Bergtour im Mieminger Gebirge am 13.07.2013

Die kühne Berggestalt der Sonnenspitze, die die Südseite des Ehrwalder Beckens beherrscht, ist ein natürlicher Anziehungspunkt für Bergsteiger. Dementsprechend begehrt ist ihr Gipfel und auch ich hatte mir diesen schon länger in den Kopf gesetzt. Spontan schloss sich noch Jochen für diese Tour an, die wir am Samstag bei perfektem Sommerwetter durchführen konnten.

Aufgrund des stabilen Wetters mussten wir nicht so ganz arg früh aufstehen und legten erst gegen 09:15 Uhr am Parkplatz der Ehrwalder Almbahn (1110m) los. Der Anstieg zum Hohen Gang verläuft zunächst gemütlich durch Mischwald, bevor er allmählich aufsteilt. Die Laubbäume weichen Nadelbäumen und der Matsch einem Kissen aus abgefallenen Nadeln, während man langsam höher steigt.

Eine Geröllhalde markiert schließlich den Beginn alpineren Geländes. Kurz danach passiert man die „Coburger Bank“ mit Wettersteinblick und dann geht es auf dem Steig teilweise versichert steil hinauf bis zum Becken des Seebensees (1657m). Auch von diesem schön gelegenen See aus hatten wir einen herrlichen Blick auf die Südseite des Wettersteinmassivs inklusive Schneefernerkopf und Neuer Welt, die Jochen vergangenen Winter zum ersten mal befahren hat (und die etwas jenseits meiner skifahrerischen Fähigkeiten liegt).

Der Seebensee ist umraht von steilem Kalk

Der Seebensee ist umraht von steilem Kalk

... und bietet Aussicht auf den Wetterstein

… und bietet Aussicht auf den Wetterstein

Auf der anderen Seite kann man bereits die Coburger Hütte erkennen, die 250m über dem See auf einem Rücken thront. Sowohl auf dem Hohen Gang als auch rund um den See waren einige Wanderer unterwegs und im Klettersteig an der Tajakante konnte man auch eine beachtliche Zahl an Bergfreunden erkennen. Dementsprechend waren wir nicht erstaunt, nach insgesamt 2h Aufstieg die Terasse der Coburger Hütte (1917m) gut besetzt vorzufinden. Auch wir machten hier kurz Rast und gönnten uns ein Kaltgetränk, bevor wir unseren Aufstieg in Richtung Bieberwierer Scharte fortsetzen.

Auf einem Geröllfeld kurz vor dem Einstieg überholte uns ein Alleingänger, dem wir anschließend hinterherstiegen, bis wir einsehen mussten, dass er sich genau so wenig auskannte wie wir. Also hieß es, ein kurzes Stück wieder abzusteigen, hinüber zu einem Steinmann zu queren und dann waren wir endlich am Einstieg in den interessanten Teil der Tour.

Im südseitigen Aufstieg

Im südseitigen Aufstieg

Noch einmal Wettersteinblick

Noch einmal Wettersteinblick

Die Kletterei stellte sich als sehr schön heraus: fester, griffiger Fels und, im Gegensatz zum Hohen Gang, kaum abgespeckt. Auch die Markierung mit Farbklecksen und Steinmännern war genau richtig – ausreichend, aber nicht übermäßig. In der südseitigen Aufstiegsroute befinden sich sogar Stand- bzw. Abseilhaken, allerdings hatten wir keine Schwierigkeiten, hier seilfrei zu gehen. Die Kletterei (bis II) ging uns von Beginn an gut von der Hand und wir waren zügig unterwegs. In einer kleingriffigen, engen Rinne überholten wir zwei andere Berggänger, dann folgte eine luftige Querung an einem Drahtseil und weitere kurze Wände und Bänder. Schließlich – fast schon zu früh – erreichten wir den letzten Schrofenhang und standen kurz vor 14:00 Uhr auf dem Gipfel der Ehrwalder Sonnenspitze (2417m), an dem schon einige Andere saßen. Die Scharte zum Kreuz forderte noch einmal kurz den II. Grad und dann war der Moment für die Gipfelpause gekommen.

Am Gipfelgrat

Am Gipfelgrat

Wir genossen ausführlich die Aussichten auf Wetterstein, Ammergebirge und Lechtaler sowie den Hauptkamm der Mieminger im Süden, hinter dem einige Ötztaler Gipfel hervorlugten. Das Wetter war nach wie vor stabil, auch wenn sich inzwischen einige harmlose Quellwolken zeigten. Die Sonnenspitze machte an diesem Tag ihrem Namen wirklich alle Ehre.

Mieminger Gipfelpanorama

Mieminger Gipfelpanorama

Für den Abstieg wählten wir die nordseitige Route, die – im Gegensatz zu älteren Beschreibungen – frisch markiert war. Dieser Steig ist deutlich leichter als der südseitige und hat nur im obersten Teil einige Ier- und eine IIer-Stelle. Auf den schrofigen oberen Abschnitt folgt Wiesengelände und schließlich stiegen wir durch einen sehr schönen lichten Wald hinab zum Seebensee.

Aus dem steilen Gipfelbereich führt der Abstieg...

Aus dem steilen Gipfelbereich führt der Abstieg…

...über Wiesen zurück zum Seebensee

…über Wiesen zurück zum Seebensee

Hier machten wir noch einmal kurz Pause, bevor wir den weiteren Abstieg in Angriff nahmen. Am Hohen Gang konnten wir noch einmal die Aussicht genießen und weiter unten im dichten Wald freuten wir uns über den knieschonenden weichen Nadelboden, bevor wir dann zurück zum Parkplatz gelangten und unsere Sonnenschein-Tour ihr Ende fand. Sehr schön war’s an Ehrwalds kleinem Matterhorn!