Bergtour im Ammergebirge am 16.05.2016

Der Pfingstmontag schien eine gute Gelegenheit, mal wieder meinem heimlichen Hobby nachzugehen, Überschreitungen bei zweifelhaftem Wetter und / oder schwierigen Bedingungen. Dieses Mal war beides geboten, was die Tour unerwartet abenteuerlich werden ließ.

Halb neun fand ich mich in Bichlbach (1079m) ein. Ich hatte mir für heute die Überschreitung von der Kohlbergspitze zum Pitzenegg vorgenommen. Sicher war ich nicht, ob die Schneelage dieses Vorhaben zulassen würde, aber doch optimistisch. So ging ich voller Tatendrang bergwärts, doch ein erster Rückschlag folgte umgehend: Bei beiden Wanderstöcken hatte sich das obere Teleskoprohr im Schaft festgefressen und ließ sich nicht mehr ausfahren. Versuche, das Problem mit Werkzeug oder roher Gewalt zu beheben, blieben leider erfolglos.

Eingerahmt von Hochspannungs- und Bahnstrecke grüßen die Tannheimer Berge aus der Ferne.

Eingerahmt von Hochspannungs- und Bahnstrecke grüßen die Tannheimer Berge aus der Ferne.

Natürlich ließ ich mich davon nicht aufhalten und stieg eben mit zwei halbausgefahrenen Stummelstöckchen aufwärts. Ging schon. Das Wetter war noch halbwegs freundlich, aber von Nordwesten zogen schon dunklere Wolken auf. Da würde ich wohl später noch ein paar Flocken abbekommen. Apropos Schnee: Dass bereits ab 1200m erste Schneereste zwischen den Bäumen lagen, ließ bei mir erste Zweifel an der Durchführbarkeit meines Planes aufkommen.

Der Rote Stein macht was her.

Der Rote Stein macht was her.

Auf etwa 1650m kam ich zum Alpenrosensteig. Rechts ging es von hier aus einfach zur Kohlbergspitze, links schwieriger. Ich wählte die linke Variante, denn so würde ich mich schon mal für die Überschreitung warmkraxeln können. Und falls dieser Aufstieg nicht gescheit gehen würde, dann der Rest wohl auch nicht. Diese Argumentation war durchaus schlüssig, trotzdem habe ich auch schon bessere Entscheidungen getroffen.

Der Wald zeigt sich heute winterlich.

Der Wald zeigt sich heute winterlich.

Kurz nach dem Abzweig stapfte ich durch die erste Schneewehe und beschloss, die Gamaschen anzuziehen. Anschließend ging es auf schönem Steig weiter durch den Latschengürtel und auf felsigere Regionen zu. Mittlerweile hatte es begonnen, zu graupeln und der Boden war bereits von einer durchgehenden Neuschneeschicht und einigen Graupelkörnern bedeckt. Da hieß es dann aufpassen an den felsigen Stellen (I).

Nicht mehr weit bis zum Zigerstein

Nicht mehr weit bis zum Zigerstein

Irgendwie war es schon nach halb elf, als ich am Zigerstein eintraf. Dieser kecke Felsturm reizte mich durchaus und so stieg ich vorsichtig über die verschneiten Felsen aufwärts. An einer Rechtsquerung über eine vereiste Platte wäre Schluss gewesen, hätte ich nicht die rettende Stahlkette entdeckt, dank der ich kurz darauf doch den Gipfel (1975m) erreichte. Leider konnte ich mich nicht ins Gipfelbuch eintragen, da dessen Seiten zusammengefroren waren.

Der Weiterweg - das schaut doch mal einladend aus.

Der Weiterweg – das schaut doch mal einladend aus.

Rückblick zum Zigerstein; mittlerweile schneit es.

Rückblick zum Zigerstein; mittlerweile schneit es.

So blieb mir nichts weiter, als wieder abzusteigen und die letzten 200Hm zur Kohlbergspitze anzugehen. Der Graupel ging jetzt in leichten Schneefall über, was irgendwie auch egal war. Dafür wurde das Gelände abwechslunsgreicher: viele grasige Schrofen, gelegentlich Firn (inkl. knietiefem Einbrechen), ab und an Schotter und immer wieder mal felsige Passagen (bis I). Das alles von 10-15cm Neuschnee bedeckt, was an vielen Stellen erforderte, mit den Füßen zunächst den nächsten Tritt zu erspüren und dann erst zu belasten. Eigentlich ganz spannend, dieses Tritte ertasten. Eine Trendsportart wird es aber wahrscheinlich eher nicht werden.

Nach oben hin wurde das Gelände eigentlich immer unangenehmer. Ich war froh, zur Not noch Pickel und Steigeisen dabei zu haben, wobei ich mir Nachhinein denke, gerade die Steigeisen hätte ich ruhig mal anziehen können. Stattdessen tastete ich mich auf blanken Sohlen langsam bergwärts.

Nun ist es nicht mehr weit.

Nun ist es nicht mehr weit.

Aufstieg in der Firnrinne

Aufstieg in der Firnrinne

Kurz vor dem Gipfel gab es noch einmal eine kurze Firnrinne, dann ging es über steile Grasschrofen richtung Kreuz. Mittlerweile hatte ich mich auch entschieden, vom Gipfel direkt abzusteigen. Das Gelände war durchaus heikel und machte auch nicht so wirklich Spaß, da würde ich ohne Not sicherlich keinen Nachschlag bestellen.

Den Mist bin ich hochgekommen?

Den Mist bin ich hochgekommen?

Kurz vor zwölf erreichte ich dann den höchsten Punkt (2202m), durchaus erleichtert, die Steilflanke hinter mir zu haben. Ich setzte mich für eine kurze Pause auf den Sockel des sehr großen Gipfelkreuzes, dann machte ich mich an den Abstieg. Auch hier musste ich das Gipfelbuch unangetastet lassen, denn die Kassette war festgefroren.

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Geschafft – der Abstieg war einfach.

Runter ging es dann trotz zunächst lebhafter werdendem Schneefall deutlich einfacher. Ein griffiges Firnfeld leitete mich zum Weg, der auch unter dem Neuschnee gut erkennbar war. Der Rest war dann unproblematisch und der Schneefall hörte schließlich auch auf. Halb zwei war ich dann wieder in Bichlbach nach dieser etwas wilden Besteigung. Getroffen hatte ich unterwegs natürlich niemandem…