Gipfel der Freundschaft

Hochtour in der Glocknergruppe am 15./16.07.2017

Man nehme sieben gute Freunde, eine schöne Hütte, einen ungeplanten Gipfel, einen unerwarteten kulinarischen Höhepunkt und mische alles zu einem perfekten Wochenende. Soweit die Kurzfassung.

Und nun die Langversion: Für meinen Junggesellenabschied würde es in die Berge gehen. Natürlich. Viel mehr wusste ich nicht. Mit gepacktem Rucksack fand ich mich Samstag früh bei Boris ein, sehr gespannt, was mich erwarten würde.

Christoph, Jonas, Konstantin, Moritz und Niklas waren auch schon da. Und Robi, das ahnte ich bald, würden wir noch abholen. Mit keinem von Ihnen bin ich befreundet, weil sie Bergsteiger sind. Doch sind die gemeinsamen Erlebnisse beim Klettern und Wandern, auf Skitour oder Hochtour Teil unserer Verbundenheit geworden.

So fühlte ich mich gleich gut aufgehoben, als wir in zwei Autos unsere Anreise begannen, das Ziel – außer für alle Anderen – noch unbekannt. Zum Glück erwiesen sich die sich teils noch gegenseitig unbekannten Charaktere alle als kompatibel und entsprechend witz- und geistreich wurde die Fahrt. Ein unbeschwerter Ausflug unter Freunden eben.

Als Ziel dieses Ausflugs stellte sich schließlich Kaprun heraus. Die Fahrt endete in einem bunkerhaften Parkhaus, dass den Charme der umliegenden Bergwelt nur mühsam erahnen ließ. Nun ging es per Bus, Schrägaufzug und noch mal Bus zum oberen der beiden Speicherseen. Zusammen mit Touristen aus halb Europa kamen wir schließlich dort an. Hier war es bedeckt und kühl, die umliegenden Gipfel alle in Wolken gehüllt.

Das Wetter ist zu Beginn noch ziemlich trüb.

Das Wetter ist zu Beginn noch ziemlich trüb.

Ein Hüttenaufstieg auf der Ostseite der Staumauer sollte folgen. Dazu schnallten mir meine Freunde einen verhüllten zylindrischen Gegenstand an den Rucksack, etwa vier bis fünf Kilo schwer. Was zum Henker da wohl drin war? Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, musste diese Last aber nun wohl oder übel auf mich nehmen.

Wir beginnen den Hüttenaufstieg.

Wir beginnen den Hüttenaufstieg.

Bei weiterhin trüben Bedingungen gingen wir es also an. Nicht schnell aber durchaus zügig stiegen wir auf. Und auch die eher sporadischen Gebirgsbesucher unter uns hielten alle problemlos mit. Ab etwa 2500m lag Neuschnee auf dem Weg, der zur Vorsicht mahnte und die Sommerstimmung etwas dämpfte.

Weiter oben liegt noch ein wenig Schnee.

Weiter oben liegt noch ein wenig Schnee.

Der Hohe Tenn ringt mit den Wolken.

Der Hohe Tenn ringt mit den Wolken.

Nach etwa 1:45 h erreichten wir gegen 16:30 Uhr das Heinrich-Schwaiger-Haus (2802m), wo wir gleich freundlich empfangen wurden. Weil wir von unten Gemüse und Brennholz mitgebracht hatten, gab es für uns eine Runde Schnaps, dazu bestellten wir Milchkaffee und Kuchen (beides sensationell). Auch in der Folge spiegelte die bemerkenswerte Freundlichkeit des Hüttenteams die gelassene Heiterkeit unserer kleinen Ausflugsgesellschaft perfekt wider.

Das Heinrich Schwaiger-Haus ist erreicht.

Das Heinrich Schwaiger-Haus ist erreicht.

Wir sind zufrieden, denn gleich gibt's Kuchen.

Wir sind zufrieden, denn gleich gibt’s Kuchen.

Boris, Robi und ich liebäugelten mit einer Besteigung des Großen Wiesbachhorns am nächsten Morgen, war es doch von hier aus nicht mehr allzu weit bis zu diesem prächtigen Gipfel. Für die anderen Freunde war dieser bei den aktuellen Verhältnissen zu schwierig, sie unterstützen jedoch unsere alpinistisch motivierte Spalterei und wünschten uns alles Gute für den Gipfelversuch. Robi war als einziger von uns adäquat ausgestattet, Boris und ich konnten praktischerweise Steigeisen und Pickel in der Hütte ausleihen.

Nach einem gemütlichen und lustigen Abend bei gutem Essen, Bier und Wein, mit mehr und weniger feinsinnigen Scherzen zogen wir uns schließlich ins Lager zurück und schliefen mehr oder weniger gut in den Sonntag hinein.

Viertel vor sechs ging es am nächsten Morgen für uns drei Gipfelstürmer dann schon wieder raus aus den Wolldecken. Nach einem leckeren Frühstück und alpintechnischer Aufmunitionierung starteten wir schließlich viertel vor sieben zusammen mit einer Gruppe aus Südtirol. Zwei mal zwei Wiesbachhorn-Aspiranten waren bereits eine halbe Stunde vorher aufgebrochen, der Rest sollte erst deutlich später folgen.

Mit Steigeisen an den Füßen ging es hinüber zur Steilstufe unter dem Unteren Fochezkopf, deren vereiste Stahlseile gleich mal ebenso beherztes wie umsichtiges Zupacken erforderten. Leider zeigte sich hier auch, dass die Riemenbindung meiner Leiheisen nicht gut mit meinen Schuhen harmonierte, so dass letztere im Verlauf des Tages immer wieder mal aus ersteren herausrutschten, was mich zu regelmäßigen Zuppelpausen zwang und verschiedenen Flüchen verführte.

