Val Ferret 5: Schlechtes Karma

Hochtour im Mont-Blanc-Massiv am 24./25.06.2015

Nachdem unser erster Hochtourenversuch im Schneegestöber geendet hatte, beschlossen Claudia und ich, einen zweiten Versuch an der Aiguille du Tour zu unternehmen. Dieses Mal war der Wetterbericht bis zuletzt eindeutig: zwei Tage bestes Bergwetter. Diese Gelegenheit konnten wir nicht ungenutzt lassen.

Also alles wie gehabt: Mit dem Sessellift von Champex nach La Breya und dann zu Fuß zur Cabane d’Orny. Dieses Mal gingen wir allerdings gleich weiter über den Glacier d’Orny zur Cabane du Trient. Da unser letzter Aufenthalt hier oben erst eine knappe Woche her war, hielt ich auch eine Nacht auf über 3100m für vertretbar und so würden wir am nächsten Tag Zeit sparen.

Der gewaltige Grand Combin

Der gewaltige Grand Combin

Im Hüttenzustieg

Im Hüttenzustieg

In der Mittagssonne war es heiß auf dem Gletscher und der Anstieg dementsprechend trotz der der moderaten Steigung anstrengend. Claudia war ziemlich erschöpft, als wir gegen 14:15 Uhr schließlich die wunderbar über dem Plateau du Trient gelegene Hütte erreichten.

Der kleine See an der Cabane d'Orny

Der kleine See an der Cabane d’Orny

Beeindruckendes Klettergelände

Beeindruckendes Klettergelände

Dieses Mal war es heiß, als wir über den Glacier d'Orny aufstiegen.

Dieses Mal war es heiß, als wir über den Glacier d’Orny aufstiegen.

Wir ruhten uns erst einmal aus; gegen fünf machte ich mich dann noch einmal auf, um die Umgebung zu erkunden. Zunächst stieg ich auf den Kamm unmittelbar hinter Hütte, dann querte ich nach Norden und erstieg über leichtes Blockwerk (I-II, teils umgehbar) die Pointe d’Orny, den 3271m hohen Hausberg der Hütte. Von hier aus hatte ich einen herrlichen Blick in die Walliser Alpen, wo sich Grand Combin, Matterhorn, Dent Blanche und Weisshorn im Nachmittagslicht präsentierten. Richtung Süden wussten die Gipfel rund um das Plateau du Trient zu gefallen. Auch die gewaltige Aiguille d’Argentiere, die von der Hütte aus etwas hinter den Dorées untergeht, zeigte sich hier in ihrer ganzen Pracht.

Aufstieg zur Pointe d'Orny

Aufstieg zur Pointe d’Orny

Die Cabane du Trient vor dem gleichnamigen Gletscherplateau

Die Cabane du Trient vor dem gleichnamigen Gletscherplateau

Wunderbare Aussicht in die Walliser Alpen

Wunderbare Aussicht in die Walliser Alpen

Nachdem ich die Aussicht genossen hatte, stieg ich zurück zur Hütte, wo in Kürze das Abendessen anstehen würde. Ein Blick durch’s Fenster auf das Ziel des nächsten Tages weckte die Vorfreude: Auf den Südgipfel sollten wir es wohl auf jeden Fall schaffen. Und dann würden wir weitersehen.

Die Cabane du Trient bietet eine fantastische Aussicht.

Die Cabane du Trient bietet eine fantastische Aussicht.

Also alles prima bis zum Dessert. Da wurde mir plötzlich komisch zumute und etwa zwanzig Minuten später war das ganze Abendessen wieder draußen. Seltsam. Aber gut, früh ins Bett, ausruhen, dann würde es morgen früh hoffentlich wieder gehen.

Doch leider sollte dies nur der Anfang gewesen sein. Ab kurz nach zehn ging es dann richtig los, bis ich gegen Mitternacht als kleines Häufchen Elend bibbernd, mit tauben Beinen in der Gaststube lag, wo sich Claudia, ein anderer Gast und die Hüttenwirtin dankenswerterweise um mich kümmerten. Nur gegen den Verdacht, ich sei höhenkrank, konnte ich mich noch wehren. Stattdessen hatte ich mir eine ausgewachsene Lebensmittelvergiftung zugezogen (allerdings nicht vom Hüttenessen!). Gegen eins war dann endlich alles raus und ich konnte schlafen. An den Gipfel dachten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht mehr.

Als wir am Donnerstag gegen halb sieben aufstanden, fühlte ich mich wieder halbwegs lebendig. Schwach zwar, aber immerhin in der Lage, feste Nahrung zu mir zu nehmen. Dieses Mal war ich nicht frustriert, nur traurig, als ich durch’s Fenster die Seilschaften sah, die zur Aiguille du Tour auf- und etwas später wieder von dort abstiegen. Es hätte so schön sein können.

Abstieg von der Cabane du Trient

Abstieg von der Cabane du Trient

Noch ein Stück zu gehen bis zur Seilbahnstation

Noch ein Stück zu gehen bis zur Seilbahnstation

Gegen zehn fühlte ich mich bereit für den Abstieg. Dieses Mal wählten wir den Weg nördlich des Gletschers. Meine Oberschenkel fühlten sich an wie Pudding, aber ich war froh, überhaupt aus eigener Kraft absteigen zu können. Kurz vor zwei waren wir wieder an der Seilbahnstation. Geschafft! Damit war auch dieses recht spezielle Abenteuer bestanden. Und nach so viel Pech kann es beim nächsten Mal ja eigentlich nur wieder besser werden.

2 Kommentare

  1. Oh man, wie blöd, da hast du echt Pech gehabt 🙁 Die Bilder sind trotzdem klasse; tolle Gegend dort!

    • Hannes
      Hannes

      16. Juli 2015 at 11:09 am

      Das kann man wohl sagen. Immerhin rechne ich fest damit, dass nach so viel Pech im Juni nun wieder bessere Zeiten folgen. 😉

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