Hochtour in den Zillertaler Alpen vom 29.-30.06.2013

Das Wochenende steht vor der Tür, das Bergfieber kribbelt in den Adern, Neuschnee hat die hohen Berge eingedeckt und die Wetteraussichten sind auch zweifelhaft. Was also tun? Zum Glück fand Karoline als neuschneetaugliche Hochtour mit halbwegs guten Chancen auf Sonne den Schwarzenstein, bzw. dessen Besteigung aus dem Tauferer Ahrntal. Das klang gut und die Vorfreude war geweckt.

Samstag vormittag fuhren Karoline, Robi und ich also mal wieder über den Brenner und nahmen die Ausfahrt ins Pustertal. In den letzten Jahren war ich ziemlich oft dort und es ist immer wieder schön. Da ziemlich viel los war, kamen wir erst gegen vier am Stalliler-Wirt (1472m) oberhalb von St. Johann an, wo unsere Bergfahrt beginnen sollte.

Bei leichtem Regen und Nebel sowie mit leichtem Grummeln („Ja, ja, auf die Südseite müssen wir fahren – da ist das Wetter besser…“) stiegen wir den eigentlich sehr schön gelegenen Wanderweg zum Kreuzkofel (2420m) hinauf, den wir nach gut anderthalb Stunden erreichten. Dieser besticht zwar nicht gerade durch überragende Eigenständigkeit und an diesem Tag auch nicht durch irgendeine Art von Aussicht, aber immerhin durch sein Kreuz.

Bei ausperlender Luftfeuchtigkeit ging es dahin

Wir verweilten nur kurz und stiegen dann zur Kegelgasslalm (2123m) ab, wo wir erst einmal mit einem Schnaps zum Aufwärmen begrüßt wurden. Auf der sehr schönen, kleinen Hütte befanden sich außer uns noch einige Wandergäste, später kamen noch vier einheimische Damen hinzu, die am nächsten Tag ebenfalls den Schwarzenstein besteigen wollten, allerdings mit Ski. Dies wiederum führte bei uns zu Zweifeln, ob wir hier zu Fuß wirklich richtig waren.

Abstieg vom Kreuzkofel

Zusammen mit den anderen Gästen genossen wir bei gutem Essen und einigen Gläsern Edelvernatsch einen lustigen Hüttenabend, bevor es schließlich angenehm beschwert ins Bett ging. Die Nacht wurde allerdings keine besonders gute, dafür sorgten – trotz Ohropax – zwei Dauerschnarcher.

Am nächsten Morgen plötzlich Aussicht auf Durreck- und Rieserfernergruppe

Nachts hatte es noch geregnet, doch als wir um halb sieben beim Frühstück saßen, riss es bereits auf. Ein Schauer kam noch, dann schien es trocken zu bleiben. Das wäre ja ganz gut für so eine Hochtour… Inzwischen waren zwei weitere Skitourengeher aus dem Tal aufgestiegen, die nun mit den vier Damen gen Gipfel starteten, und kurz darauf legten auch wir los.

Zunächst ging es auf einem Pfad und über leichtes Blockwerk bergan, ab ca. 2400m lag dann fast durchgehend Schnee. Wir waren eine recht sture Seilschaft – jeder von uns wollte unbedingt spuren und jeder durfte auch mal. Der Neuschnee war dabei meist knöcheltief, nur hin und wieder brach man auch tiefer ein.

Auf dem Weg zum Tribbachkees

Kurz bevor wir die Schwarzensteinhütte auf 2922m erreichten, kamen uns die Skifahrer schon wieder entgegen – der Wind sei zu stark zum Weitergehen. Tatsächlich bliesen auch uns immer wieder eisige Böen Schneekristalle ins Gesicht. Schön war das nicht, aber noch kein Grund umzukehren. Und wer braucht schon Ski bei so ein bisschen Schnee?! Etwa bei der Hütte begann auch die Wolkendecke, so dass wir ab hier im Nebel weiterstapften. Nur gelegentlich riss dieser auf und gewährte uns einen Blick auf Rieserferner- und Durreckgruppe sowie auf den weiteren Verlauf unseres Anstiegs.

Dank der Sommerfrische mussten wir uns etwas dicker anziehen

Steiles Gelände unterhalb des Felsköpfels

Über das obere Tribbachkees stiegen wir zunächst nordwärts, bogen dann an einem Wegweiser westlich ab und schwenkten schließlich wieder nach Nord auf das Felsköpfl (3235m) zu. Dieses erstiegen wir durch steilen Firn und steckten oben dann völlig in der Suppe. Durch Orientierung am Grat fanden wir trotzdem die Querung hinüber zum Schwarzenstein (3369m), den wir kurz nach Mittag erreichten. Aussicht war uns nicht gegeben, aber immerhin eine windgeschützte Bank, die wir zwar ausgraben mussten, die uns dann aber auch eine perfekte Rastmöglichkeit bot. Denn Hunger hatten wir alle jede Menge.

Ausstieg aus der steilen Firnflanke

Freude beim Erreichen des Gipfels

Nach der Gipfelrast folgten wir unseren Spuren zurück zur Schwarzensteinhütte. Inzwischen hob sich die Wolkendecke, der Wind ließ nach und es wurde allgemein freundlicher. Also an der Zeitplanung müssen wir noch arbeiten…

Es reißt tatsächlich noch mal auf

Von der Hütte aus stiegen wir dann nicht wieder zur Kegelgasslalm ab, sondern suchten den direkten Weg zum Stalliler. Dies ging zunächst sehr gut, bis ein versicherter Abschnitt durch eine steile Rinne führt, die noch komplett schneegefüllt und nicht mit vertretbarem Risiko begehbar war. Hier hieß es zwei Längen bis in den Firn oberhalb des Rotbachkees abseilen. Karoline und Robi erwiesen sich dabei als perfekt eingespieltes Team, was zusammen mit Robis Findigkeit beim Einrichten von Abseilständen dazu führte, dass wir recht schnell unten waren. Auch vom Firnansatz seilten wir noch einmal auf den Gletscher ab – eine Maßnahme, deren Sinn dadurch belegt wurde, dass ich zwischendurch genau mit beiden Beiden in die Randkluft stieß und nur nach einigen Verrenkungen die Abseilfahrt fortsetzen konnte. Da hätte man nicht zu Fuß absteigen mögen!

Robi erkundet die erste Abseillänge

Karoline in der zweiten Abseillänge

Schließlich war auch das geschafft und der Rest des Abstiegs verlief unspektakulär, bis wir gegen 18:00 Uhr endlich wieder am Auto waren. Ein langer Tag ging hier zu Ende. Trotz der Jahreszeit waren die Bedingungen nur beinahe sommerlich und so wurde auch diese eigentlich einfache Hochtour zu einem kleinen Abenteuer.

Endlich Aussicht, das muss man genießen

Als ich schließlich kurz vor Mitternacht nach Hause kam, hieß es den Tourenrucksack aus- und den Wanderrucksack gleich wieder einpacken für die nächste Tour…