Wanderung im Karwendel am 18.12.2016

Mit dem Schnee ist es so eine Sache: Wenn zu wenig liegt für Skitouren aber zu viel für anspruchsvolle Bergtouren, wird die Tourenauswahl leicht eingeschränkt. Eine gute Zeit für Wanderungen also, die dank der weißen Pracht auch schon mal etwas anspruchsvoller ausfallen als im Sommer. Für dieses Mal suchten wir uns die Karwendel-Südseite als Tourengebiet aus, die eine gute Kombination aus relativ hohen Bergen und relativ wenig Schnee versprach.

Halb neun trafen wir uns in Hochzirl – Franzi und Mark kamen bequem mit dem Zug aus Innsbruck, Jochen und ich waren aus München mit dem Auto hergefahren. Schön, dass wir nach langer Pause mal wieder in dieser Konstellation unterwegs waren!

Von Bahnsteig aus querten wir zunächst nach Osten bis zu einer Forststraße, der wir nun eine ganze Weile bergauf folgten. Das Wetter war freundlich, es lag wenig Schnee im Wald und außer uns war nur noch eine Damengruppe auf dem Weg zur Erlspitze unterwegs. Herrliche Wanderbedingungen also.

Viel Schnee lag nicht im Wald.

Viel Schnee lag nicht im Wald.

Irgendwann ging die Forststraße dann in einen Wanderweg über, der uns wiederum aus dem Wald heraus führte und den Blick auf die Solsteine, die Erlspitze sowie unser Tagesziel, die Kuhlochspitze eröffnete. Schön war es hier und bei angenehmen Temperaturen stiegen wir über einladende Wiesenhänge höher. Dazu waren die vor uns liegenden Berggestalten durchaus nett anzuschauen – und gar nicht so rund und langweilig, wie ich aus irgendeinem Grund vermutet hatte.

Der Kuhlochspitze entgegen

Der Kuhlochspitze entgegen

Über den Erlsattel geht der Blick tief ins Karwendel.

Über den Erlsattel geht der Blick tief ins Karwendel.

Freier Blick ins Sellrain. Auch der Nordgrat des Lüsener Fernerkogel ist gut zu sehen.

Freier Blick ins Sellrain. Auch der Nordgrat des Lüsener Fernerkogel ist gut zu sehen.

Am Kreuzjöchl sahen wir einige Gämsen, die wenig scheu diesen milden Dezembertag genossen. Kurz darauf wechselten wir von der Süd- auf die Westseite des Berges, auf der sich eine deutlich andere Szenerie bot: Weiße Hänge, schneedurchsetzte Pfade, schlecht gebundener Pulverschnee. Vorsichtiger als bislang querten wir so hinüber zur Kuhlochscharte.

Die Solsteine

Die Solsteine

Auf der Westseite lag dann plötzlich doch noch Schnee.

Auf der Westseite lag dann plötzlich doch noch Schnee.

Von hier aus setzt sich der Aufstieg nun sogar eher nordseitig fort, unter anderem ging es durch eine Schneerinne (im Sommer schneefrei und versichert) aufwärts, oben wartete dann noch kurze Kraxelei (I und A), dann standen wir auf dem 2297m hohen Gipfel der Kuhlochspitze. Die Aussicht hier oben war sehr schön, doch hatten sich inzwischen leider Schleierwolken vor die Sonne geschoben, so dass es nicht mehr allzu warm war. Trotzdem gönnten wir uns hier eine angenehme Gipfelpause, bevor wir den Abstieg antraten.

Ab der Kuhlochscharte geht es auf der Nordseite weiter.

Ab der Kuhlochscharte geht es auf der Nordseite weiter.

Steile Schneerinne im Mittelteil

Steile Schneerinne im Mittelteil

Jochen ist schon am Gipfel.

Jochen ist schon am Gipfel.

Bis zum Kreuzjöchl folgten wir unserem Aufstiegsweg, dort bogen wir aber nach rechts ab, um über den südlichen Seitenkamm der Kuhlochspitze abzusteigen. Dies war die aussichtsreichere Variante zum direkten Abstieg und führte uns durch schön ausgeschnittene Latschengassen über mehrere kleine Gipfel – Garberskopf, Zäunlköpfe, Brunstkopf – bis zu einer augenscheinlich recht neu errichteten Hütte. Ab hier verliefen die Wege nun etwas anders als auf der AV-Karte eingezeichnet, was uns zunächst ostseitig hinab, dann um den Berg herum auf die Westseite und schließlich ein Stück weglos bergab bis zu einer Forststraße führte.

Wir steigen wieder ab.

Wir steigen wieder ab.

Über diesen Seitenkamm wanderten wir talwärts.

Über diesen Seitenkamm wanderten wir talwärts.

Von hier aus konnten wir nun entspannt zurück nach Hochzirl wandern, wo wir gegen 16:00 Uhr eintrafen. Dank unserer Abstiegsvariante war das heute eine interessante Erkundung gewesen – und die Kuhlochspitze hatte sich natürlich auch gelohnt. Vor allem aber hatte ich heute gelernt, dass die von mir zu Unrecht der Rundgipfligkeit verdächtigte Erlspitzgruppe deutlich mehr zu bieten hat, als ich vermutet hatte.

Forststraßenfinale

Forststraßenfinale