Wanderung in den Ötztaler Alpen vom 06-08.08.2013

Der zweite Teil meiner Wanderung über den Geigenkamm führte mich in noch einmal deutlich alpineres Gelände als der erste Teil. Dies ist einer der Vorteile der Gehrichtung Nord-Süd: Man beginnt im Inntal und steigert von Tag zu Tag Höhe und Eindrücke.

Nach zwei langen ersten Tagesetappen war für Dienstag ein weniger anstrengender Abschnitt geplant. Nur 4h sind für den Übergang von der Frischmann- zur Hauerseehütte veranschlagt. Kurz vor acht wanderte ich los und stieg durch das Fernerkar gemütlich zum Felderjöchl. Von hier aus machte ich noch den kurzen Abstecher zum 2837m hohen Innerberger Felderkogel (Stellen I), wo ich erst einmal 40 min Pause machte. Auch nicht schlecht, so ein entspannter Tag!

Im Fernerkar

Im Fernerkar

Kurz erwog ich einen Versuch am Plattikkogel, aber der Ostgrat erschien mir zu schwer und der Normalweg über den Südgrat zu mühsam. Also wanderte ich einfach weiter zum Weißen See und machte noch einmal Pause, um mich im AV-Führer über Klima und Geologie der Ötztaler Alpen fortzubilden.

Tiefblick zum Weißen See; Im Hintergrund Hauersee, Felderkogel und Luibiskogel

Tiefblick zum Weißen See; Im Hintergrund Hauersee, Felderkogel und Luibiskogel

Schließlich wanderte ich aber doch noch bis zu Hauerseehütte, die ich gegen 12:45 Uhr erreichte. Rustikal ist diese Unterkunft, die von (in meinem Fall sehr freundlichen) Mitgliedern der Sektion Ludiwgsburg bewartet wird, und sehr schön gelegen. Kurz badete ich im eiskalten Hauersee (laut Hüttenwart lag die Wassertemperatur bei 4°C), was zwar an den Füßen schmerzte aber auch ungeheuer erfrischend war, dann gab es etwas zu essen und einen Eintrag ins Tourenbuch. Ach ja, das Tourenbuch, wo steckt das denn? Und überhaupt die ganze Tasche mit Tourenbuch, AV-Führer, Karten, MP3-Player, etc? Im Rucksack ist sie nicht, ausgepackt auch nicht, dann gibt es ja nur noch eine Möglichkeit…

Der Weiße See liegt hinter der Geländekante unterhalb des Felderjöchls - dahin musste ich noch mal zurück

Der Weiße See liegt hinter der Geländekante unterhalb des Felderjöchls – dahin musste ich noch mal zurück

Kurz nach 14 Uhr brach ich also noch einmal auf, um zum Weißen See zurückzuwandern. Eine gehörige Portion Ärger hatte ich im Bauch, denn statt gut 2h und knapp 450 Hm Extrarunde wäre ich lieber in der Hütte liegen geblieben. Aber gut, was man nicht im Kopf hat,… Immerhin fand ich die Tasche an meinem Rastplatz auf Anhieb und konnte wenigstens beruhigt zur Hütte zurückkehren.

Für den Abend hatte ich Nudeln, rotes Pesto und eine Dose Tintenfisch dabei. Das schmeckte sehr gut, war allerdings viel zu viel, so dass ich gerne mit zwei anderen Bergfreunden teilte. Über den Stubaiern entlud sich ein Gewitter, doch hier war es ruhig und würde es hoffentlich auch am nächsten Tag bleiben.

Der Mittwoch wartete wieder mit einer längeren Etappe auf, dem Übergang zur Rüsselsheimer Hütte. Zwanzig vor sieben brach ich auf und erklomm zunächst über steile Schutthänge und entlang des Hauerferners die 2914m hohe Luibisscharte. Dabei fiel es mir nicht ganz leicht, den quasi direkt am Weg liegenden Luibiskogel zu ignorieren, aber ich wollte an diesem Tag höher hinaus…

Morgendlicher Blick auf Hauersee und -hütte

Morgendlicher Blick auf Hauersee und -hütte

Am Hauerferner

Am Hauerferner

Der steile westseitige Abstieg von der Scharte sowie der Übergang zum Sandjoch verlief über unangenehme Blockhalden und ich war froh, als ich um 09:00 Uhr am Sandjoch (2820m) dieses Gelände verlassen konnte. Dafür verschlechterte sich kurzseitig das Wetter: Bereits zuvor hatte es im Westen zugezogen und nun bliesen Wolken über das Joch und es fing an zu regnen. Als ich die Regenklamotten angezogen hatte, hörte es aber auch schon wieder auf. Der Föhn schien sich durchzusetzen an diesem Tag.

An der Luibisscharte wandert der Blick zum Kaunergrat

An der Luibisscharte wandert der Blick zum Kaunergrat

Am Sandjoch ziehen Wolken auf

Am Sandjoch ziehen Wolken auf

Nächste Station war das Breitlehnjöchl (2369m). Von hier aus ging es in ein weites Tal bergab und anschließend sehr steil in Serpentinen und an Versicherungen entlang wieder hinauf zum Rötkarljoch (2710m). Von hier stieg ich zu einem windgeschützten Platz ab und machte gegen elf eine vorgezogene Mittagspause. Anschließend ging es noch einmal bergauf zum Sattel „Auf Gahwinden“ (2649m), von wo aus man schon auf die Rüsselsheimer Hütte hinabblickt. Doch kurz nach Mittag war es natürlich noch viel zu früh, um schon die Hütte anzusteuern. Stattdessen wandte ich mich nach Osten, dem Westgrat der Hohen Geige entgegen. Von hier bis zum Gipfel war es in Höhenmetern ungefähr noch eine Jochberg-Besteigung. Das sollte doch zu machen sein!

