Hinterer Tajakopf im dritten Versuch

Skitour im Mieminger Gebirge am 28.02.2016

Der Hintere Tajakopf ist kein besonders hoher oder schwieriger Gipfel, trotzdem benötigte ich drei Anläufe, um ihn zu besteigen: Beim ersten Mal fehlte einem meiner Mitstreiter die Kraft, beim zweiten Mal stoppte uns schlechtes Wetter und schlechter Schnee. Heute nun sollte es besser laufen.

Etwa viertel nach neun startete ich in Ehrwald (1100m) zu dieser Tour. Es war nicht gerade einsam hier und neben diversen Skifahren waren auch noch einige Gruppen an Skitourengehern unterwegs. Na ja, hier im Skigebiet herrschte ja eh Trubel.

Los geht's mit der Wetterwand im Blick.

Los geht’s mit der Wetterwand im Blick.

Der erste Teil des Aufstiegs bis zur Ehrwalder Alm (1502m) ist nicht besonders spektakulär. Gerade bei schlechter Schneelage geht man eigentlich immer an der Piste entlang. Ab hier wird es allmählich ruhiger, denn eine Loipe führt vom Skigebiet weg zum Igel-See. Im Aufstieg dorthin unterhielt ich mich kurz mit zwei anderen Tourengehergruppen, die ich überholte, dann folgte eine kurze Abfahrt und kurz darauf verließ ich die Loipe in Richtung Brendlkar.

Der Vordere Tajakopf schindet Eindruck - dahinter die Grießspitzen.

Der Vordere Tajakopf schindet Eindruck – dahinter die Grießspitzen.

Hier war ich nun allein, denn während die anderen Tourengeher direkt aufstiegen, folgte ich einer anderen Spur weiter nach Westen. Der Himmel war bedeckt, während ich die Ruhe genießend alleine aufstieg, doch wie schon bei der letzten Tour verhinderte der Fön Schlimmeres. Dazu war es sehr warm – wohl auch eine Folge des Föns und einer guten Schneequalität nicht unbedingt zuträglich.

Blick Richtung Ehrwalder Becken und Daniel

Blick Richtung Ehrwalder Becken und Daniel

Im Aufstieg durchs Kar reihten sich einige andere Gruppen wieder hinter mir ein, während uns die Frühaufsteher bereits entgegen kamen. Es war klar, dass Pulverschnee hier nicht mehr zu haben sein würde, denn die Hänge waren schon alle ziemlich zusammen gefahren.

Auch der östliche Teil des Wettersteins macht etwas her.

Auch der östliche Teil des Wettersteins macht etwas her.

Auf dem Weg ins Hintere Tajatörl steuerte ich die in Aufstiegsrichtung rechte der beiden Scharten an, während die linke bereits von zahlreichen Grünstein-Umfahrern bevölkert war, die hier Pause machten.

Die beiden Scharten des Hinteren Tajatörls

Die beiden Scharten des Hinteren Tajatörls

Etwas unterhalb der Scharte schnallte ich Ski ab, um den Rest zu Fuß aufzusteigen. Noch während ich abfellte, trafen bereits drei Sachsen ein und die nächsten Gruppen waren auch schon in Sicht. Hintereinander stapften wir den gespurten Hang in die Scharte (2260m) hinauf, dann wandte ich mich nach Norden, dem Hinteren Tajakopf zu.

Die letzten Meter in die Scharte

Die letzten Meter in die Scharte

Immer wieder schön: Die Ehrwalder Sonnenspitze

Immer wieder schön: Die Ehrwalder Sonnenspitze

Auch der Gipfelanstieg war gut gespurt, wofür ich angesichts einiger steiler Passagen auch dankbar war. Zu meiner Überraschung folgte mir niemand und ich freute mich, den Gipfelaufbau ganz für mich zu haben. Nach einer kurzen Kraxelstelle (I) erreichte ich kurz vor eins den Gipfel auf 2408m, setzte mich auf den flachen Gipfelsteinmann und genoss die Aussicht. Zum Kreuz ging ich nicht herüber, blieb lieber hier oben, genoss die Ruhe und ließ den Blick schweifen auf den Daniel, die Tannheimer und Lechtaler und auf die mächtige Wetterwand.

Der einrucksvolle Grünstein

Der einrucksvolle Grünstein

Blick aufs Gipfelkreuz

Blick aufs Gipfelkreuz

Etwa eine halb Stunde machte ich Pause, dann begann ich den Abstieg. Unten an der Scharte waren mittlerweile wieder neue Tourengeher eingetroffen und auch von unten kamen noch einige nach. Ich hätte nicht gedacht, dass hier so viel los sein würde! Um so schöner, dass ich ausgerechnet am Gipfel doch noch Ruhe gefunden hatte.

Ich beginne den Abstieg.

Ich beginne den Abstieg.

Tief unter mir die Coburger Hütte

Tief unter mir die Coburger Hütte

Die Abfahrt ging dann gut, der Schnee war immerhin ok. Nach dem Brendlsee hielt ich mich rechts (östlich) und kam so zurück zur Loipe. An der Gegensteigung verzichtete ich aufs Auffellen und schulterte stattdessen die Ski. Die weitere Abfahrt ging dann durchs Skigebiet, dessen unterer Teil sich schon in ziemlichen Sulz verwandelt hatte. Es war einfach zu warm.

Auch im Abstieg fällt der Blick immer wieder auf die Wetterwand.

Auch im Abstieg fällt der Blick immer wieder auf die Wetterwand.

Kurz vor drei war ich dann wieder am Auto und konnte die Heimfahrt antreten. Dass letztere mit den üblichen Tücken aufwartete, inspirierte mich zu folgendem poetischen Erguss

Oh Du schönes Oberau
Wie ich liebe Deinen Stau!
Jedes Mal, wenn ich nach Hause fahr
Werde ich Deiner gewahr
Wenn ich im Schneckentempo vorwärtsschleiche
Bis ich Deinen Ortsausgang erreiche
Und oft fängt er schon am Farchanter Tunnel an
Damit man den Stau gebührend lang genießen kann
Doch 2021 ist es mit dem Spaß vorbei
Dann haut die Umgehung das Nadelöhr entzwei
Doch das ist mir einerlei
Denn 2km weiter gibt’s dann sicher die gleiche Steherei

2 Kommentare

  1. Na jetzt hast du es ja endlich mal geschafft zum Gipfel !!!
    …….. hab garnicht gewusst das du so eine poetische Ader hast . – aber net schlecht + leider wahr.
    Gruß

    • Hannes
      Hannes

      2. März 2016 at 7:10 pm

      Ja, ab und an überkommt’s mich. 😉 Es gibt auch noch ein, zwei andere Bericht mit solchen Einlagen…

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