Aus Verlegenheit auf den Jochberg

Wanderung in den bayrischen Voralpen am 03.12.2016

Schon die Titel der letzten Tourenberichte zeigen, dass seit Mitte Oktober meist irgendetwas nicht so lief wie geplant. So auch vergangenen Samstag, wobei ich dieses Mal ganz alleine Schuld war.

Eigentlich wollte ich eine längere Überschreitung im Ammergebirge angehen und war entsprechend ausgerüstet. Steigeisen, Daunenjacke, dicke Handschuhe, zur Sicherheit auch Eisgeräte und Biwaksack – mit dem guten Gefühl, alles dabei zu haben und einem Tag mit prächtigen Wetter entgegen zu fahren, saß ich vorfreudig im Auto auf dem Weg richtung Garmisch. Kurz vor Eschenlohe fiel mir ein, dass ich vor dem Anziehen der Bergschuhe nicht vergessen durfte, die Füße zu tapen. Schuhe, Schuhe, das Hirn ratterte, scannte den gespeicherten Blick in den Kofferraum – aaaah, ich hatte die Schuhe vergessen! So blöd kann man eigentlich kaum sein, schließlich ist wenig fürs Bergsteigen so essentiell wie Schuhe, aber so war es nun mal. Immerhin mal was Neues, denn das war mir noch nie passiert.

Ich überlegte, was ich mit dem angebrochenen Tag anstellen sollte. Gleich zurück zu fahren, würde für die nächsten beiden Tage nur die Frustration nähren, also lieber schauen, ob ich mit den Laufschuhen, die ich zum Fahren anhatte, irgendwo hoch käme. Da fiel mir natürlich sofort der Jochberg ein, der ja eigentlich immer begangen wird und dementsprechend gut gespurt ist. Ein spärlicher Ersatz, aber immerhin besser als nichts.

So machte ich mich kurz nach acht am Kesselberg auf den Weg, auf dem Rücken ein für diese Tour eindeutig überdimensionierter Rucksack, zwei Stöcke in der Hand und an den Füßen die Laufschuhe. Es war frisch an diesem Morgen und im Wald lag eine hauchdünne Schicht frischen Schnees auf dem Weg.

Ein erster Blick auf den nahen Herzogstand

Ein erster Blick auf den nahen Herzogstand

Einige Bergfreunde kamen mir schon entgegen – am Jochberg ist eben immer was los – aber noch war es ruhig hier. Die ab Herbst oft vereiste Passage kurz vor dem Kamm ließ sich links gut umgehen, nur im unteren Bereich waren einige Meter Eierei zu überstehen.

Das Alpenvorland liegt noch unter Wolken.

Das Alpenvorland liegt noch unter Wolken.

Als ich weiter oben aus dem Wald trat, war ich überrascht, wie stark der kalte Wind hier oben wehte. Angenehm war das nicht, dafür sorgten Schnee und Wolken für eine verwunschen-winterliche Stimmung. Nach ein paar Minuten war ich am 1567m hohen Gipfel. Leider war die Aussicht hier oben durch den Hochnebel eingeschränkt. Daher blieb ich auch nicht lange, sondern floh vor dem kalten Wind nach unten.

Außerhalb des Waldes wurde es recht ungemütlich.

Außerhalb des Waldes wurde es recht ungemütlich.

Der Gipfel des Jochbergs gibt sich winterlich.

Der Gipfel des Jochbergs gibt sich winterlich.

Kurz darauf hatte ich doch noch Glück, als die Wolkendecke über dem Walchensee aufriss und den Blick auf Karwendel, Wetterstein und Stubaier Alpen freigab. Dieser Anblick entschädigte doch immerhin ein wenig für diesen verunglückten Bergtag. Bergab ging es dann unspektakulär durch den Wald zurück zum Kesselberg, wo ich kurz vor halb elf den viel zu großen Rucksack wieder ins Auto laden konnte. Ein bisschen ärgerte ich mich immer noch, diesen Tag nicht besser genutzt zu haben. Aber immerhin war ich ein wenig nach draußen gekommen.

Über dem Walchensee reißen die Wolken auf.

Über dem Walchensee reißen die Wolken auf.

Herzogstand und Heimgarten

Herzogstand und Heimgarten

2 Kommentare

  1. Ahaha, das ist mir vor einem Monat zur Wanderung zum Bachalpsee auch passiert (https://alsnuff.de/2016/11/10/bachalpsee-oder-spieglein-spieglein-an-der-wand-wer-ist-der-schoenste-see-im-ganzen-land/). Ein Glück war es noch nicht so eisig wie jetzt, so dass ich die Wanderung gut mit normalen Straßenschuhen durchziehen konnte. Aber kalt war’s schon unten rum. Man wird halt nicht jünger 😉

    • Hannes
      Hannes

      4. Dezember 2016 at 6:16 pm

      Servus Tobi,
      irgendwie beruhigend, dass so etwas nicht nur mir passiert. 😉 Übrigens tolle Bilder, ist ja wunderschön da.
      Grüße
      Hannes

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