Oberhalb des Breitlehnjöchls hat man einen guten Blick auf die Hohe Geige

Oberhalb des Breitlehnjöchls hat man einen guten Blick auf die Hohe Geige

Farbtupfer im Aufstieg zum Rötkarljoch

Farbtupfer im Aufstieg zum Rötkarljoch

Der Westgrat bietet stellenweise wirklich schöne Blockkletterei bis zum II. Schwierigkeitsgrad. Mit dem schweren Rucksack war das allerdings ganz schön anstrengend und ich wurde mit der Zeit immer langsamer. Sonst besteige ich den Jochberg eben auch nicht mit 1200 Hm in den Beinen.

Von hinten komme ich und nach rechts geht's weiter

Von hinten komme ich und nach rechts geht’s weiter

Ein flacherer Abschnitt des Westgrates

Ein flacherer Abschnitt des Westgrates

Kurz vor Erreichen des Gipfelkessels, wo der Grat auf den Normalweg stößt, steilt er noch einmal auf und der bislang lediglich markierte Anstieg wartet mit einigen Versicherungen an durchaus luftigen und steilen Abschnitten auf. Nachdem ich auch dieses alpinste Stelle des Grates überwunden hatte, stieg ich über Blockgelände und zwei Schneefelder weiter bis zum höchsten Punkt (3395m), den ich um 14:40 Uhr erreichte. Ganz schön fertig kam ich oben an aber auch sehr erfreut, dass ich das geschafft hatte!

Der Gipfelkessel mit dem See, wo früher ein Gletscher war

Der Gipfelkessel mit dem See, wo früher ein Gletscher war

Ein neugieriger Jungbock

Ein neugieriger Jungbock

Fast geschafft

Fast geschafft

Leider blies der Föhn hier so stark, dass mir nicht nach einer längeren Gipfelrast zumute war, so dass ich mich schon bald an den Abstieg über den Normalweg machte. Kurz nach halb fünf erreichte ich die auf 2323m gelegene Rüsselsheimer Hütte und konnte mich bei Bier und Steinbock-Gulasch ausruhen.

Gipfelblick nach Norden; Luibiskogel leicht rötlich rechts der Bildmitte, ganz hinten weiter links Fundusfeiler

Gipfelblick nach Norden; Luibiskogel leicht rötlich rechts der Bildmitte, ganz hinten weiter links Fundusfeiler

Etwas frisch war es am Gipfel

Etwas frisch war es am Gipfel

Rückblick zum oberen Teil des Westgrates

Rückblick zum oberen Teil des Westgrates

Donnerstag früh wurde ich nach einer miesen Nacht bereits um viertel vor fünf geweckt, als einige Lagernachbarn aufstanden. Ich tat es ihnen nach und verließ nach einem guten Frühstück bereits eine Stunde später die Hütte in Richtung Weißmaurachjoch. Für diesen Tag war bereits ab Mittag eine Kaltfront mit Gewittern vorhergesagt, aber Hüttenwirt Florian hatte gesagt, dass der Föhn die Front wahrscheinlich noch eine Weile aufhalten würde – Zeit genug also, um den Mainzer Höhenweg zu begehen.

Als ich um sieben am Weißmaurachjoch (2959m) eintraf, war der Himmel hinter dem beeindruckenden Dreigestirn von Wazespitze, Verpeilspitze und Rofelewand ziemlich finster. Ich hatte keine Ahnung, was ich von dem Wetter halten sollte. Nach einigem Überlegen entschied ich, dass der Mainzer Höhenweg angesichts dieser Unsicherheit zu exponiert sein würde. Also Abstieg. Aber nicht zurück ins Pitztal, sondern ins Ötztal. Ein bisschen sollte sich ja auch dieser Tag noch lohnen.

Watzespitze, Verpeilspitze und Rofelewand im Morgenlicht

Wazespitze, Verpeilspitze und Rofelewand im Morgenlicht

Der Abstieg durch das Weite Kar ins Pollestal war herrlich: An mehreren Lacken vorbei wanderte ich über sattgrüne Wiesen und an einem lebhaften Bach entlang. Das Pollestal selbst zieht sich dann schon etwas, ist aber auch sehr schön. Hier kann man meist die Forststraße gegen eine kaum markierte Pfadspur am Pollesbach eintauschen, was das ganze noch schöner macht.

Abstieg ins Weiter Kar

Abstieg ins Weiter Kar

Ein kleiner Wasserfall

Ein kleiner Wasserfall

Kurz drohten dunkle Wolken einen Schauer an, aber es blieb trocken, und als ich kurz vor Mittag über den Ötztaler Sagenweg ins Tal abstieg, war es sogar schon wieder richtig heiß. Kurz darauf saß ich in Huben auf einer Gasthausterrasse bei einem Bier und einem Schnitzel – über mir blauer Himmel und Sonnenschein. Ja, das hätte wohl locker gereicht heute und ich hätte auf Florian hören sollen. Beim nächsten Mal weiß ich das – und freue mich bis dahin über den sehr schönen Abstieg, der einen würdigen Abschluss dieser fünftägigen Tour bildete. Und drei Jahre später hole ich den verpassten Höhenweg dann auch endlich nach.

Das Pöllestal

Das Pöllestal

Huben - Endpunkt meiner Runde

Huben – Endpunkt meiner Runde