Wanderung im Schlernmassiv vom 09.-11.07.2016

Nicht immer muss es höher, weiter oder schwieriger sein. Manchmal reicht mir auch eine schöne, entspannte Wanderung, um glücklich zu sein – besonders, wenn ich nicht allein auf Tour bin und meine Eindrücke unterwegs teilen kann.

Für ein langes Wochenende hatten sich Claudia und ich den Schlern als Ziel ausgesucht. Samstag früh führen wir von München über den Brenner bis nach Seis, wo wir mit der Seilbahn die Anreise noch bis Kompatsch (1844m) verlängerten. 11:30 Uhr begannen wir dann unsere  Wanderung über die Seiser Alm bei herrlichem Wetter. Endlich einmal stabiles Sommerwetter in diesem sonst bislang so wechselhaften Jahr!

Alles blüht auf der Seiser Alm.

Alles blüht auf der Seiser Alm.

Wir waren nicht alleine unterwegs.

Wir waren nicht alleine unterwegs.

Die beeindruckenden Felsspitzen von Euringer und Santner

Die beeindruckenden Felsspitzen von Euringer und Santner

Gemütlich wanderten wir zwischen blumenbestandenen Wiesen und zahlreichen anderen Besuchern zur Prossliner Schwaige, wo wir eine Mittagspause einlegten und unsere Knödelspeicher auffüllten. Anschließend ging es durch den Wald weiter und ein Stück hinab zur Schlernbödelehütte (1693m), die nicht nur schön liegt, sondern auch von einem sehr freundlichen und kulinarisch leistungsfähigen Team geführt wird. Kaiserschmarrn und Holunderschorle, später Gröstl, Schlutzkrapfen und ein Glas Lagrein – was braucht man mehr? Kurz vor dem Abendessen machte ich allerdings noch einen kurzen Ausflug zum Einstieg in den 1912 eröffneten heutigen Normalweg (IV) auf die Santnerspitze. Die Wand wirkt durchaus einschüchternd von hier, der herrlich feste und griffige Fels dafür umso einladender. Vielleicht müsste man hier doch mal klettern gehen…

Rindviecher gibt es auf der Alm natürlich auch.

Rindviecher gibt es auf der Alm natürlich auch.

Abendlicher Panoramablick

Abendlicher Panoramablick

Geislerpitzen

Geislerpitzen

Nach einer erholsamen Nacht im Lager und einem leckeren Frühstück brachen wir am Sonntag zwanzig nach acht auf, um zur Schlern-Hochfläche zu wandern. Während eine andere Gruppe, die hier genächtigt hatte, den Touristensteig ansteuerte, entschieden wir uns für den anspruchsvolleren Gamssteig, der direkt von der Hütte weg sehr schön durch den teils dichten und teils lichten Bergwald führt, bis er schließlich in eine geröllige Rinne führt (hier gibt es einige Versicherungen) und dann über breite Schuttbänder durch die eindrücklichen Wandfluchten des Schlern nach oben zieht.

Abschied von der Schlernbödelehütte

Abschied von der Schlernbödelehütte

In richtung beeindruckender Wände steigen wir auf.

In richtung beeindruckender Wände steigen wir auf.

Kleine Kraxeleinlage

Kleine Kraxeleinlage

Hier war es mittlerweile schon richtig heiß, was das Steigen beschwerlich machte. Das merkte auch Balu, der bärige Hund, der mit zwei Einheimischen heraufkam und hechelte, was die Zunge hergab. Schließlich mussten ihn seine beiden zweibeinigen Begleiter in einer kleinen Höhle zurücklassen, denn es ging einfach nicht mehr. Sie würden ihn später im Abstieg wieder einsammeln.

Blick auf den Zillertaler Hauptkamm

Blick auf den Zillertaler Hauptkamm

Balu der Höhlenbär - oder -hund

Balu der Höhlenbär – oder -hund

Auch hier oben blüht es.

Auch hier oben blüht es.

Schließlich erreichten wir die Hochfläche und der abrupte Wechsel der Szenerie ist schon erstaunlich. Über einen reichlich bevölkerten, komfortablen Weg spazierten wir nun zum Schlernhaus (2450m) hinüber, das wir kurz vor Mittag erreichten. Nach einer kleinen Stärkung (Mmmhhh, Käseplatte) ruhten wir uns erst einmal in unserem luxuriösen Zweibettzimmer ein wenig aus, bevor wir uns am Nachmittag noch einmal aufmachten, um den Petz zu besteigen, den höchsten Gipfel des Schlernmassivs. Es ist wirklich nicht weit und so ereichten wir schon nach wenigen Minuten das Gipfelkreuz mit Panoramablick auf 2563m Höhe. Hier war der Trubel des Vormittags schon wieder vorbei und so hatten wir den Gipfel erstaunlicherweise ganz für uns. Leider war die Aussicht inzwischen schon etwas eingetrübt, trotzdem war es schön hier oben.

