Klettern und Klettersteig im Wetterstein am 20.09.2014

Was tun an einem weiteren Wochenende mit unbeständigem Wetter? Claudia, Boris, Christoph und ich wollten endlich einmal wieder klettern gehen, also suchten wir für Samstag nach einer kurzen aber lohnenden Tour. Und wurden an der Alpspitze fündig, wo die Kombination der Kletterroute BW3 mit der Ferrata einen unterhaltsamen Bergtag ergab. Nur mit derm Wetter lagen wir am Ende knapp daneben.

Ganz knapp verpassten wir auch die erste Fahrt der Alpspitzbahn und schwebten so erst kurz vor neun zum Osterfelderkopf hinauf, wo bereits richtig viel los war, denn es war Prüfungstag der Bergwacht Bayern. Nachdem wir dann erst noch in die falsche Richtung abbogen (Boris und ich scheinen ein besonders Talent dafür zu haben, Einstiege zu verfehlen), war es doch schon kurz nach halb zehn, als wir am Einstiegsband der BW3 standen und die Ausrüstung sortierten.

Die Alpspitze in ganzer Pracht

Die Alpspitze in ganzer Pracht

Schon am Einstieg tolle Aussicht

Schon am Einstieg tolle Aussicht

Wir kletterten in zwei Seilschaften: Claudia und ich vorneweg, dann Boris und Christoph. Wie üblich brauchte ich eine Seillänge, dann machte die Kletterei richtig Spaß. Der Fels ist fest und griffig, die Platten teilweise steil aber rau und die Schwierigkeiten nie größer als IV. Die Linie der BW3 ist schon etwas gesucht, was dazu führte, dass ich ein oder zwei Kletterstellen versehentlich im leichten Gelände umging. Da merkt man eben, dass ich kein richtiger Kletterer bin.

Alles klar nach der zweiten Seillänge

Alles klar nach der zweiten Seillänge

Claudia an einer der Platten

Claudia an einer der Platten

Das einzige, was nicht passte, war die Seilführung. Irgendwie schafften es Claudia und ich, in fast jeder Seillänge einen riesigen Salat zu produzieren. Ansonsten aber war alles prima und wir genossen die Kletterei. Als ich nach sechs Seillängen (die letzte Quergangslänge zum Einstieg hatten wir auch gesichert) den Ausstieg erreichte, war ich direkt ein bisschen enttäuscht, dass es schon vorbei war. So hätte es gerne noch weiter gehen können. Hoffentlich wird sich noch einmal eine andere Gelegenheit ergeben, per Adamplatte oder KG-Weg durch die ganze Wand zu steigen.

Am letzten Zwischenstand

Am letzten Zwischenstand

Die Seilschaft vor uns in der letzten Länge

Die Seilschaft vor uns in der letzten Länge

Heute aber packten wir unsere Sachen zusammen und querten bei aufziehender Bewölkung zur Ferrata. Dort trennten sich unsere Wege. Während Christoph und Boris den Rückweg zur Bergstation (2033m) antraten, wandten sich Claudia und ich dem Gipfel zu. Inzwischen hatte es zugezogen, aber ich rechnete damit, bis zum Regen noch mindestens eine, bis zu einem Gewitter mindestens zwei Stunden Zeit zu haben. Die Ferrata ist übrigens stellenweise von bemerkenswerter Sinnlosgkeit. Einfaches Ier-Gelände wurde mit dutzenden Klammern zugebaut und Drahtseile finden sich auch im Gehgelände. Wahrscheinlich war der Stahlpreis zur Erbauungszeit auf einem Tiefstand…

Es zieht zu

Es zieht zu

Oben oder unten? Klammerreihe in der Ferrata

Oben oder unten? Klammerreihe in der Ferrata

Kurz vor 15:00 Uhr erreichten wir schließlich den Gipfel der Alpspitze (2628m); die Aussicht bestand aus dem in diesem Sommer schon recht vertrauten angenehmen und erfrischenden Grau. Trotzdem ließen wir uns eine kurze Rast nicht nehmen, bevor wir zu ähnlicher Zeit wie eine andere Gruppe den Abstieg angingen, während einige andere Bergfreunde noch oben verweilten.

Nicht mehr weit bis zum Gipfel

Nicht mehr weit bis zum Gipfel

Gerade waren wir den ersten Steilaufschwung abgestiegen, da hörten wir den ersten Donner. Sch***e! Da hatten wir uns ja mal sauber verschätzt. Vom Drahtseil wegzukommen, war hier fast unmöglich, also gab es nur eins: Schnell runter! Eine recht langsame Gruppe, die gerade vor uns umdrehte, ließ uns freundlicherweise vorbei, so dass wir zügig absteigen konnten. Es dauerte nicht lange, da setzte der Regen ein und die Wand wurde komplett nass und durchsetzt von kleinen Wasserläufen. Nun wurde der Abstieg durch das ganze Eisen im Berg natürlich schon deutlich beschleunigt, andererseits hätten wir es ohne Klettersteig auch deutlich weniger eilig gehabt.

Auf dem Weg ins Tal - das Gewitter ist abgezogen

Auf dem Weg ins Tal – das Gewitter ist abgezogen

Zu unserem Glück zog das eigentliche Gewitter an uns vorbei, so dass wir letztlich ohne größere Schwierigkeiten zurück zum Osterfelderkopf gelangten, wo wir halb fünf ankamen und noch Zeit für ein Bier mit Boris und Christoph hatten, bevor wir mit der vorletzten Bahn zurück ins Tal fuhren. Trotzdem ärgerte ich mich über meine Fehleinschätzung; diese potentiell gefährliche Situation wäre leicht vermeidbar gewesen. Vor allem die Kletterei im BW3 werden wir aber in jedem Fall in guter Erinnerung behalten.

© Fotos: Claudia, Boris, Christoph, Hannes