Hochtour in der Ankogelgruppe vom 11.-12.07.2014

Eigentlich hatten wir eine 2-Tagestour in den heimischen Bergen geplant, aber die Wettervorhersage ließ uns dieses Vorhaben verwerfen und stattdessen in die Ferne bzw. nach Kärnten schweifen. Boris‘ Idee, die Hochalmspitze zu besteigen, stieß bei uns Anderen schnell auf Gegenliebe; für mich bot sich damit auch die Gelegenheit, nach der Karwendel- nun auch die Tauernkönigin zu besuchen. Da das Wetter dann doch nicht so gut wurde, wie erhofft, wurde die Tour mehr eindrucks- als genussvoll. Irgendwie war es aber trotzdem schön.

Nach der nicht ganz kurzen Anfahrt von München, starteten Boris und ich am Freitag kurz nach 18:00 Uhr den Aufstieg zur Gießener Hütte. Die Sicht auf die umliegenden Gipfel, insbesondere richtung Norden, war verhangen, was für den nächsten Tag nicht viel Gutes erwarten ließ. Dazu fühlte ich mich ganz schön schlapp und war froh, dass der Hüttenzustieg mit etwa 550 Hm recht kurz ausfällt.

Almenrausch in voller Pracht

Almenrausch in voller Pracht

Oben auf der Hütte trafen wir Franzi und Mark, die bereits etwas früher aus Innsbruck angereist waren. Nun war unsere Gruppe komplett; erstaunlicherweise war es für zwei von vier die erste Hochtour in den Hohen Tauern und meine Besteigung der Dreiherrenspitze liegt auch schon ziemlich lange zurück. So hatte das schlechte Wetter in Bayern und Tirol auch sein Gutes, denn wir lernten die schöne Kärntner Bergwelt kennen.

Die Gießener Hütte, dahinter grau

Die Gießener Hütte, dahinter grau

Kurz vor der Hütte spross dieses Berghähnlein

Kurz vor der Hütte spross dieses Berghähnlein

Nach einer recht angenehmen Nacht klingelte Samstag früh um 05:30 Uhr der Wecker. Nach Frühstück und Zusammenpacken verließen wir eine Stunde später die Hütte und begannen den Aufstieg zum Detmolder Grat. Das Wetter war trübe und immer wieder nieselte es ein wenig. Die beiden Dreier-Seilschaften, die kurz vor uns gestartet waren, zogen bereits ihre Regenjacken über, was wir jeweils zum Überholen nutzten.

Im Aufstieg zur Winkelscharte

Im Aufstieg zur Winkelscharte

Morgends zeigten sich Alpensalamander

Morgends zeigten sich Alpensalamander

Bis zur Winkelscharte war gut gespurt (was ich gar nicht mehr gewohnt bin bei Hochtouren), ab dort war dann eigene Spurarbeit angesagt. In der Scharte zogen auch wir die Regenjacken über, bevor wir den Weg über die Firnhänge hinauf zum Blockgrat antraten. Dieser erforderte Aufmerksamkeit, da die Felsen meist mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt waren. Als wir nach dem Abstieg zum Trippkees noch einmal kurz Pause machten, holte uns eine der Dreier-Seilschaften wieder ein, ließ uns aber freundlicherweise den Vortritt für den Weiterweg.

Abkletterstelle vor dem Trippkees (I+)

Abkletterstelle vor dem Trippkees (I+)

Durch schlechten Schnee geht es hinauf zum Klettersteig

Durch schlechten Schnee geht es hinauf zum Klettersteig

Dieser war dann gar nicht so ohne: Der Firnhang wurde immer steiler und der Schnee immer schlechter; unter einer dünnen Harschschicht lag feuchter, weicher Schnee, was insbesondere für Mark, der hier (und auch sonst am meisten) spurte, etwas heikel war. Wäre der Beginn des Klettersteiges nicht bereits durch den Nebel erkennbar gewesen, wären wir hier wohl umgedreht. Auch der Klettersteig war mit Schnee auf den Felsen und Steigeisen an den Schuhen nicht ganz einfach und macht bei guten Bedingungen sicher mehr Spaß.

