Wanderung in den bayrischen Voralpen am 23.04.2015

Für diese Feierabendwanderung suchte ich mir eine Runde aus, die ich bereits einmal angegangen war, aber dann abgebrochen hatte, da es später und regnerischer wurde als erwartet. Dieses Mal nun wollte ich den Geheimtipp „Hirschberg über Eckleiten“ vollständig begehen. Da diese Runde gar nicht so kurz ist, ist sie sicher eines der eher ausgefallenen Feierabendziele.

Los ging es halb sechs bei freundlichem Wetter etwas östlich von Eschenlohe. Gegenüber von einem kleinen Schotterparkplatz beginnt der Aufstieg zum Osterfeuerspitz, meinem ersten Zwischenziel. Wie vorhergesagt besserte sich das Wetter, während ich bergwärts schritt, und über dem Loisachtal fanden immer mehr Sonnenstrahlen den Weg durch die Wolken. Leider war die Fernsicht heute nicht gut, trotzdem war der Aufstieg stimmungsvoll.

Halbzeit im Anstieg zum Osterfeuerspitz

Halbzeit im Anstieg zum Osterfeuerspitz

Über dem Loisachtal reißen die Wolken auf.

Über dem Loisachtal reißen die Wolken auf.

Ziemlich genau um sieben erreichte ich den wenig markanten Gipfel (1368m) des Osterfeuerspitz. Nach einer kurzen Aussicht-und-Gipfelbuch-Pause begann dann Neuland für mich: Steigspuren folgte ich auf den Grat hinüber zur Eckleiten, einem flachen Rücken der etwas nördlich des Osterfeuerspitz in west-östlicher Richtung verläuft. Auf dem Rücken angekommen wanderte ich durch den Wald weiter und schließlich hinauf zum Ölrain (1542m), dem zweiten Gipfel des Tages. Von hier aus ist der Hirschberg nicht mehr weit, erfordert aber noch etwas Wegsuche.

Tiefblick nach Eschenlohe

Tiefblick nach Eschenlohe

Vom Ölrain steigt man ostseitig ab, bis man auf einen Pfad trifft, der nach Süden zum Sattel vor dem Hirschberg führt. Nun geht es über eine Waldschneise und weiter oben eine offene Wiese 200Hm einfach bergauf. Also zumindest im Sommer. Für mich war – stellenweise anstrengende – Schneestapferei angesagt. Leider hatte es inzwischen wieder zugezogen und auf dem Weg nach oben begann es sogar zu Graupeln. Was sollte das denn, ich hatte doch Sonnenschein bestellt?

Das Sonnenlicht bricht sich Bahn.

Das Sonnenlicht bricht sich Bahn.

Viertel vor acht erreichte ich den höchsten Punkt des Tages auf 1660m. Die Aussicht richtung Estergebirge und Karwendel war schon recht eingetrübt, Graupel und Wind sorgten für zusätzliche Ungemütlichkeit und so machte ich mich bald an den Abstieg, der sich ohnehin noch ziehen würde (was auch der wichtigste Nachteil dieser sonst sehr schönen Runde ist).

Auf dem Gipfel des Hirschberges; im Hintergrund der Simetsberg.

Auf dem Gipfel des Hirschberges; im Hintergrund der Simetsberg.

Als ich abstieg hatten die Bäume schon weiß angesetzt und auch die Wiesen waren nicht mehr grün. Die Landschaft wirkte eher frühwinterlich als frühlingshaft. Ich folgte nun dem Pfad um den Ölrain herum bis zur Wankwiese. An der Forststraße bog ich rechts ab und an der kurz darauf folgenden Hütte noch einmal. Hier führt ein Wanderweg hinab ins Tal der Erzlaine. Der tiefe Schnee und die frisch eingegraupelten Tannen und Fichten verliehen dem Tal ein geradezu weihnachtliches Aussehen. Das passte nicht ganz in die Jahreszeit, aber es hatte was.

Winterlich ist es im Tal der Erzlaine.

Winterlich ist es im Tal der Erzlaine.

Je tiefer ich kam, desto einfacher war der Weg erkennbar und unterhalb ca. 1300m war er größtenteils aper. Einige umgestürzte Bäume machten etwa 50Hm Erd- und Wiesenkraxelei notwendig, dann hatte ich die Forststraße erreicht und konnte in die Dunkelheit hinein den langen Rückweg antreten, der erst kurz vor zehn am Parkplatz endete. Getroffen hatte ich unterwegs niemanden, die Runde kann also einsamkeitsliebenden und hatschtoleranten Waldschroflern – nicht nur für Feierabend –  empfohlen werden.