Bergtour im Mont-Blanc-Massiv am 20.06.2015

Nach unserer abgebrochenen Hochtour stand nun wieder Wandern auf dem Programm. Dazu fanden sich Sandra, Christoph, Konstantin und ich wiederum in Champex ein. Dieses Mal wandten wir uns jedoch nach Norden, um den etwas isoliert stehenden Le Catogne zu besteigen.

Viertel vor elf starteten wir am Parkplatz direkt am Seeufer (1466m) in Champex. Der Weg zieht gleich steil durch den Wald aufwärts und trieb uns trotz des bewölkten Himmels die Schweißperlen auf die Stirn.

Es blüht so schön am Wegesrand.

Es blüht so schön am Wegesrand.

Auf ca. 2200m erreichten wir einen Sattel, von dem aus der Grat zum kreuzbesetzten Le Bonhomme zu sehen war. Dort oben kletterten sogar Zwei. Ich hatte eine grobe Beschreibung darüber gelesen, dass die Gratüberschreitung von hier bis zum Le Catogne im Schwierigkeitsgrad T5 machbar sei und war natürlich neugierig. Die anderen Drei hatten keine Lust auf ein derartiges Abenteuer und hielten sich lieber an den Weg durch die Westsüdwestflanke. Der Grat reizte mich aber doch zu sehr, um ihn nicht mal aus der Nähe zu betrachten und so vereinbarten wir, dass wir uns am Gipfel wieder treffen würden.

Die ersten Meter im IIer-Gelände

Die ersten Meter im IIer-Gelände

Schnell erkletterte ich die ersten Schrofen, bewältigte die ersten IIer-Stellen und querte erdige Rinnen (wobei für letzteres meine Zustiegsschuhe nicht ideal waren). Schließlich musste ich aber einsehen, dass der Südwestgrat zum Le Bonhomme doch zu schwierig sein würde. Also stieg ich einige Meter zurück, querte dann ein Stück nach Westen und gewann schließlich den markierten Weg zum Col de Guides auf der anderen Seite des Gipfels. Von dieser Scharte aus waren es nur noch ein paar Meter bis zum Gipfel des Bonhomme (2435m). Oben traf ich auch die beiden Kletterer. Wir unterhielten uns kurz, dann setzte ich meinen Weg fort – schließlich wollte ich meine Freunde nicht warten lassen.

Der erste Teil des Grates zur Pointe de Chevrettes

Der erste Teil des Grates zur Pointe de Chevrettes

Tiefblick Vom Le Bonhomme auf Champex und Val Ferret

Tiefblick Vom Le Bonhomme auf Champex und Val Ferret

Den markierten Weg, der nun auf der Ostseite nach unten zieht, verließ ich wieder und hielt mich an die hier noch sanfte Gratschneide. Ein schwierigen Aufschwung konnte ich ich auf deutlichen Trittspuren rechts in einer Grasflanke umgehen, dann näherte ich mich dem Massiv der Pointe des Chevrettes. Auch hier ist eine Umgehung auf der Ostseite bequem möglich. Zunächst folgte ich dem grasigen Band, das diese vermittelt, für einige Meter, doch war ich ja nicht hier, um den Grat zu umgehen. Also stieg ich in leichter Kletterei (bis II) zum Grat und folgte diesem bis zu einem mit Steinmännchen markierten Gipfel (2567m).

Der Grat wird wilder.

Der Grat wird wilder.

Rückblick

Rückblick

Von dort aus zog der Grat weiter nach Norden zu einem weiteren Steinmann-Gipfel, wobei nach meinem Eindruck beide gleich hoch sind. Die Gratkraxelei dort hinüber war stellenweise durchaus ausgesetzt, allerdings nie schwerer als der obere zweite Grad. Mittlerweile hatte ich mich gut an den meist festen Gneis und Granit gewöhnt und kam trotz vorsichtigem Klettern gut voran.

Nun hatte ich den Gipfel von Le Catogne (wiederum mit Kreuz) bereits vor Augen. Der Abstieg in den dazwischen liegenden Sattel sah von oben zunächst schwierig aus, löste sich dann aber gut auf. Von hier aus konnte ich bereits Sandra, Christoph und Konstantin erspähen, die auf den letzten steilen Metern zum Gipfelaufbau unterwegs waren.

Das Tagesziel ist im Blick.

Das Tagesziel ist im Blick.

Da ich gerade so gut drin war, umging ich den nächsten Wegabschnitt gleich noch am Grat und kam dann fast genau gleichzeitig mit den Anderen am Gipfel (2598m) an. Trotz der Wolken ergaben sich schöne Ausblicke ins Walls bis hinunter zum Genfer See, ins Val Ferret sowie in die umliegende Bergwelt.

Fernblick zum Genfer See

Fernblick zum Genfer See

Alleingänger vor Rhone-Tal

Alleingänger vor Rhone-Tal

Wir genossen eine ausführliche Brotzeit, bevor wir uns – jetzt wieder gemeinsam – dem steilen Abstieg zuwandten. Zügig kam uns der Lac de Champex näher, in dessen Nähe wir diesen schönen Bergtag bei Bier und Abendessen ausklingen ließen.

Gut gelaunt beim Abstieg

Gut gelaunt beim Abstieg