Skitouren in der Glockner- und Schobergruppe vom 10.-12.03.2015

Nachdem wir in diesem Winter bislang vor allem in den bayrischen Voralpen unterwegs waren, sollte es nun wieder in höhere Berge gehen. Beim SAAC Basic Camp hatte uns ein Bergführer das Lucknerhaus am Großglockner als Skitourenstützpunkt empfohlen und diesem Rat waren Claudia und ich schon bald mit einer Reservierung nachgekommen. So genossen wir drei Tage lang die schöne Landschaft der Hohen Tauern sowie das gute Essen und die Sauna im Lucknerhaus. Das Wetter war ebenfalls spitze, nur die Schneeverhältnisse hätten etwas besser sein können.

Nach Anreise und einem halben Tag im Skigebiet stand sonntags unsere erste Tour an. Als Ziel hatten wir uns die Gridenkarköpfe in der Schobergruppe ausgesucht. Kurz nach acht starteten wir am Forstweg zur Niggl-Alm auf ca. 1900m. Das Wetter versprach einen großartigen Tourentag, der Schnee war über Nacht hart gefroren und stellenweise eisig.

Morgendlicher Glocknerblick

Morgendlicher Glocknerblick

Der Aufstiegsweg bis zum Peischlachtörl ist bei diesen Bedingungen durchaus anspruchsvoll. Die Steilstufe kurz hinter der Alm wartet mit einigen interessanten Spitzkehren auf, es folgt eine lange steile und eisige Querung und dann direkt ins Törl noch ein Steilhang. Alles in allem eine prima Übungsstrecke für Skitouren-Aufstiegstechnik, dazu landschaftlich reizvoll.

Dem Skisalat knapp entronnen

Dem Skisalat knapp entronnen

Kurz vor dem Peischlachtörl

Kurz vor dem Peischlachtörl

Nach dem Törl machten wir zunächst eine kurz Pause, dann stiegen wir durch die interessante Schlucht weiter. Dort wo diese sich zu einem Kessel weitet, führten alle Spuren nach rechts zum Bösen Weibele, wohin auch heute einige Gruppen unterwegs waren. Wir hingegen bogen nach links ab und wandten uns den Gridenkarköpfen zu. Ab hier hieß es selbst zu spuren.

In der Schlucht nach dem Törl

In der Schlucht nach dem Törl

Blick voraus zu den Gridenkarköpfen

Blick voraus zu den Gridenkarköpfen

Nebenan das Böse Weibele

Nebenan das Böse Weibele

Über windgepresste Hänge (teils tragend, teils Bruchharsch) und hin und wieder alten Spuren folgend stiegen wir in das Tälchen, das den Gridenkarköpfen zu Füßen liegt, bis wir am Fuße des Steilhanges ankamen der zur Scharte neben dem Gipfel führt. Wir studierten die Schneeverhältnisse und Windzeichen und kamen zu dem Schluss, dass der Hang sicher zu begehen sei. Über Bruchharsch stiegen wir in ästhetisch wertvollem Zickzack hinauf. Im oberen Teil war er abgeblasen und hier wäre es ohne Harscheisen – die wir zum Glück schon unten angelegt hatten – nicht weitergegangen. Wenn man bei Spitzkehren die Ski fast genau in die entgegengesetzte Richtung stellen muss, dann weiß man, dass es wirklich steil ist. Claudia meisterte diese nicht ganz einfache Passage mit Bravour und so kamen wir schließlich in der interessant überwächteten Scharte an.

Aufstieg vor hochalpiner Kulisse

Aufstieg vor hochalpiner Kulisse

Jetzt nur noch der Gipfelgrat

Jetzt nur noch der Gipfelgrat

Wir haben uns im Nachhinein dann noch mal gefragt, ob es eigentlich richtig war, den Hang zu begehen, da die Grenzschicht zwischen Harschdeckel und Altschnee eine potentielle Schwachschicht darstellte. Inzwischen, nach einigen Nachforschungen, würde ich sagen, der Hang war tatsächlich sicher, wir sind aber vor Ort durch eine unvollständige Beurteilung zu dieser Einschätzung gekommen.

Claudia an der letzten Spitzkehre

Claudia an der letzten Spitzkehre

Auf Claudias erstem Dreitausender

Auf Claudias erstem Dreitausender

Nun setzten wir unseren Weg aber zunächst zum Gipfel fort. Der Grat war so durch den Wind geformt, dass er nur zu Fuß begehbar war, dies allerdings sehr gut. Besonders Claudia genoss diese hochalpine Passage, die für sie eine neue Erfahrung darstellte. Kurz nach zwei erreichten wir dann auf den Gipfel ihres ersten Dreitausenders, den mit 3031m höchsten Punkt der Gridenkarköpfe.

