Klettern in den Chiemgauer Alpen am 08.06.2013

Am Samstag stand mal wieder Klettern auf dem Programm: Claudia, Karoline und ich hatten uns die Kampenwand-Überschreitung vorgenommen. Es kam letztlich etwas anders, aber wir hatten eine Menge Spaß dabei.

Unsere Tour begann gegen halb zehn Uhr morgens, als wir uns an einer Bank am Wanderweg zwischen Sonnen- und Steinlingalm trafen. Claudia und ich waren mit der Kampenwandbahn herauf gekommen, Karoline zu Fuß.

Es geht los - Sonnenalm und Kampenwand

Es geht los – Sonnenalm und Kampenwand

Ein kurzes Stück folgten wir noch dem Wanderweg, unterhalb des Grates bogen wir dann ab und schlugen uns durch Latschen zum Ansatz der Felsen. Dort war in etwa 3m Höhe auch schon ein Bohrhaken zu erkennen. Prima! Allerdings sah der plattige Beginn deutlich schwieriger aus als der II. Grad, den der Einstieg in den Westgrat eigentlich haben sollte. Rechts neben der Wand fand sich noch eine steile Rinne, die zwar keine Haken aber dafür scheinbar leichter kletterbares Gelände aufwies. Es dauerte zwei Versuche und eine Dreiviertelstunde, bis wir die Rinne als Einstiegsoption ausgeschlossen hatten…

Stattdessen ging Karoline nun doch die glatte Wand an. Nach einigem Herumprobieren an der Schlüsselstelle schaffte sie diese auch und stieg anschließend entspannt bis zu einem ersten Standring auf. Von uns dreien hatte ich hier die größten Probleme, wozu sicherlich auch die beiden Rucksäcken beitrugen, die ich tragen musste (Karoline war ohne ihren vorgestiegen)! Schließlich gelangte aber auch ich zum Standplatz und wir hatten endlich eine erste Seillänge geschafft.

Die Einstiegswand ist geschafft

Die Einstiegswand ist geschafft

Die nächste Herausforderung war eine Art Minikamin – eine kurze, sich nach oben hin verengende plattige Passage zwischen zwei überhängenden Felspartien. Vom Stand aus sah das Stück absolut unproblematisch aus, doch als Karoline hier kehrt machte, ahnte ich, dass es so leicht nicht sein würde. Besagte Stelle war dann tatsächlich deutlich steiler als sie von unten schien und sah aus der Nähe gar nicht so leicht aus. Die Lösung brachte dann, mit der rechten Hand eine Kante am Grund des Kamins auf Zug zu nehmen und mit dem linken Fuß auf Reibung anzutreten, so dass ich mit rechts einen Tritt unter dem Überhang erreichte. Danach noch zwei kurze Züge und ich stand auf einem Absatz mit Gehgelände bis zum Standplatz.

Der 2. Zwischenstand

Der 2. Zwischenstand

Und weiter geht's

Und weiter geht’s

Es folgte eine lange, aussichtsreiche und schöne Seillänge über den Grat und dann erreichten wir … den Einstieg! Vor uns stand der Ansatz des eigentlichen Westgrates und eine deutlich sichtbare Spur zog von rechts hinauf. Tja, blöd gelaufen, aber immerhin hatten die letzten drei Seillängen Spaß gemacht. Inzwischen wissen wir, dass wir den „Gesamten Westgrat“ (IV+) geklettert sind – eine meiner Meinung nach durchaus lohnende Einstiegsvariante.

Immer wieder zierte Enzian unseren Weg

Immer wieder zierte Enzian unseren Weg

Nun begannen wir also die eigentliche Überschreitung. Die erste Seillänge wies eine kurze Passage im III. Grad auf, danach wurde es deutlich leichter. Einen Abschnitt sicherten wir noch, dann ging es seilfrei bis zum Westgipfel. Von hier bot sich ein guter Blick auf Gmelchturm, Teufelsturm und Hauptgipfel der Kampenwand. Da es mittlerweile halb drei war, beschlossen wir, die beiden Türme auszulassen und direkt zum Hauptgipfel steigen.

Am Beginn des eigentlichen Westgrates; im Hintergrund unsere Einstiegsvariante

Am Beginn des eigentlichen Westgrates; im Hintergrund unsere Einstiegsvariante

Andere Seilschaften haben es sich bereits auf dem Teufelsturm (vorne) und dem Hauptgipfel gemütlich gemacht

Andere Seilschaften haben es sich bereits auf dem Teufelsturm (vorne) und dem Hauptgipfel gemütlich gemacht

An der Nordwestverschneidung warteten jedoch bereits zwei Seilschaften und wir beschlossen, stattdessen den Normalweg zu gehen. Also seilten wir nicht in die Scharte, sondern in die aus dieser herabziehende Schlucht ab. Unten angekommen bot sich eine neue Herausforderung: Ein unglaublicher Seilfitz. Wir waren bestimmt eine Viertelstunde beschäftigt, bevor es weiterging. Anschließend ging es durch eine feuchte, kleingriffige Rinne (II) ins leichte Schrofengelände unterhalb der Gipfelwand und dann östlich weiter über geneigte Platten (II-) zum Gipfelgrat.

Abseilen an der Scharte zum Hauptgipfel

Abseilen an der Scharte zum Hauptgipfel

Oben angekommen wähnte ich mich am höchsten Punkt, richtete entspannt den Stand ein und begann mit dem Nachsichern. Als mir schließlich aufging, dass der Gratbuckel etwas weiter westlich doch noch zwei Meter höher ist, hatte ich keine Motivation mehr, dorthin zu kraxeln. Dafür saß ich viel zu bequem! Im Nachhinein schade, denn schwer wäre es nicht gewesen, aber auch so war es eine toller Tag am Fels. Und Wiederkommen müssen wir ohnehin, um die Überschreitung so zu gehen, wie sie eigentlich gedacht ist.

Perfekte Seilaufnahme am letzten Stand

Perfekte Seilaufnahme am letzten Stand

Gipfelpanorama (rechts der Hauptgipfel, links der Ostgipfel mit dem bekannten Gipfelkreuz)

Gipfelpanorama (rechts der Hauptgipfel, links der Ostgipfel mit dem bekannten Gipfelkreuz)

Nach sonniger Gipfelrast machten wir uns schließlich an den ostseitigen Abstieg (II-) und beschlossen den Klettertag mit einem herrlich kühlen Bier auf der Steinlingalm, die Gipfel der Kampenwand im Blick.