Wanderung im Ammergebirge am 13.06.2013

Es ist immer wieder erstaunlich, wie stark Touristenströme räumlich und zeitlich kanalisiert werden. Oft ist schon der Nachbargipfel eines beliebten Berges völlig einsam. Wir wandten am Donnerstag einen anderen Trick an, wir kamen erst, als alle anderen schon wieder weg waren.

Schon für unsere letzte Feierabendtour hatten sich Tobias und ich mit Herzogstand und Heimgarten zwei sehr beliebte Ziele ausgesucht und dieses Mal stand der wahrscheinlich noch beliebtere Tegelberg an. In unmittelbarer Nähe des Schlosses Neuschwanstein gelegen und durch eine Seilbahn erschlossen, zieht dieser Aussichtsberg zahlreiche Besucher an. Doch wir hatten Glück, zwischen Fahrstraße zum Einstieg des Gelbe-Wand-Steiges und Marienbrücke trafen wir niemanden.

Blumenpracht am Zustiegsweg

Am Einstieg des Gelbe-Wand-Steiges

Gegen halb sechs starteten wir unsere Runde an der Talstation der Tegelbergbahn (840m). Erst über eine Fahrstraße, dann auf einem Pfad durch den Wald ging es zum Einstieg des vor 2 Jahren zu einem Klettersteig (A) ausgebauten Gelbe-Wand-Steiges, der sich zunächst aussichtsreich, dann im Schatten einer beeindruckenden Felswand zum Rücken des Tegelberges zieht.

Im oberen Teil des Steiges

Ich weiß nicht, ob es am Lauftraining am Abend vorher lag, an der in diesem Jahr bislang ungewohnten Hitze oder an den hohen Stufen im unteren Teil des Weges, aber irgendwie fiel das Steigen dieses Mal schwerer als sonst. Halbwegs zügig kamen wir trotzdem voran und erreichten nach anderthalb Stunden das Tegelberghaus. Von dort aus ging es über einen Weg und zum Schluss sehr nett am Grat in 20 Minuten zum Gipfel des Branderschrofens (1881m).

Der Gipfel des Branderschrofens

Dort saßen wir dann eine halbe Stunde, genossen die ungewöhnlich klare Sicht, gönnten uns Semmeln und Gipfelbier (was wir dieses Mal nicht vergessen hatten!) und erkundeten den anregend ausgesetzten Pfad über den Ostgrat.

Gipfelbier

Gipfelaussicht: vorne Hochplatte, Straußberg und Säuling, dahinter Wetterstein, Mieminger, Lechtaler und Tannheimer

Abstieg am Gipfelgrat

Schließlich war es Zeit aufzubrechen. Richtung Pöllat-Schlucht wählten wir eine direkte Abstiegsvariante, die fast immer am Grat entlang führt und nur im unteren Teil gelegentlich auf dem markierten Wanderweg verläuft. Leider brachte uns von Westen aufziehende Bewölkung um den Sonnenuntergang, trotzdem musste ich immer wieder anhalten, schauen und fotografieren. Weiter unten ergaben sich dann auch Blicke auf Ludwig des II. Märchenschloss; hier stürzen anscheinend regelmäßig Touristen zu Tode, die sich auf der Jagd nach dem besten Fotostandort zu nah an die Abbrüche zur Pöllat-Schlucht heranwagen.

Bei so schönen Posierfelsen…

…konnten wir nicht widerstehen

Alpine Farbtupfer

Seen und Sonne

Unser Abstieg endete an der Marienbrücke, die kühn die tiefe Schlucht überspannt. Von dort wanderten wir am Schloss vorbei und bei zunehmender Dunkelheit durch die Schlucht und zurück zum Parkplatz. Viertel nach zehn war diese sehr schöne und unerwartet einsame Runde abgeschlossen.

Schloss Neuschwanstein

Wasserfall in der Pöllat-Schlucht