Frühlingskämme im Ammergebirge

Bergtour im Ammergebirge am 05.03.2017

Nordseitig mit Ski unterwegs sein oder südseitig zu Fuß – das war die Frage, die sich für dieses Wochenende stellte. Nach Abwägung von Schneelage und Wetterhistorie entschied ich mich für letzteres. Keine schlechte Wahl, wie sich herausstellte.

Angesichts der Wettervorhersage hatte ich es morgens nicht eilig. Erst viertel vor zehn startete ich daher am Hotel Ammerwald. Dass hier bereits etwas Neuschnee lag, war zwar unerwartet, ansonsten waren die Schneemengen aber doch überschaubar.

Als ich los ging, war es noch trüb.

Als ich los ging, war es noch trüb.

Vom Hotel Ammerwald stieg ich den Schützensteig hinauf, der im steilen unteren Bereich bereits weitgehend aper war. Später kam dann zwar mehr Schnee, es war aber noch kein Problem für den ambitionierten Fußgänger, so dass ich mich auch von den Skispuren nicht aus dem Konzept bringen ließ.

Der Wald wirkte winterlich.

Der Wald wirkte winterlich.

Nach etwa einer Stunde kam ich zum Abzweig zum Ochsenälpeleskopf, den ich heute allerdings links liegen ließ und stattdessen weiter zur Jägerhütte wanderte, was schon etwas mehr Winterfeeling aufkommen ließ. Das Wetter war noch trüb an diesem Vormittag und zwischendurch schneite es sogar leicht. Doch war bereits Besserung zu erahnen, denn die Wolkendecke wurde schon dünner.

Verwunschene Hütte

Verwunschene Hütte

Vor mir steht der Niederstraußberg.

Vor mir steht der Niederstraußberg.

Von der Jägerhütte stapfte ich dem breiten Weg folgend weiter zum Niederstraßbergsattel, wo es hieß, sich für den Weiterweg zu entscheiden. Zunächst prüfte ich auf der Nordseite mögliche Anstiege zum Hohen Straußberg, dann kam ich zu dem Schluss, dass mich dieses Unterfangen heute zu viel Zeit kosten würde, so dass ich stattdessen direkt die Besteigung des Niederstraußberges anging. Vom Sattel weg war zwischen den Latschen Wühlerei angesagt, wobei mir eine wenige Tage alte Abstiegsspur den Weg wies. Oberhalb der Baumgrenze war der Grat dann oft abgeblasen und dadurch leichter zu begehen, auch wenn dünne Schneeauflage auf Gras immer wieder Vorsicht verlangte.

Der Gratspaß beginnt.

Der Gratspaß beginnt.

Hinter mir stehen Hoher Straußberg und Tegelberg.

Hinter mir stehen Hoher Straußberg und Tegelberg.

Vor mir in Wolken Hochplatte und rechts Hochblasse

Vor mir in Wolken Hochplatte und rechts Hochblasse

Schließlich erreichte ich den wenig markanten Gipfel des Niederstraußberges (1877m), wo ich mich zur Rast setze und die sich immer weiter verbessernde Aussicht genoss. Außerdem legte ich hier die Steigeisen an, da ich mit ihnen an den Füßen einfach schneller sein würde. Der Weiterweg war dann einfach herrlich: Mittlerweile schien die Sonne, der Grat war aussichtsreich und gemütlich und gelegentliche Schneewechten gaben dem Ganzen eine gewisse Würze.

Stellenweise wurde der Grat auch schmaler.

Stellenweise wurde der Grat auch schmaler.

Wolkenspiele über dem Ochsenälpeleskopf

Wolkenspiele über dem Ochsenälpeleskopf

Da komme ich her.

Da komme ich her.

Als der Gipfel der Krähe in Sicht kam, war ich erstaunt, dort zwei Skitourengeher zu sehen, die sich gerade zur Abfahrt rüsteten. Kurz darauf stoben sie durch den Firn. Das sah gar nicht mal schlecht aus und kurz wurde ich ein wenig neidisch, dann kehrte die Freude an meinem Mini-Gratabenteuer zurück. Dieses wartete passenderweise nun mit seiner Schlüsselstelle auf: Eine schmale und ausgesetzte Felspassage wollte bezwungen werden (II). Ich ging sie an und merkte, dass das erstens mit Steigeisen gar nicht mal so gut ging und sich zweitens mein Kopf noch nicht wieder an die Ausgesetztheit gewöhnt hatte.

Also Rückzug und stattdessen durch den steilen Firn der Südflanke pickeln. Dafür wiederum waren die Steigeisen super.

Dieses Grasstück umging ich südseitig.

Dieses Grasstück umging ich südseitig.

Nun ist es nicht mehr weit bis zur Krähe.

Nun ist es nicht mehr weit bis zur Krähe.

Der Rest war dann einfach: über Schnee- und Schrofenpassagen gelangte ich zum 2010m hohen Gipfel der Krähe, der einen schönen Blick über die Ammergauer Alpen und das Alpenvorland parat hielt und zu einer weiteren Rast einlud. Nur der kalte Wind schmälerte den Genuss hier oben ein wenig, ansonsten war es herrlich.

Weiter ging es den Wanderweg hinunter zum Fensterl und von dort weiter zum Roggentalsattel. Von hier aus ging es ein letztes Mal bergauf, durch teils steile, verschneite Schrofen zum Gipfel der Hochblasse (1989m). Auch hier bot sich noch einmal eine schöne Aussicht und erst nachdem ich diese eingesogen hatte, machte ich mich an den Abstieg über den Westgrat.

Schöne Aussicht am Gipfel der Hochblasse

Schöne Aussicht am Gipfel der Hochblasse

Von hier aus ging es nur noch bergab.

Von hier aus ging es nur noch bergab.

In der angenehm warmen Nachmittagssonne wanderte ich erst über einen breiten Rücken, dann durch Latschengassen zurück zur Jägerhütte und von dort über den Schützensteig zurück zum Ausgangspunkt. Im unteren Teil hatte die Schneeauflage schon deutlich abgenommen, so dass ich gut voran kam. Unten im Wald sangen als musikalische Frühlingsboten zwei Amseln ihr Lied. Ihnen lauschend beendete ich meine erste Wanderung der neuen Saison erholt und zufrieden.

Im Wald traf ich noch eine Gams.

Im Wald traf ich noch eine Gams.

2 Kommentare

  1. Trotz des schneearmen Winters hätte ich nicht gedacht, dass eine solche Tour Anfang März so gut zu Fuß gehen würde. Da erkennt man den angehenden Gebietskenner. 😉

    • Hannes
      Hannes

      1. April 2017 at 1:32 pm

      In diesem Fall haben Erwartung und Realität wirklich gut zusammen gepasst. Wahrscheinlich eine Mischung aus Gebietskenntnis und Glück…

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