Des Zahmen Kaisers wilde Ecke

Bergtour im Kaisergebirge am 01.11.2013

Einige Male schon hatte ich von Durchholzen aus auf die steilen Wände geblickt, die das Winkelkar umrahmen. Dort oben den Grat zu begehen, das wäre was! Zu Allerheiligen bot sich nun endlich eine gute Gelegenheit, den Hauptabschnitt dieser Überschreitung zwischen Pyramidenspitze und Roßkaiser anzugehen.

Kurz nach halb acht starteten Franzi, Mark und ich am nebelverhangenen Parkplatz in Durchholzen auf 700m. Von hier führt zunächt eine Forsstraße zur Großpoitner Alm, ab dort geht es auf einem Wanderweg durch Wald und über Wiesen tiefer ins Winkelkar hinein. Ungefähr auf dieser Höhe verließen wir auch den Nebel, der unten im Tal allerdings noch einige Stunden verharren sollte und für das herbsttypische, immer wieder großartige wandern über dem Nebelmeer sorgte.

Dem Nebel entstiegen

Dem Nebel entstiegen

Bei ca. 1400m erreichten wir den gerölligen und felsigen Teil des Aufstieges und die angenehm wärmende Sonne erreichte uns. Über einige Versicherungen, zwischen herbstbraunem Gras und Schneeflecken ging es recht zügig voran, bis wir kurz nach zehn unseren ersten Gipfel erreichten, die Pyramidenspitze (1997m).

Auf dem letzten Wegabschnitt zur Pyramidenspitze

Auf dem letzten Wegabschnitt zur Pyramidenspitze

Wandern über dem Nebelmeer - immer wieder großartig

Wandern über dem Nebelmeer – immer wieder großartig

Hinter uns die Jofenspitze

Hinter uns die Jofenspitze

Da wir den Großteil der Höhenmeter hier schon hinter uns hatten, gönnten wir uns eine ausführliche Pause und genossen den Blick über das nebelbedeckte Inntal und auf die steilen Wände des Wilden Kaisers. Wir waren an diesem schönen Herbsttag die ersten hier heroben, von der Kufsteiner Seite kam allerdings bald auch ein Wanderer herauf, der etwas Abstand vom Gipfel und von uns haltend Ruhe und Aussicht einzusaugen schien.

Tiefblick zur Aschingeralm

Tiefblick zur Aschingeralm

Der erste Gipfel des Tages ist erreicht

Der erste Gipfel des Tages ist erreicht

Blick über das nebelbedeckte Inntal

Blick über das nebelbedeckte Inntal

Gegen halb elf machten wir uns dann doch auf den Weiterweg. Ein kurzes Stück stiegen wir auf dem Wanderweg ins Kaisertal ab, dann ging es weglos auf die Vordere Kesselschneid (2002m), den höchsten Gipfel des Zahmes Kaisers. Im Abstieg dieses Gipfels erwartete uns auch gleich die erste IIer-Stelle, dann wanderten wir aussichtsreich durch grasige Schrofen meist am Grat, manchmal etwas südlich davon, weiter bis zu einem kleinen Plateau, von dem aus die Hintere Kesselschneid nach Süden zieht. Natürlich nahmen wir uns die Zeit, auch diesen 1995m hohen Gipfel zu besteigen. Dessen Gipfelbuch bezeugte, dass er nicht allzu häufig bestiegen wird – es war sicherlich der exklusivste Gipfel dieses Tages.

Blick von der Vorderen Kesselschneid zum Roßkaiser

Blick von der Vorderen Kesselschneid zum Roßkaiser

Kraxelei an einer Gratstufe

Kraxelei an einer Gratstufe

Auch bis hierher hatte der Grat schon einige anregende Stellen gehabt, was auch dem „stellenweise nicht brüchigen“ Fels geschuldet war, wie Franzi etwas überspitzt anmerkte. In Richtung Roßkaiser wird der Fels nun nicht besser, der Grat dafür schmaler. Zunächst folgt allerdings etwas ausgesetztes Gehgelände, in dem sich hin und wieder etwas Furcht einflößende Tiefblicke in die stellenweise überhängende Nordwand auftaten. Insgesamt aber war es wunderschön hier oben mit herrlicher Aussicht auf Karwendel, Rofan, Wilden Kaiser, Steinberge und Berchtesgadener.

Gehgelände am Grat

Gehgelände am Grat

Tiefblick ins Winkelkar

Tiefblick ins Winkelkar

Kurz vor dem Roßkaiser boten einige Kraxelstellen dann wieder etwas Spannung. Der Aufstieg aus der letzten Scharte zu einer Schulter unter dem Gipfel sieht von Weitem ziemlich abschreckend aus, entpuppte sich aus der Nähe aber als gut gangbar. Nur auf Steinschlag muss man achten, da viel loses Gestein herumliegt. Hurtig kraxelten wir hinauf – ich hatte einen guten Tag und ich liebe diese Art von Schrofengelände!

