Skitour in den Zillertaler Alpen am 25./26.04.2015

Einmal noch sollte es dieses Jahr mit Ski etwas höher hinauf gehen. Jochen war so nett, mich zu einem Tourenwochenende auf der Berliner Hütte einzuladen, an den außerdem noch sine langjährigen Bergpartner Andrej und Wigg teilnahmen. Es wurde ein sehr schönes Wochenende bei überraschend gutem Wetter, auch wenn ich leider keinen Gipfel erreichte.

Los ging unser Skiausflug am Samstag um neun am Gasthof Breitlahner (1256m), erstes Ziel war die Berliner Hütte. Durch den bereits sehr frühlingshaften Zemmgrund mussten wir zunächst die Ski tragen. Im Anstieg zur Grawandhütte wird das Gelände allmählich schattiger und etwa an der Hütte (1636m) konnten wir die Ski dann auch endlich vom Rucksack nehmen und unter die Füße schnallen. Leider hielt die Freude jedoch nicht lange an, denn an der Grawandalm war es schon wieder vorbei mit der weißen Pracht. Seltsam, vor zwei Tagen war ich noch auf 1000m durch den Schnee gestapft und hier begrüßten uns auf über 1700m die Krokusse.

Los geht's am Breitlahner

Los geht’s am Breitlahner

Erst ab der Waxeggalm gab es dann so etwas ähnliches wie eine geschlossene Schneedecke und von hier aus stiegen wir weiter bis zu einem Sattel etwas unterhalb der Berliner Hütte. Nach einer Mittagspause wandten wir uns nach Süden und stiegen das Tal richtung Innerjoch hinauf. Unser Tagesziel war der Sattel zwischen III. und IV. Hornspitze. Während die anderen drei munter aufstiegen, fiel es mir zunehmend schwerer. Nach einer stressigen Woche und einer schlechten Nacht war ich einfach nicht richtig fit. Ich hatte schon beim Losgehen dieses Ölgrubenspitzen-Feeling und es wurde nach oben hin nicht besser. Aber noch ging es.

Zumindest mal etwas Schnee

Zumindest mal etwas Schnee

Nach der Mittagspause geht es weiter aufwärts.

Nach der Mittagspause geht es weiter aufwärts.

Linkerhand überwanden wir nun eine Steilstufe, dann ging es angenehm geneigte Gletscherhänge hinauf. Die Wolken wurden dabei zusehends dichter und sanken uns auch allmählich entgegen. Auf ca. 2800m war für mich dann Schluss. Ich spürte, dass es Zeit wurde, umzudrehen, wenn ich noch etwas Kraft für die Abfahrt haben wollte. Also machte ich zusammen mit Andrej, der auf mich geartet hatte, kurz Pause, dann rüsteten wir uns für die Abfahrt. Auch Jochen und Wigg drehten nun um, denn die Sicht wurde oben immer schlechter.

Etwas steileres Gelände

Etwas steileres Gelände

Der erste Teil der Abfahrt war Genuss pur. Bis unter die Steilstufe glitten wir über herrlichen Firn. Schön, wenn man zum Abschluss der Wintersaison noch mal solche Verhältnisse hat! Weiter unten wurde der Schnee allerdings sehr schwer und das Skifahren entsprechend mühsamer. Aber nun war es ja nicht mehr weit. Das letzte Stück zur Hütte fellten wir dann noch einmal auf und machten es uns ab fünf Uhr schließlich im Winterraum der Berliner Hütte (2042m) gemütlich. Den Abend verbrachten wir sehr angenehm bei Polenta mit Käse, Rotwein und guten Gesprächen. Einen Winterraum ganz für sich zu haben, ist schon etwas schönes.

Abfahrt zur Berliner Hütte

Abfahrt zur Berliner Hütte

Am nächsten Morgen hatte sich das Wetter wieder gebessert. Strahlend blau begann der Tag, allerdings war für den Nachmittag eine Zunahme der Bewölkung vorhergesagt. Halb acht verließen wir die Hütte und gingen das heutige Tagesziel an, den Schwarzenstein.

