Im Brentanebel

Wanderung am 30.08. 2012

Die Brenta ist berühmt für ihre schroffen Felsabstürze und kühnen Türme, für ihre begehbaren Bänder – und für ihren Nebel. Alle diese Zutaten kamen zusammen bei unserer Begehung des Sentiero Alfredo Benini – insofern war es eine geradezu perfekte Brenta-Wanderung, wenn ich nur nicht meine Kamera verloren hätte, weshalb dieser Bericht auch etwas spärlicher bebildert ist als üblich.

Von Madonna di Campiglio fuhren wir mit der Seilbahn zum Passo del Grostè auf 2446 m und starteten gegen 10:30 Uhr unsere Wanderung. Das Wetter war freundlich, doch hingen bereits einige Wolkenbänke in den Bergen.

Rückblick zum Passo del Grostè und der Pietra Grande dahinter

Rückblick zum Passo del Grostè und der Pietra Grande dahinter

Blick voraus auf die Cima del Grostè

Blick voraus auf die Cima del Grostè

Von der Bergstation der Seilbahn aus geht es zunächst südwärts über eine verkarstete Hochebene in Richtung der Cima del Grostè, die dann aber östlich umgangen wird. Immer wieder boten sich Blicke auf die terrassierte Fortsetzung dieser Ebene nach Südosten hin. Eine solche Landschaft hatte ich Hochgebirge noch nie gesehen!

Erstaunliche Kalklandschaft auf der Ostseite des Brenta-Stockes

Erstaunliche Kalklandschaft auf der Ostseite des Brenta-Stockes

In gleichmäßigem Tempo überholten wir eine französische Wandergruppe, wurden selbst wiederum von zwei Italienern überholt und gelangten schließlich zum Beginn des Sentiero attrezzato Alfredo Benini auf der Ostseite der Cima del Grostè. Hier legten wir Gurt und Klettersteigset an, die Helme hatten wir angesichts der Kürze der versicherten Passage zu Hause gelassen.

Der Benini-Steig ist kein Klettersteig, sondern ein Wanderweg, der an einigen ausgesetzten Stellen versichert ist. Für diese ist ein Klettersteigset durchaus sinnvoll, denn Absturzgefahr ist gegeben. Der Steig liegt durchaus spektakulär auf einem stellenweise schmalen Felsband, allein durch den sich immer weiter verstärkenden Nebel konnten wir die Tiefe zu unserer Linken nur erahnen. Gegen Mittag erreichten wir den höchsten Punkt des Steiges. Während Claudia Pause machte und etwas aß, machte ich einen kurzen Abstecher zur Cima Falkner (2999 m) und genoss die gewaltige Aussicht… in die Nebelwand. Schnell war ich wieder unten und genehmigte mir ebenfall etwas tiroler Kaminwurzen.

Durch meinen Abstecher dauerte unsere Pause ein klein wenig zu lange. Denn kurz bevor wir wieder aufbrachen, überholte uns die französische Gruppe, die anschließend den Abstieg an einer Steilstufe nur sehr langsam bewältigte und uns zum Warten zwang.

Schließlich war auch das geschafft und es ging zügig der Bocca del Tuckett (2649 m) entgegen, wo der Benini-Steig endet. Laut Hüslers Klettersteigführer sind es von hier aus über das Rifugio Tuckett zurück zur Seilbahn 2h. Ein entgegenkommender Wanderer meinte, wir würden sicherlich 4 brauchen. Das besorgte mich ein wenig, sollten wir doch möglichst die letzte Seilbahn um 17 Uhr erwischen, und es war bereits kurz vor halb zwei.

Am Pass hatte es zu regnen begonnen; der Regen wurde nun immer stärker, dazu blies ein kalter Wind aus Westen. Am Morgen war mir ein dummer Fehler passiert: Ich hatte meine Fleecejacke vergessen – soweit ich mich erinnern kann zum ersten Mal überhaupt. Nun, nur in Baselayer und Regenjacke absteigend, wurde mir doch etwas kalt am Oberkörper. Claudia hatte in der zunehmenden Kälte vor allem Probleme mit der Beinmuskulatur und stakste etwas steifbeinig umher. Es war in dieser Situation, als ich schließlich bemerkte, dass ich meine Kamera verloren hatte.

Ich hatte sich am Hüftgurt des Rucksacks getragen, wie schon hunderte Mal zuvor, doch dieses Mal hatte ich irgend etwas falsch gemacht. Vedammt!

Rückblick am Rifugio Tuckett. Der Abstieg erfolgt durch die Scharte auf der linken Seite

Rückblick am Rifugio Tuckett. Der Abstieg erfolgt durch die Scharte auf der linken Seite

Da ich nur sehr grob eingrezen konnte, wo das passiert sein konnte, kam eine Suchaktion in Kälte und Regen nicht in Frage. Außerdem mussten wir unsere Seilbahn erwischen. Also weiter Abstieg bis zum Rifugio Tuckett (2272 m), wo ich eine Beschreibung der Kamera samt Telefonnummer hinterließ (bislang vergebens). Der Rückweg zum Pass wurde dann vor allem ein Wettlauf mit der Zeit. Claudia war recht erschöpft, hielt aber tapfer durch bis wir zwanzig vor fünf endlich wieder die Bergstation erreichten. Es war eine Bergtour mit gemischtem Erfolg, die hier zu Ende ging, doch immerhin blieb uns der Fußmarsch ins Tal erspart.

2 Kommentare

  1. schade. das mit deiner kamera tut mir leid.
    sie ist wahrscheinlich nicht mehr aufgetaucht, kann ich mir vorstellen.
    liebe grüße

  2. Hallo Magdalena,

    für die Kamera habe ich die Hoffnung mittlerweile aufgegeben. 🙁 Ganz schön blöd von mir…

    Schöne Grüße
    Hannes

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