Am aussichtsreichen Grat

Am aussichtsreichen Grat

Der letzte Abschnitt zum Roßkaiser

Der letzte Abschnitt zum Roßkaiser

Rückblick zur Pyramidenspitze

Rückblick zur Pyramidenspitze

Die nun folgende Querung kann im Schrofengelände umgangen werden. Wir gingen sie aber direkt an, was an einem abdrängenden, plattigen Felsbauch mit der Schlüsselstelle des heutigen Tages belohnt wurde. Kurz darauf saßen wir alle drei zufrieden auf dem Roßkaiser (1970m) und machten noch einmal eine ordentliche Gipfelrast.

Fast geschafft - das letzte steile Stück vor dem Gipfel

Fast geschafft – das letzte steile Stück vor dem Gipfel

Gipfelblick auf Berchtesgadener Alpen und Steinberge

Gipfelblick auf Berchtesgadener Alpen und Steinberge

Den weiteren, ziemlich latschenverpesteten Gratabschnitt ließen wir aus und stiegen stattdessen erst kurz am Grat, dann südwärts über Wiesen und eine kurze Geröllreise zur Hochalm ab. Ab dort folgten wir dem Wanderweg zum Jöchl. Dieser zieht sich noch einmal und wartet darüber hinaus mit einigen demotivierenden Gegensteigungen auf.

Noch einmal der Roßkaiser, dieses Mal von Süden

Noch einmal der Roßkaiser, dieses Mal von Süden

Trotz dieses etwas zähen Rückwegs wollte Mark als überzeugter Gipfelsammler noch auf den Heuberg. Ihm zuliebe nahmen auch Franzi und ich diese zusätzlichen 100 Hm auf uns und so erreichten wir gegen 15:30 Uhr den 1603m hohen letzten Gipfel des Tages. Und es hatte sich gelohnt. Nicht nur hatten wir trotz des inzwischen milchigen Himmels eine schöne Aussicht auf Walchsee und Chiemgauer Alpen, sondern auch der von uns begangene Grat zeigte sich noch einmal in seiner ganzen Schönheit.

Rückblick auf den heute begangenen Grat

Rückblick auf den heute begangenen Grat

Dohle am Gipfelkreuz des Heuberges

Dohle am Gipfelkreuz des Heuberges

Nach einer weiteren Rast stiegen wir zurück ins Winkelkar und nach Durchholzen ab, wo wir diese tolle Runde abschlossen. Bergsteigen an sonnigen Herbsttagen ist einfach immer wieder ein Genuss.

7 Kommentare

  1. Die Pyramidenspitze steht schon lange auf der Liste. Beim Check war mir die aber fast zu kurz, also werden wir auch die Überschreitung in Richtung Rosskaiser angehen. Vielen Dank für den Bericht. Schwierigkeiten scheinen sich für Erfahrene ja in Grenzen zu halten.

    • Hannes
      Hannes

      5. Juni 2015 at 3:45 pm

      Es ist eine wirklich schöne Runde. Die Schwierigkeiten liegen im II. Grad (Auf- und Abstieg), nie sehr anhaltend, aber stellenweise ausgesetzt und brüchig. Viel Spaß!

  2. Sehr stimmungsvolle Bilder und ein schöner Bericht.
    Macht Lust, den zahmen Kaiser mal etwas wilder zu begehen.

    • Hannes
      Hannes

      13. September 2015 at 8:48 pm

      Danke Tim! Es ist wirklich eine sehr schöne Tour und eher etwas einfacher als der kleine Waxenstein, dafür länger ausgesetzt.

  3. Sehr schöner Beitrag mit super Bilder ! Diese Tour kannte ich noch nicht !
    War mal vor Jahren am Wilder Kaiser auf dem Stripsenjochhaus , dann am nächsten Tag durch die Steinerne Rinne auf den Hinteren Goinger Halt. Ist auch eine sehr schöne Tour

    • Hannes
      Hannes

      31. Januar 2016 at 10:40 am

      Danke Manni! Das Kaisergebirge ist schon besonders schön. Die Goinger Halten werde ich sicherlich auch noch besuchen.

  4. Hannes
    Hannes

    17. November 2016 at 3:49 pm

    Gerade habe ich gelesen, dass im Sommer 2015 ein erfahrener Berggeher auf dieser Tour nach Griff- oder Trittausbruch tödlich abgestürzt ist (http://www.tz.de/muenchen/region/bergdrama-tirol-erdinger-stuerzt-vor-den-augen-seiner-freundin-in-den-tod-tz-5276289.html). Das sollte dem Leser Mahnung sein, diese und ähnliche Touren trotz meiner gelegentlich etwas saloppen Beschreibungen nicht zu unterschätzen.

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