Drahtseilhangelei in einer plattigen Querung

Drahtseilhangelei in einer plattigen Querung

Am Grat

Am Grat

Schneewühlen im Nebel - das ist Hochtourenfeeling

Schneewühlen im Nebel – das ist Hochtourenfeeling

Für das letzte Stück löste ich Mark beim Spuren ab und konnte im stellenweise brusthohen Schnee noch einmal den Wühlmeister in mir ausleben. Zum Glück setzte mir die Höhe heute nicht ganz so zu wie bei anderen Gelegenheiten, so dass ich noch die notwendige Kraft dafür hatte. Es folgte Drahtseilziehen an einer glatten Platte, ein paar Hangelquerungen und eine weitere Wühlpassage, bis wir kurz vor Mittag schließlich den Gipfel erreichten, wo bereits eine Seilschaft saß, die durch die Gussenbauerrinne aufgestiegen war – und die Spur bis zur Winkelscharte gelegt hatte. Auch unsere drei Verfolger tauchten kurz danach auf.

Am Gipfel - fast hätte es geklappt mit dem Dresscode

Am Gipfel – fast hätte es geklappt mit dem Dresscode

Die Freude über den Gipfelerfolg war noch etwas verhalten, da wir Respekt vor dem uns noch unbekannten Abstieg über den Rudolstädter Weg hatten. Immerhin fanden wir am Vorgipfel gleich die richtigen Markierungen – im Gegensatz zu den anderen beiden Gruppen, die vor uns falsch abbogen und erst später wieder hinter uns auftauchten.

Auch im Abstieg mussten wir noch mal zupacken

Auch im Abstieg mussten wir noch mal zupacken

Abklettern

Abklettern

Zum ersten Mal etwas Aussicht

Zum ersten Mal etwas Aussicht

Nachdem dieser Orientierungstest dank Franzis Blick für Wegführung und Markierungen sowie eines mitgeführten Kompasses bestanden war, ging es über den teilweise versicherten Steig hinunter zur Scharte an den Steinernen Mandln. Hier kamen wir endlich aus dem Nebel heraus und es zeigte sich sogar die Sonne. Zwischendurch überholten uns die drei Gussenbauer-Begeher, die so als erste den Steig hinunter zum Trippkees in Angriff nahmen. Da der darunter liegende Bergschrund deutlich geöffnet war, seilten sie auf den Gletscher ab und ließen das Seil netterweise für die folgenden Gruppen hängen. Dabei zeigte sich auch eindrucksvoll, wie schlecht die Schneedecke tatsächlich war: Das auf den Firn geworfene Seil löste einen oberflächlichen Schneerutsch aus, der ca. 50m weit abging. Da ist Ausrutschen keine gute Idee…

An der Scharte vor den Steinernen Mandln

An der Scharte vor den Steinernen Mandln

Der Erste seilt auf den Gletscher ab

Der Erste seilt auf den Gletscher ab

Rückblick zur Abseilstelle

Rückblick zur Abseilstelle

Nach dem Abseilen und einigen Metern Abstieg durch steilen Firn waren die Schwierigkeiten überstanden und wir konnten Pickel, Steigeisen und Helm wieder im Rucksack verstauen. Es folgten schöne Abrutschhänge und leichte Wegpassagen. Franzi und Mark eilten bald voraus, während Boris immer wieder auf mich wartete; ich hatte beim Spuren doch Kraft gelassen und musste nun einen Gang zurück schalten. Leider erwischte uns dann noch ein kurzer Schauer, bevor wir gegen 15:30 Uhr wieder die Hütte erreichten.

Rückblick - die Tauernkönigin bleibt wolkenverhangen

Rückblick – die Tauernkönigin bleibt wolkenverhangen

Eine spannende Tour geht zu Ende

Eine spannende Tour geht zu Ende

Beim weiteren Abstieg nach einer angemessenen Stärkung blieb es dann immerhin trocken und es wurde sogar beinahe sommerlich warm. Nur an der Hochalmspitze hielten sich hartnäckig die Wolken und so bekamen wir auch diesen Gipfel nicht zu Gesicht. Sie sind schüchtern, die schönen Königinnen des Gebirges.

Mark hat im Forum Gipfeltreffen ebenfalls einen Bericht zu dieser Tour geschrieben und dort auch zusätzliche Fotos eingestellt.