Wir sind auf der Hochfläche angekommen.

Wir sind auf der Hochfläche angekommen.

Das Schlernhaus

Das Schlernhaus

Wolken am Petz

Wolken am Petz

Während Claudia vom Gipfel aus bald den Rückweg zur Hütte antrat, erkundete ich noch ein wenig das Hochplateau, wanderte vor zum Burgstall (1515m), besuchte eine Murmeltier-Familie und erkundete die Schutthänge, die in der gewaltigen Schlucht münden, die hinab nach Seis zieht.

Auf dem Weg zum Burgstall

Auf dem Weg zum Burgstall

Dieser pelzige Freund entdeckte mich natürlich zuerst.

Dieser pelzige Freund entdeckte mich natürlich zuerst.

Am Rande der Schlucht

Am Rande der Schlucht

Gegen halb fünf war ich zurück im Schlernhaus, bei nach wie vor freundlichem Wetter. Erst später zogen Regenwolken und sogar ein schwaches Gewitter auf. Aber davon ließen wir uns die Nachtruhe nicht verderben und waren somit gut erholt, als am Montag morgen kurz vor sieben der Wetter klingelte. Zehn nach acht brachen wir dann zu unserer letzten Etappe auf, die uns zunächst südwärts über die Schlern-Hochfläche führte. Die Blicke hinüber zur Rosengartengruppe waren faszinierend, dazu trafen wir auch heute wieder ein Murmeltier.

Morgendunst vor dem Rosengarten

Morgendunst vor dem Rosengarten

Und auch hier oben blüht es.

Und auch hier oben blüht es.

Montags-Murmeltier

Montags-Murmeltier

Kurz vor dem Roterdspitz trennten wir uns noch einmal: Claudia stieg ab um direkt zum Tierser Alpl zu wandern, ich wandte mich dem Maximiliansteig zu, der zunächst zum 2655m hohen Gipfel des Roterdspitz führt. Anschließend führt der Steig über den Grat hinüber zu den Rosszähnen.  Dabei gibt es einige Klettersteigpassagen und auch ein paar erstaunlich ausgesetzte (und nicht versicherte) Stellen. die Schlüsselstelle ist eine Kaminkraxelei, die mit einem Seilstück entschärft wurde (I-II, A0). Kurz darauf kam ich an den Schlussaufstieg zum Großen Rosszahn (2653m). Noch einmal genoss ich die Aussicht, dann stieg ich durch eine versicherte Schlucht hinab zur Hütte, auf deren sonniger Terrasse ich auch Claudia wiedertraf, die es sich hier bereits gemütlich gemacht hatte.

Links der Grat des Maximiliansteiges, in der Mitte das Tierser Alpl

Links der Grat des Maximiliansteiges, in der Mitte das Tierser Alpl

Rückblick zum Roterdspitz

Rückblick zum Roterdspitz

Gipfelblick am Großen Rosszahn

Gipfelblick am Großen Rosszahn

Zwei Knödel, einen Salat und ein großes Stück Kuchen später brachen wir wieder auf und wanderten zur Rosszähnscharte, wo bereits allerhand los war. Von der Seiser Alm kamen zahlreiche Wanderer herauf, die in der Hitze – mittlerweile war es früher Nachmittag – ächzten. Da waren wir froh, nur noch absteigen zu müssen. Der weitere Weg nach Kompatsch war eigentlich sehr entspannt, nur drückten Claudias Schuhe, was Ihr die letzten beiden Kilometer zur Qual werden ließ. Gegen 15:00 Uhr erreichten wir dann endlich die Seilbahnstation. Schuhe aus und zu Tal schweben nach diesem herrlichen und endlich auch mal wieder sonnigen Dolomitenausflug.

Das Tierser Alpl mit seinem markanten Dach

Das Tierser Alpl mit seinem markanten Dach

Es geht wieder hinunter zur Seiser Alm.

Es geht wieder hinunter zur Seiser Alm.

Blumenpracht

Blumenpracht