Klettern in den Allgäuer Alpen am 11.08.2013

Klettern am Aggenstein stand auf dem Programm – klang prima, aber ließ sich erst mal mühsam an. Es begann schon am Abend zuvor, als einer der Rucksäcke beim Packen prähistorische, von zahlreichen Fruchtfliegen verreinnahmte Bananenreste offenbarte. Mmmmh, lecker…

Weiter ging es am nächsten Morgen, als ich beim Beladen des Kofferraums erst mal die Hälfte vergaß und alles noch mal packen durfte. Auf der Anfahrt war eine Straße gesperrt und die Umleitung kostete über 20 Minuten. Beim Aussteigen aus der Bergbahn haute ich mir den Schädel an, anschließend hätte ich mich in der Hütte fast hingelegt, als ich beim Tür aufhalten über eine Stufe stolperte. Nach dem Zustieg fand sich beim Auspacken der Seile in einem in der Mitte ein Knoten (und dabei nehme ich meine Seile IMMER sorgfältig auf!) und schließlich war mein Klettergurt dermaßen in sich verdreht und verheddert, wie ich es noch nie erlebt hatte. Ich brauchte 10 min, bis ich ihn endlich anlegen konnte.

Die Kemptner Kante (rechts von dem markanten Riss) im Überblick

Die Kemptner Kante (rechts von dem markanten Riss) im Überblick

So war es schon 12:00 Uhr, als wir endlich einstiegsbereit an der „Kemptner Kante“ standen. Und eigentlich hätte ich noch mal verschieben müssen, da mich ein größeres Bedürnis überkam. Aber jetzt nicht, jetzt wollte ich endlich klettern!

Claudia im oberen Teil der ersten Seillänge

Claudia im oberen Teil der ersten Seillänge

Blick nach oben auf die folgenden vier Seillängen

Blick nach oben auf die folgenden vier Seillängen

Und dann ging es endlich los – die Einstiegslänge ist mit IV- gleich die schwierigste. Der Fels war herrlich griffig und meistens auch bombenfest. Schnell kam ich in einen guten Bewegungsfluss und auch Claudia war super drauf. In fünf Seillängen (IV-, III, III+, III-, III+) zieht sich die Kemptner Kante bis zum Grat, es folgen drei weitere bis zum Gipfel des Aggensteins. Die Kletterei an der Kante ist dabei perfekt für Alpineinsteiger: der beschrieben tolle Fels, eine durchaus eindrückliche Routenführung und gute Bohrhakenabsicherung, die aber auch kein Klettergartenfeeling aufkommen lassen.

Gute Laune am Zwischenstand

Gute Laune am Zwischenstand

Aussicht nach Seillänge drei

Aussicht nach Seillänge drei

Der Grat enthält viel Gehgelände, aber auch noch einmal einige kurze, nette Kletterstellen. Kurz vor vier konnte ich Claudia schließlich zum Gipfel (1985m) nachholen und wir hatten unsere bislang längste gemeinsame Klettertour gemeistert.

Farbtupfer im grauen Kalk

Farbtupfer im grauen Kalk

Auch Edelweiß wächst in der Route

Auch Edelweiß wächst in der Route

Nach dem (natürlich auch dieses Mal sorgfältigen) Aufnehmen der Seile und dem Verstauen des Geraffels gaben wir im Abstieg ein bisschen Gas, um noch die letzte Talfahrt der Breitenbergbahn zu erwischen. Den Sessellift verpassten wir denkbar knapp, aber unten konnten wir noch mit der Gondel entspannt zu Tal schweben, bevor wir später auf die schöne Tour anstießen. Das Klettern hatte gewirkt und aus einem verkorksten Vormittag einen super Tag gemacht.

Am Gipfel des Aggensteins

Am Gipfel des Aggensteins

Beim Abstieg zeigt sich unser Gipfel noch einmal in voller Pracht

Beim Abstieg zeigt sich unser Gipfel noch einmal in voller Pracht