Bergtour im Ammergebirge am 03.06.2015

Hinter dem Märchenschloss Neuschwanstein führen verschiedene Wege und Steige zu den Gipfeln des Westlichen Ammergebirges. Einer davon ist der Säuling, nordwestlicher Eckpunkt des Gebirgszuges und aus dem Alpenvorland weithin sichtbares Wahrzeichen von Füssen. Ein schöner Berg und beliebtes Ziel von zahlreichen Wanderern, denen der Weg zur Marienbrücke noch nicht reicht.

Schon bei der Fahrt nach Hohenschwangau kam Vorfreude auf, stand mein heutiges Ziel doch bereits in voller Pracht vor mir. Der Ort selbst ist ja so eine Art bayrisches Disyneyland und besteht eigentlich nur aus Wickerl-Souvenierläden und Gasthäusern. Und natürlich Parkplätzen. Ich wählte den am Alpsee (ca. 810m) und konnte zehn vor sechs meine Wanderung starten. Zunächst ging es an zahlreichen asiatischen Touristen vorbei richtung Marienbrücke. Die Hochsaison hat hier noch nicht begonnen, so dass recht wenig los war. An der großen Kreuzung bog ich dann nach rechts ab. Hier warnt ein Schild vor alpinen Gefahren – das erste Mal, dass ich so etwas an einem Forstweg gelesen habe. Aber gut, im Winter gibt es hier wohl Lawinen und die sind auch auf einem Forstweg gefährlich.

Schloss Hohenschwangau thront direkt über dem Parkplatz.

Schloss Hohenschwangau thront direkt über dem Parkplatz.

Bis zum Älpele geht es nun wenig interessant auf dem Forstweg dahin. Immerhin nahmen mir zwei entgegenkommende Wanderer die letzten Zweifel, dass der Anstieg schneefrei sein würde. Dann stand einem Gipfelsturm ja nichts mehr im Wege!

Ab dem Älpele geht es auf einem richtigen Wanderweg weiter, was natürlich gleich mehr Spaß machte. Kurz darauf erreichte ich die ca. 1440m hoch gelegene Wildsülz-Hütte, wo sich der Weg teilt und ich zum Nordanstieg hin abbog. Allmählich wurden die Ausblicke besser und neben dem Tegelberg kam zunehmend der Hohe Straußberg in den Blick, der sich von dieser Seite recht wuchtig und eindrucksvoll präsentiert. Auch Gabelschrofen, Krähe und Co. waren bereits zu sehen.

Da geht's hoch.

Da geht’s hoch.

Nach einer Querung kam ich schließlich zum Beginn des kraxeligen Teils. Der erste Grad wird hier nie überschritten und ernst zu nehmen ist das Ganze hauptsächlich, weil einige Tritte schon sehr abgespeckt sind (auf der Südseite sogar noch mehr). Bei Nässe ist man daher sicher froh um die Sicherungen – bei den guten Verhältnissen, die ich antraf, konnte ich sie ignorieren.

An dieser Leiter beginnt der Kraxelteil.

An dieser Leiter beginnt der Kraxelteil.

Hier klettert noch jemand.

Hier klettert noch jemand.

Nach zügiger Kraxelei erreichte ich die Gemswiese, an der sich nun auch der Blick nach Westen ins Lechtal und hinüber in die Allgäuer Alpen öffnet. Ein wirklich toller Aussichtsberg. Weiter stieg ich über leichte Felsen (I) zum Hauptgipfel (2047m), den ich viertel vor acht erreichte. Hier ließ ich den Blick erneut übers Ammergebirge schweifen, denn jetzt waren auch Hochplatte, Kreuzspitze, Geierköpfe und der Danielkamm gut zu sehen; dazwischen lugte der Plansee hervor. Hinter Reutte ergaben sich schöne Blicke in die noch recht weißen Lechtaler und rechts der Tannheimer Berge weitet sich der Blick übers Alpenvorland und die Allgäuer Seen. Herrlich!

Der Steig

Der Steig

Blick über Neuschwanstein auf den Forggensee

Blick über Neuschwanstein auf den Forggensee

Nachdem ich die Aussicht aufgesogen hatte, ging ich hinüber zum Signalgipfel und machte Brotzeit. Auch einen kurzen Eintrag ins Gipfelbuch nahm ich vor, bevor ich mich bald wieder aufmachte. Schließlich würde auch der Rückweg nicht ganz kurz sein. Für den Abstieg von der Gemswiese wählte ich dieses mal die südliche Variante, die mich zum sehr gemütlichen und schön gelegenen Säulinghaus führte. Hier musste ich einfach noch kurz einkehren und bei einem Radler ein paar Worte mit den Wirtsleuten und den drei Übernachtungsgästen wechseln. Ich bekam aber gleich den Tipp, nicht zu lange zu bleiben, da es am Weiterweg einige Windschäden gäbe und der Weg hindurch auch mit „Hirnbirn“ im Dunkeln schwer zu finden sei.

Das Ammergebirge

Das Ammergebirge

Gipfelaufbau des Säuling

Gipfelaufbau des Säuling

Tiefblick zum Säulinghaus

Tiefblick zum Säulinghaus

So blieb ich auch dieses Mal nicht lang und wandte mich dieser nächsten Herausforderung zu. Der Tipp stellte sich als gut heraus: Die Umgehung des größten Windbruches ist zwar nicht schwer, aber nicht ganz leicht zu finden, und so war ich froh um das Tageslicht. Im Anstieg zum Sattel unter dem Pilgerschrofen konnte ich dann beobachten, wie die Sonnenscheibe hinter dem flachen Horizont des Alpenvorlandes verschwand. Auch das hätte ich nicht verpassen wollen.

Säuling im Abendlicht

Säuling im Abendlicht

Die Sonne geht unter.

Die Sonne geht unter.

Zügig ging es weiter, an Trollblumen vorbei und Vogelgezwitscher im Ohr. Sie sind immer wieder herrlich, diese abendlichen Ausflüge ins Gebirge. Als es ganz dunkel wurde, hatte ich bereits den Forstweg erreicht und konnte die ‚Birn so in der Tasche lassen. Halb elf hatte ich dann den Parkplatz wieder erreicht und freute mich über das Erlebte. Hinter dem Märchenschloss beginnt das alpine Märchenland.

Der Tag geht zu Ende.

Der Tag geht zu Ende.