Die Ski warten auf ihren nächsten Einsatz.

Die Ski warten auf ihren nächsten Einsatz.

Der Große Möseler strahlt in der Morgensonne

Der Große Möseler strahlt in der Morgensonne

Zunächst zieht das Mörchnerkar flach nach Süden, bald folgen die ersten Gletscherstufen und es wurde Zeit, die Harscheisen aus dem Rucksack zu holen. Auf etwa 2500m beschlossen Andrej, Jochen und Wigg, zunächst weiter nach Süden aufzusteigen, dann abzufahren und schließlich ostwärts zum Schwarzenstein zu gehen. Da ich doch deutlich langsamer war als die drei, beschloss ich, gleich zum Tagesziel zu gehen – die Anderen würden mich schon einholen.

Hinein ins Mörchnerkar

Hinein ins Mörchnerkar

Also ging ich nun allein die weiten Flächen des Schwarzensteinkees an, die zum Schwarzensteinsattel leiten. Das Wetter war nach wie vor prächtig, der Schnee griffig und ich fühlte mich auch schon wieder deutlich fiter als am Tag zuvor. Auf der gegenüberliegenden Seite beobachtete ich meine drei Freunde, die höher und höher stiegen und schließlich sogar bis zum Gipfel der II. Hornspitze weitergingen. Das hätte ich nicht gedacht!

Andrej, Wigg und Jochen auf dem Weg zur II. Hornspitze

Andrej, Wigg und Jochen auf dem Weg zur II. Hornspitze

Etwas unterhalb des Sattels wandte ich mich nach Süden und gewann langsam den Rücken, der vom Sattel zum Gipfel führt. Der Rest des Anstieges – ein etwas steilerer Firnrücken, Vorgipfel, Firngrat – ließ sich bereits gut einsehen. Auf den Grat war ich gespannt, war ich doch bei meinem letzten Besuch von der anderen Seite zum Gipfel gelangt.

Am Schwarzensteinsattel; ganz links der Gipfel.

Am Schwarzensteinsattel; ganz links der Gipfel.

Gedanklich war ich schon am Grat, als die Wolken kamen: In erstaunlichem Tempo schwappten sie über den Kamm, hüllten bald den Gipfel ein und flogen das Floitenkees hinab. Ein paar Minuten ging ich noch weiter, dann kamen mir langsam Zweifel, denn ohne Nebel würde die Abfahrt genial werden, mit Nebel ziemlich ätzend. Also Umkehr. Dabei half mir natürlich auch, dass ich ja schon mal oben war.

Die Abfahrt hielt, was ich mir von ihr versprochen hatte: Bis zum Sattel Pulver, dann perfekter Firn. Ein Traum. Zwischendurch kamen mir Jochen und Wigg entgegen, die trotz Wolken noch zu ihrem zweiten Tagesgipfel wollten (und diesen dann im Nebel verfehlten bzw. aus Versehen am Vorgipfel umdrehten).

Es geht wieder abwärts

Es geht wieder abwärts

Weiter ging es über herrliche Skihänge bis hinab ins Mörchnerkar. Hier traf ich Andrej, der Probleme mit seinen Schuhen hatte und deswegen auf den Anstieg zum Schwarzenstein verzichtet hatte. Gemeinsam fuhren wir zur Hütte ab und legten uns erst mal in die Sonne. Nach etwa 1h waren wir dann wieder komplett und konnten den Abstieg fortsetzen.

Die Tour endete, wie sie begonnen hatte: Mit Ski tragen.

Die Tour endete, wie sie begonnen hatte: Mit Ski tragen.

Bis zur Waxeggalm ging es noch ganz gut mit Ski, danach mehr und mehr zu Fuß. Der Hatscher durch den Zemmgrund zieht sich ganz schön mit Ski am Rucksack, aber irgendwann hatten wir auch den geschafft und kamen am Breitlahner an. Nachdem wir hier endgültig unsere Füße von den schweren Skischuhen befreit hatten, stießen wir im Biergarten auf dieses gelungene Wochenende an. Richtig schön war’s – auch ohne Gipfel.