach Süden hin offenen Sattel deponierten wir die Bretter und gingen von dort aus weiter zum Gipfel, von wo uns die beiden Überholer gerade entgegenkamen.

Am Grat zum Hinterbergkofel

Am Grat zum Hinterbergkofel

Manfred in der Sonne

Manfred in der Sonne

Mal sehen, wie gut meine Trittsicherheit in Skischuhen ist

Mal sehen, wie gut meine Trittsicherheit in Skischuhen ist

Nach Aussichtsreicher Pause fuhren wir dann nach Süden ins Agsttal ab. Bis etwa 2300 m hatten wir erneut richtig tollen Firn, danach wurde es etwas durchwachsen und es galt einiges an Bruchharsch zu bewältigen

Blick nach Süden: Im Vordergrund der Kaserspitz, dahinter die Dolomiten

Blick nach Süden: Im Vordergrund der Kaserspitz, dahinter die Dolomiten

Blick nach Norden mit Rieserfernergruppe links im Vordergrund und der Venedigergruppe rechts dahinter

Blick nach Norden mit Rieserfernergruppe links im Vordergrund und der Venedigergruppe rechts dahinter

Nach dieser abwechslungsreichen Tour schmeckten Weißbier und Nudeln in der Hexenschenke auf dem Staller Sattel besonders gut, bevor wir durch den Wald und über den See zu unserem Ausgangspunkt zurückkehrten.

Weißbiergenuss in der Hexenschenke

Weißbiergenuss in der Hexenschenke

Tag 4: Gaishörndl (2615 m)

Auch am vierten Tag klingelte der Wecker noch vor fünf Uhr. Zehn vor sieben starteten wir dann in Kalkstein zu unserer letzten Tour in den Villgratner Bergen – auch dieses Mal bei strahlendem Sonnenschein. Statt nach Nordwesten zur Kreuzspitze wandten wir uns heute mehr südlich. Wir folgten zunächst dem Alfner Bach und erklommen über einen steilen Hang die Alfner Alm. Hier wurden wir von einem anderen Bergführer mit zwei Gästen überholt.

Wo kein Wind wehte, wurde es auch an diesem Tag wieder richtig warm

Wo kein Wind wehte, wurde es auch an diesem Tag wieder richtig warm

Paul sagte, wenn wir dem anderen Bergführer folgten, könnten wir nichts falsch machten. Mich von meinen eigentlichen Begleitern absetzend tat ich zunächst auch genau das. Schließlich machte die vorausgehende Gruppe aber einen Schlenker, bei dem ich mir nicht mehr vorstellen konnte, dass er zum selben Ziel wie dem unsrigen führen sollte. Also ging ich die Gipfelflanke recht direkt an; auch hier gab es eine vernünftige Spur, der zu folgen sich aber bald als unnötig steil und mühsam herausstellte. Als ich meinen Fehler einsah, war es leider zu spät, die anderen davon abzuhalten, mir zu folgen. Weißbier und Sauerkraut gingen an diesem Tag dann auf mich. Immerhin schaffte ich es, ziemlich genau gleichzeitig mit der vorausgehenden Gruppe kurz vor zehn am Gipfel einzutreffen.

Paul und Siggi auf dem Weg zum Gipfel

Paul und Siggi auf dem Weg zum Gipfel

Das Gipfelkreuz des Gaishörndls

Das Gipfelkreuz des Gaishörndls

Umfassende Gipfelaussicht

Umfassende Gipfelaussicht

Nach gebührlicher Gipfelrast schwangen wir uns die ersten 500 Hm über erneut großartige Firnhänge sehr entspannt hinab. Ein Riesenspaß! Der dann folgende steile Hang war eher ruppig, anschließend ging es recht flach über einen Weg zurück in den Ort. Auch dieses Mal kamen uns im unteren Teil zwei Gruppen entgegen, die später sicherlich deutlich weniger Freude am Firn hatten als wir.

Abfahrt über großartige Firnhänge

Abfahrt über großartige Firnhänge

Nachdem wir die Tour mittags abgeschlossen hatten, machten wir uns auf den Weg nach Kals am Großglockner, wohin wir den ansteigenden Temperaturen auswichen. Dort unternahmen wir dann zwei weitere sehr schöne Skitouren.

2 Kommentare

  1. hallo hannes,
    tolle berichte und tolle bilder hast du aus deinem urlaub aus südtirol mitgenommen! und super wetter hattet ihr auch. sieht nach einer richtig angenehmen tourenwoche aus. 🙂
    ich bin schon gespannt auf die berichte der beiden touren im großglocknergebiet!
    liebe grüße aus südtirol
    magdalena

  2. Danke Magdalena,

    bei Euch in Südtirol ist es aber eben auch immer wieder sehr schön!

    Es war wirklich eine tolle Woche und für so viel Wetterglück kann man nur dankbar sein.

    Der zweite Teil ist nun auch online.

    Schöne Grüße
    Hannes

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