Bergtour im Wetterstein am 15.08.2013

Feiertag, gutes Wetter, keine Lust auf Hetzerei. Also erst mal in Ruhe frühstücken, dann viertel vor neun losfahren nach Garmisch, um eine der klassischen Touen im II. Grad zu gehen, den Normalweg auf den Großen Waxenstein.

Feiertag, gutes Wetter, halb Bayern ist im Gebirge – hätte ich mir denken können, habe ich aber nicht – vielleicht die Naivität des Zuagroastn. Also stehe ich erst mal am Autobahnende eine knappe Stunde im Stau. In Grainau ist der Parkplatz dann schon so überfüllt, dass ich ca. 1 km weiter weg parken muss. Kurz zweifle ich an mir selbst: Warum suche ich mir an einem Feiertag ausgerechnet eine Tour im beliebten Höllental aus? Aber jetzt bin ich hier, die Sonne scheint, also was soll’s.

Waxensteine voraus

Kurz vor elf geht’s dann endlich los, genau richtig für eine 8-9h Tour… Im Anstieg zur Höllentaleingangshütte überhole ich diverse Wanderer. Es ist wirklich ziemlich viel los. Ich würde ja auch gerne über die vielen unfitten Touristen lästern, allein es will nicht recht gelingen. Denn es ist doch gut, wenn auch Menschen, die sich sonst offensichtlich nicht viel bewegen, die Schönheit der Bergwelt zu schätzen wissen und sich nach draußen wagen. Und die Höllentalklamm ist nun einmal wunderschön. Nun ist der Steig durch die Klamm nicht gerade natürlich aus dem Fels gewachsen, aber jetzt, da er einmal da ist, zieht er eben genau die Art Wanderer an, für die er gebaut wurde.

Der Hammersbach

In der Klamm

Nach solchen Überlegungen und Ergötzen an den Wasserspielen in der Klamm, komme ich auch schon zu deren Ende. Bis zur Höllentalangerhütte ist noch Stau, dort sowieso die Hölle los und dann wird es schlagartig einsam.

Höllental und Riffelköpfe

Hier geht’s los

An einem roten „W“ auf der Nordseite des Tals beginnt ein herrlich wilder Steig durch Gras, Schrofen und Felsgelände (bis I), der zwar durchgängig markiert ist aber offensichtlich nicht allzu oft begangen wird. Die insgesamt 7 Leute, die mir von hier bis zum Gipfel begegnet sind (darunter eine Gruppe) war sicherlich schon dem Feiertag geschuldet.

Typischen Gelände im Aufstieg

Ein letzter Felsaufschwung vor dem Schafsteig

Auf ca. 1950m trifft man auf den Schafsteig, folgt diesem ein wenig nach Westen und erreicht so die Waxensteinrinne. Diese bietet originelle Kletterei (bis II) in wassergeglättetem Kalkstein; im oberen Bereich verlässt man Markierungen folgend die Rinne nach rechts und steigt über Schrofen in Richtung Gipfel. Viertel vor vier erreichte ich den höchsten Punkt auf 2277m und konnte die beeindruckenden Tiefblicke zum Eibsee und auf Garmisch genießen. Die Zugspitze war leider in Wolken verborgen, doch auch das Ammergebirge bot einen schönen Anblick. Da mein Magen ziemlich knurrte, hielt ich mich nicht allzu lang mit Schauen auf und packte bald mein Essen aus.

Die Zugspitze zeigt sich kurz zwischen Wolken

Die Waxensteinrinne

Während ich am Gipfel meine Brotzeit genoss, kam ein einheimischer Alleingänger hinauf, der über die Nordseite aufgestiegen war („Einen Fünfer sollte man da schon seilfrei klettern können“) und hier auch sonst jeden Stein zu kennen schien. Er hatte einiges über Touren am Waxensteinkamm zu erzählen, bis wir schließlich wieder aufbrachen und zum Schafsteig abstiegen.

Tiefblick zum Eibsee

…und auf Garmisch

Hier wandte ich mich nach Südwesten, wo der Schafsteig kaum noch markiert ist und etwas Gespür für die richtige Wegfindung erfordert. In einigem Auf und Ab, aussichtsreich und sehr schön führte mich der Steig bis zum Wanderweg, der von Riffelscharte herabkommt. Über diesen ging es zurück zur Höllentalangerhütte, wo ich mir ein Radler gönnte, bevor ich den weiteren Abstieg in Angriff nahm.

Gams am Schafsteig

Inzwischen war schon deutlich weniger los als mittags und nun stiegen vor allem noch Zugspitzaspiranten – erkennbar an Helm und Pickel am Rucksack – zur Hütte auf. Dass einige von diesen bereits hier am Ende ihrer Kräfte zu sein schienen, gab mir dann doch zu denken.

Auch während des Abstiegs…

…zeigten sich in der Klamm solche Wasserspiele

In der Klamm hatte ich nun etwas mehr Muße, die vielfältigen Formen und Wasserspiele zu bestaunen als während des Aufstiegs, danach stieg ich zügig weiter ab und erreichte gege 19:20 Uhr mein Auto in Grainau. Auch auf der Rückfahrt war dann noch mal Stau – Feiertag und gutes Wetter in Bayern, für’s nächste Mal bin ich gewarnt. Ein großartiger Tag war es aber auch so.