Wanderung im Karwendel und Vorkarwendel am 18.07.2015

Gewitter im Gebirge sind allgemein eher blöd. Deswegen passt man bei hoher Gewittergefahr die Tourenplanung auch tunlichst entsprechend an und sucht sich etwas kürzeres aus. Wenn dann aber das Gewitter ausbleibt, ist Spontanität gefragt. So ging es uns vergangenes Wochenende, wo wir die zweitbeste Verlängerungsoption für unsere Besteigung der Bettlerkarspitze auswählten.

Gegen acht fanden sich Franzi, Mark und ich an der Gernalm (1166m) ein, um die Bettlerkarspitze zu besteigen. Diese schien für heute das perfekte Ziel zu sein: Nicht zu lang, durch IIer-Stellen gewürzt und uns allen dreien noch unbekannt. Bei strahlend blauem Himmel wanderten wir zunächst die Schotterstraße zum Plumsjoch (1630m) hinauf (Tipp für Nachahmer: Geht auch gut mit dem Mountainbike).

Bettlerkarspitze von der Gernalm aus

Bettlerkarspitze von der Gernalm aus

Karwendeblick am Plumsjoch

Karwendeblick am Plumsjoch

Am Plumsjoch zweigt ein markierter Weg nach Süden zur Bettlerkarspitze ab. Ziemlich steil zieht er die zunächst grasige, dann schottrige Flanke zum Vorgipfel hinauf. Oben angekommen machten wir eine kurze Pause und genossen die mitgebrachten kulinarischen Köstlichkeiten (Brot, Wurst, Käse). Ab hier wurde das Gelände alpiner: Geröll, bröseliger Fels, Platten mit Schotterauflage. Was man halt so liebt am Karwendel. Nur die in der Beschreibung beschriebenen IIer-Stellen ließen auf sich warten. Eigentlich gab es es nur eine einzige: neben einem dicken Fixseil steigt man am Grat auf einen Absatz auf. Früher lag diese Stelle wohl sogar im III. Grad, seit einem Felsausbruch ist sie nun einfacher.

Gipfelaufbau der Bettlerkarspitze

Gipfelaufbau der Bettlerkarspitze

Wir waren nicht allein am Berg.

Wir waren nicht allein am Berg.

Fixseil und Gipfelkeuz

Fixseil und Gipfelkeuz

Nach diesem kurzen Kletterspaß folgt wieder Gehgelände bis zum 2268m hohen Gipfel, den wir kurz vor halb elf erreichten. Trotz des schwülen Wetters war die Fernsicht noch brauchbar und wir konnten Olperer und Großvenediger erkennen. Etwas näher standen die zentralen Karwendelriesen und natürlich Schaufelspitze im Süden sowie Falzthurnjoch im Osten. Der Gratübergang zu letzterem sah durchaus verlockend aus, doch angesichts der sich schnell auftürmenden Wolken über dem Alpenvorland und der ab Mittag vorhergesagten Gewitter verzichteten wir auf eine Verlängerung der Tour.

Herrliche Aussicht übers Falzthurnjoch auf den Achensee

Herrliche Aussicht übers Falzthurnjoch auf den Achensee

Immer wieder schön, so ein Gipfelblick

Immer wieder schön, so ein Gipfelblick

Nach einer entspannten Gipfelpause stiegen wir wieder ab. Während des Abstiegs begannen die Wolkentürme sich unter Einfluss einer Höhenströmung langsam aufzulösen. Also doch keine Gewitter! Was sollten wir denn nun mit dem angefangenen Tag noch anstellen? Nach kurzem Überlegen entschieden wir uns zu einer kurzen Trinkpause an der Plumsjochjütte mit anschließendem Abstecher zum Kompar. Kurz nach zwölf brachen wir von der Hütte nach Norden ins Vorkarwendel auf. Mittlerweile war es ordentlich heiß geworden und wir eilten durch den Latschengürtel, der  im Südhang des Satteljochs gequert werden muss (und der uns zu unserem Karwendelglück bislang auch noch gefehlt hatte), um ihn möglichst schnell hinter uns zu lassen. Hinauf zum Kompar geht es dann über einen Grashang, was deutlich angenehmer ist. Kurz vor eins standen wir am zweiten Tagesgipfel (2011m) und genossen den tollen Blick ins Karwendel, der vielleicht von nirgendwo sonst so schön ist wie von der dieser südlichsten Vorkarwendelkatte aus.

In der Mitte die Karwendelkönigin

In der Mitte die Karwendelkönigin

Blick hinab auf den Großen Ahornboden

Blick hinab auf den Großen Ahornboden

… und hinüber zu drei guten Bekannten

… und hinüber zu drei guten Bekannten

Dieses Mal blieben wir nicht lang und stiegen bald richtung Osten ab und am wenig markanten Satteljoch (1935m) wieder auf. Von dort aus gingen wir dann den langen Abstieg zur Gernalm an. Bergab ist die Schotterstraße nicht schön zu gehen und ich wünschte mir ein Mountainbike herbei. Davon kamen gleich mehrere – aber leider nicht meins, sondern die von zwei großen Gruppen, die hurtig an uns vorbei ins Tal fuhren. Zwanzig vor drei hatten wir es dann auch endlich geschafft und blickten zufrieden zurück zur Bettlerkarspize. So hatten wir doch noch das beste aus diesem schönen Tag gemacht.

Am Satteljoch fällt der Blick unweigerlich auf die markante Mondscheinspitze.

Am Satteljoch fällt der Blick unweigerlich auf die markante Mondscheinspitze.