Abstiegsstapferei

Abstiegsstapferei

…und Abfahrspaß

…und Abfahrspaß

Nachdem wir die umfassende Aussicht genossen und ausreichend Fotos geschossen hatten, stapften wir zurück zu den Ski und gingen die Abfahrt an. Der Gipfelhang ging dabei besser als erwartet, danach war zwar der Schnee meist schlecht (Bruchharsch), aber es warteten keine nennenswerten Schwierigkeiten mehr. Ab dem Peischlachtörl wurde es zunehmend sulzig – es war eben mehr eine aufstiegsorientierte Skitour… Um vier waren wir schließlich zurück am Lucknerhaus und konnten bei einem Kaiserschmarren mit herrlich kühlem Weißbier auf diesen schönen Einstand unserer Skitourentage anstoßen.

Zurück am Peischlachtörl

Zurück am Peischlachtörl

Am Montag blieb der Himmel leider den ganzen Tag bedeckt, was die Bedingungen eher schwieriger machte. Wir hatten uns für den Aufstieg zur Stüdlhütte entschieden, um nach der recht langen Tour vom Vortag etwas weniger gehen zu müssen. Und für eine schöne Gipfelaussicht war es ohnehin nicht der richtige Tag.

Aufstieg bei trübem Wetter

Aufstieg bei trübem Wetter

Schon im Aufstieg zur Lucknerhütte brauchten wie Harscheisen – auf einem Forstweg! War überraschend, aber war halt so. Der Steilhang hinter der Lucknerhütte war ebenfalls bretthart gefroren und entsprechend eher unangenehm zu gehen. Weiter oben wurde es durch Tageserwärmung dann doch noch etwas besser, außerdem ist es von hier bis zur Stüdlhütte nicht mehr steil. Rechtzeitig zum Mittagessen erreichten wir schließlich die auf 2802m Höhe gelegene Hütte, die einige Tage vorher aufgemacht hatte. Während wir hier Pause machten, trafen bereits die ersten Glocknerbesteiger ein, die von perfekten Bedingungen am Gipfelgrat berichteten. Da wurde ich dann doch ein klein wenig neidisch. Na ja, ein anderes Mal…

Fast geschafft

Fast geschafft

Die Abfahrt ging oben zunächst gut, die Steilstufe rutschten wir über einen 45°-Hang einfach ab, danach wartete wieder herrlicher Bruchharsch auf uns. Nun ja, aufstiegsorientierte Skitour eben.

Die Stüdlhütte

Die Stüdlhütte

Dienstag früh hatte sich das Wetter wieder gebessert: Sonnenschein und kaum eine Wolke am Himmel. Da wäre doch eine Skitour ganz nett… z.B. auf den Weißen Knoten – da war ich zwar vor ein paar Jahren schon mal, aber die Aussicht ist herrlich und die Länge der Toure passt für einen Rückfahrtag auch.

Der Weiße Knoten warten auf seine Besteigung

Der Weiße Knoten warten auf seine Besteigung

Wiederum starteten wir kurz nach acht und stiegen bald die noch gefrorenen Wiesenhänge hinauf. Im Gegensatz zu den beiden Vortagen war einiges los heute – der Weiße Knoten ist eben doch eines der beliebtesten Ziel rund um das Lucknerhaus. Wir ließen uns davon aber nicht stressen, machten zwischendurch auch eine entspannte Frühstückspause und stiegen gemütlich zum Gipfelhang, der dann noch mal ordentlich aufsteilt.

Am Gipfelhang ist schon einiges los

Am Gipfelhang ist schon einiges los

Die letzten Meter unter dem Gipfel

Die letzten Meter unter dem Gipfel

Spitzkehren wollen auch hier gekonnt sein, aber im Vergleich zu den beiden Vortagen waren sie einfach. In den letzten drei oder vier Kehren bewährten sich dann einmal mehr die Harscheisen, dann waren wir im Sattel unterhalb des Gipfels. Ein paar Meter unter dem Kreuz ließen wir dann die Ski zurück und stapften zum höchsten Punkt (2910m), wo wir noch einmal eine grandiose Aussicht über die Hohen Tauern und bis in die Dolomiten genießen konnten. König Glockner grüßte freundlich herüber und komplettierte diese Mischung aus Zufriedenheit und Sehnsucht, die für mich und wohl auch viele andere Bergfreunde bei schönen und erfolgreichen Touren so typisch ist.

Am Gipfel des Weißen Knotens

Am Gipfel des Weißen Knotens

Noch mal die Gridenkarköpfe

Noch mal die Gridenkarköpfe

Als wir uns satt gesehen hatten, gingen wir die Abfahrt an. Der Steilhang hatte aufgefirnt und fuhr sich prima, weiter unten wurde es dann zunehmend sulziger und mühsamer. Gegen Gegen 14:30 Uhr waren wieder am Lucknerhaus und konnten die Heimfahrt antreten nach Claudias bislang alpinsten Skitouren, die auch für mich wieder ein herrliches Erlebnis waren.