Hochtour im Mont-Blanc-Massiv am 18/19.06.2015

Urlaub in der Nähe des Mont Blanc-Massivs, mit Christoph einen zweiten kompetenten Partner zur Verfügung und zwei Tage bestes Bergwetter vorhergesagt – das schien eine perfekte Gelegenheit, um Claudia die Welt der Hochtouren näherzubringen. Und nebenbei freute ich mich darauf, endlich mal wieder eine Hochtour bei gutem Wetter zu machen.

Donnerstag früh schaute ich noch einmal in den Wetterbericht: Für den Abend war ein Frontdurchzug vorhergesagt. Wo kam der denn auf einmal her? Immerhin sollte er bis Freitag früh wieder abziehen. Dann würde es ja passen. Also los.

Die Dents du Midi

Die Dents du Midi

Wir fuhren bis Champex und fuhren dort mit der Seilahn nach La Breya auf 2194m hinauf.  Von hier aus führt ein schöner Hangweg zur Cabane d’Orny (2826m), unserem heutigen Tagesziel. Das Wetter war zunächst noch freundlich und erlaubte Blicke auf Grand Combin und Mont Vélan, doch es zog mehr und mehr zu. Kurz vor Erreichen der Hütte regnete es sogar kurz. Damit war die Front früher eingetroffen als vorhergesagt. Würde sie dann auch früher wieder abziehen?

Bergstation mit Le Catogne im Hintergrund

Bergstation mit Le Catogne im Hintergrund

Am Weg zeigen sich bereits die ersten Wolken.

Am Weg zeigen sich bereits die ersten Wolken.

Mont Vélan

Mont Vélan

Nach einer ausgiebigen Ruhepause nutzten wir den späten Nachmittag zum Üben: Anker graben, Flaschenzug bauen, Pickelselbstrettung. Es ist gut, das immer wieder mal durchzugehen. Für den nächsten Tag hatten wir uns die Überschreitung der Aiguille du Tour vorgenommen und beim Abendessen versicherte uns der Hüttenwirt, es würde noch in der Nacht aufklaren und morgen schön. Die Vorfreude stieg.

Die Cabane d'Orny

Die Cabane d’Orny

…und der Glacier d'Orny

…und der Glacier d’Orny

Freitag klingelte der Wecker um 04:00 Uhr. Draußen Regen. Mit mäßiger Motivation frühstückten wir und packten unsere Rucksäcke. Sollten wir uns das wirklich antun? Dann hörte der Regen auf, die Wolken schienen aufzuziehen. Also los.

Wie ging das noch mal mit dem Flaschenzug? Foto ©ChrisE

Wie ging das noch mal mit dem Flaschenzug? Foto ©ChrisE

Auf dem Gletscher, im Anstieg zum Col d’Orny (3088m) fing es wieder an zu nieseln und bald ging der Niesel in Schnee über – allerdings nicht in gescheiten Schnee, sondern warmen, nassen, der auf der Hose sofort schmilzt und dann langsam durchsuppt. Dazu wehte ein kalter Wind und die Sicht war auch gleich null.

Aufstieg am Glacier d'Orny bei kurzzeitig trockenem Wetter

Aufstieg am Glacier d’Orny bei kurzzeitig trockenem Wetter

Da sich immer wieder Lücken in den Wolken zeigten, die Hoffnung auf baldige Besserung weckten, gingen wir auch am Pass weiter und folgten der halb eingeschneiten Spur über das Plateau du Trient. Doch immer wieder zogen neue Wolken nach und es hörte nicht auf zu schneien. Gegen acht war dann Schluss. Claudia, die die am wenigsten wasserabweisende Hose hatte, begann zu frieren. Also kehrten wir um. Als wir durch den Nebel den Gletscher hinab gingen, erinnerte mich das sehr an letztes Jahr. Warum habe ich auf Hochtouren in den letzten Jahren eigentlich immer so ein Pisswetter?

Viertel nach neun saßen wir wieder in der Hütte, um zehn schien oben am Col d’Orny die Sonne. Wären wir weitergegangen, hätten wir wahrscheinlich am Gipfel in der Sonne sitzen können. Also falls wir hoch gekommen wären. Ich bereute unsere Entscheidung zur Umkehr kein bisschen, war aber doch frustriert, als wir unsere Rucksäcke für den Abstieg schulterten.

Schließlich riss es doch noch auf - zu spät für uns. Foto ©ChrisE

Schließlich riss es doch noch auf – zu spät für uns. Foto ©ChrisE

Von Frontabzug konnte allerdings noch keine Rede sein, denn nach den ersten sonnigen Minuten hüllten uns Nebel und Nieselregen für den Rest des Abstiegs in einen wohlig warmen Mantel, der mich immerhin zu Schlechtwetter-Poesie inspirierte:

Es weht der Wind kalt auf die Haut,
während sich ‘s Gewitter aufbaut
Was soll das, was soll das?
Der Regen fällt in einem fort,
begleitet mich von Ort zu Ort.
Was soll das, was soll das?
Der Schnee hat alles eingeweht,
dass mir die Orientierung fehlt.
Was soll das, was soll das?
Von Besserung überhaupt keine Spur,
es ändern sich die Wolken nur.
Was soll das?

Uhhh, womit hab’ ich das verdient,
dass mich der Nebel angrient.
Hätt’ mich der Bergwetterbericht doch wenigstens gewarnt.
Ooohhh.
Zu einem verlorenen Tag
hätt’ ich vielleicht nichts gesagt.
Hätt’ mich zwar genervt,
wahrscheinlich hätt’ ich’s noch verschmerzt.
Aber es hat ja gleich auf Dauerregen gemacht.

So richtig hat es nicht geklappt, Claudia zu zeigen, wie schön Hochtouren sein können, das war mehr die Variante zum Abgewöhnen. Schade.

Abstieg in den Nebel

Abstieg in den Nebel

Eine knappe Woche später versuchten wir es dann noch einmal