In der Steilstufe müssen wir kurz warten.

In der Steilstufe müssen wir kurz warten.

Die Hütte liegt schon deutlich unter uns.

Die Hütte liegt schon deutlich unter uns.

Immerhin unter der Wolkendecke ist die Fernsicht nicht schlecht.

Immerhin unter der Wolkendecke ist die Fernsicht nicht schlecht.

Trotz der Steigeisen sowie der Höhe, die ich hier deutlich spürte, kamen wir gut voran und ließen die Südtiroler schon bald hinter uns. Am kurzen Rest des Firngrates liefen wir im Nebel leider vorbei, doch auch so war das Steigen hier interessant und kurzweilig. Etwa 200m unter dem Gipfel rissen die Wolken dann auf und gaben den Gipfel frei. Herrlich sah das da oben aus und motiviert ging es weiter.

Zwischendurch ist es trübe,...

Zwischendurch ist es trübe,…

...dann reißt es auf.

…dann reißt es auf.

Die Klockerin zeigt sich.

Die Klockerin zeigt sich.

Kurz unter dem Gipfel kamen uns die Tagesersten entgegen und dann waren wir 2,5h nach Aufbruch auch schon oben (3564m) – hoch über dem Wolkenmeer, aus dem nur die hohen Gipfel der Glockner- und Venedigergruppen als Inseln herausschauten. Ein majestätischer Anblick. Den wir allerdings nicht so sehr lange genossen, da es im lebhaften Wind kalt war hier oben. Also machten wir uns bald an den Abstieg.

Boris macht Quatsch.

Boris macht Quatsch.

Robi steht über den Wolken.

Robi steht über den Wolken.

Der Sonne entgegen geht es zum Gipfel.

Der Sonne entgegen geht es zum Gipfel.

Boris und Robi freuen sich über unseren Gipfelerfolg.

Boris und Robi freuen sich über unseren Gipfelerfolg.

Unten am Grat kamen uns nun viele Gruppen entgegen, es wurde beinahe voll – und das bei den diesen suboptimalen Bedingungen. Da hatten wir wohl Glück gehabt, oben alleine zu sein. Dieses Mal gingen wir auch ein Stück Firngrat (was muss, muss), bevor wir vom Unteren Fochzekopf über den Steig zur Hütte zurückkehrten.

Wir steigen wieder ab.

Wir steigen wieder ab.

Der Gegenverkehr nimmt zu.

Der Gegenverkehr nimmt zu.

Den letzten Rest Firngrat gönnen wir uns noch.

Den letzten Rest Firngrat gönnen wir uns noch.

Zurück an der Hütte hätten wir uns eigentlich gerne kurz ausgeruht, aber da zwei unserer weniger erfahrenen Bergfreunde angesichts des Schnees im Abstieg etwas unsicher waren, ob sie sicher hinunter kommen würden, starteten wir lieber gleich. Hinzu kam, dass eine von den Freunden geplante Aktion, die den ominösen Gegenstand an meinem Rucksack beinhaltete hier oben aus Naturschutzgründen nicht möglich sei und wir uns deswegen lieber unten noch Zeit nehmen sollten. Nun war ich noch einmal neugieriger, was denn eigentlich drin sein würde in diesem Ding. Die bislang von Robi angebotene Erklärung „Schlafboot“ erschien mir nicht so wahnsinnig plausibel.

Wir gehen den Hüttenabstieg an.

Wir gehen den Hüttenabstieg an.

Also ging es gleich wieder los und natürlich bekamen wir ohne Probleme alle sicher nach unten. Kurz vor dem Speicher fanden wir dann einen perfekten Pausenfels, an dem ich dann auch endlich das ominöse Ding auspacken durfte, das sich als Grill entpuppte. Ja, Wahnsinn. Und dann packten die Anderen auch aus: Bier kam zum Vorschein, Kühltaschen mit Steaks und Würsten und sogar eine ganze Wassermelone als Nachtisch. Alles da für eine gemütliche Grillfeier. Genial. Das Wetter wurde auch immer besser und so saßen wir bald in der wärmenden Sonne und genossen unser gegrilltes Mittagessen.

Mit Grillen geht diese Tour zu Ende.

Mit Grillen geht diese Tour zu Ende.

Später am Nachmittag packten wir dann zusammen und spazierten entspannt und gesättigt zurück zum Bushaltestelle, an der wir die Heimfahrt antraten. Ein absolut geniales Wochenende ging zu Ende. Welch ein Glück, solche Freunde zu haben!

 

4 Kommentare

  1. Das hätte auch mir gefallen.

  2. wow-wow-wow!! das schaut ja richtig gut aus – den gipfel kannte ich gar nicht. werd ich mir jetzt aber bestimmt merken 😉
    und wenn ich das ganze richtig verstanden habe, darf ich dir zur bald bevorstehenden hochzeit gratulieren? findet die etwa auch auf einem gipfel statt? 🙂
    lg und alles gute!!

    • Hannes
      Hannes

      31. Juli 2017 at 8:55 pm

      Hallo Magdalena,

      vielen Dank! Das Gr. Wiesbachhorn ist ein wirklich schöner Gipfel und einer der höheren der Glocknergruppe. Also durchaus empfehlenswert.

      Geheiratet wird tatsächlich noch diesen Sommer, aber ganz klassisch im Tal. Man muss ja auch nicht alles am Berg machen. 🙂

      Liebe Grüße
      Hannes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2017 Deichjodler

Theme von Anders NorénHoch ↑