Bergtour in den Stubaier Alpen am 26.08.2017

Es wurde mal wieder Zeit, einen der vielen schönen Grate im Sellrain zu begehen, schließlich war der letzte schon wieder über ein Jahr her. Mit Franzi und Mark fand ich zwei motivierte Mitstreiter für dieses Unterfangen. Als Ziel schlug Mark dabei den Peiderspitz per Westgrat vor. Diese Tour versprach interessante Kletterei und war andererseits angesichts des nachmittäglichen Gewitterrisikos nicht zu lang.

Los ging es in Haggen (1646m). Die meisten Bergfreunde, die hierher kommen, tun dies wahrscheinlich im Winter, um mit Ski den Zwieselbacher Rosskogel zu besteigen. Wir aber wandten uns genau in die entgegengesetzte Richtung und wanderten gegen 08:20 Uhr nach Norden aus dem Ort hinaus. Recht steil geht es hier die Grashänge des Haggener Sonnbergs hinauf, doch wir waren gut in Form und kamen zügig voran. Leider war es schon jetzt recht dunstig und die Sicht eingeschränkt.

Am Haggener Sonnberg

Am Haggener Sonnberg

An der Lacke, an der der Brandner Bach entspringt, wird es flacher, dann zieht der Weg unterhalb der Haggener Wand in die Peiderscharte hinauf. Der markierte Weg wendet sich hier gleich nach Westen, dem Seejoch zu. Wir aber bogen ab und zunächst stiegen ostwärts in die eigentliche Scharte ab (2591m), wo wir gegen 10:00 Uhr ankamen. Die Jochwiese hier ist ein herrlicher Platz für eine Rast, was wir auch sogleich ausnutzten.

Ein erster Blick auf unsere Tagesziel

Ein erster Blick auf unsere Tagesziel

Nach angemessener Stärkung wandten wir uns dem eigentlichen Ziel des heutigen Tages zu, dem 2808m hohen Peiderspitz. Zunächst ging es über einfaches Blockgelände bergan, dann begann uns der Westgrat ein wenig die Zähne zu zeigen. Ein kurzer Kamin bescherte uns die erste IIIer-Stelle. Anschließend folgte wieder leichteres Gelände und einige Umgehungen auf der Nordseite des Grates.

Die Kletterei beginnt.

Die Kletterei beginnt.

Unübersichtliches Gelände auf der Nordseite

Unübersichtliches Gelände auf der Nordseite

Die Schlüsselstelle bildete dann ein kurzes Wandl (III) mit anschließender luftiger Gratpassage (auch III). Im Abstieg umgingen Mark und ich diese Passage später auf der Südseite durch Rinnen und  Schrofengelände. Eine im Aufstieg möglich scheinende Umgehung auf der Nordseite (Steinmann) sah hingehen aus der Nähe betrachtet ziemlich ungut aus, leitet aber zu einer alten Abseilstelle, die wiederum… irgendwo hinführt… oder auch nicht.

Hier wird es kurz luftig.

Hier wird es kurz luftig.

Der Gipfel rückt näher.

Der Gipfel rückt näher.

Leichte Kletterei im oberen Gratteil.

Leichte Kletterei im oberen Gratteil.

Nach dieser Passage war das Schwierigste geschafft und der Grat überschritt in der Folge den Zweiten Grad nicht mehr.  Ich hatte nichts dagegen, fielen mir IIIer-Stellen heute doch deutlich schwerer als meinen beiden Begleitern. Halb eins erreichten wir dann den Gipfel. Die Aussicht war nicht schlecht, nur hatte das Wetter leider an Dubiosität zugenommen. Über den Nordgrat kam ein Einheimischer herauf, mit dem wir einige Worte wechselten und der uns freundlicherweise eine Gipfelschnaps anbot. Der schmeckte prima und weckte die Geister für den bevorstehenden Abstieg, der natürlich auch noch einmal volle Konzentration erforderte.

Gipfelblick zum Seejoch

Gipfelblick zum Seejoch

Wir beginnen den Abstieg zurück über den Grat.

Wir beginnen den Abstieg zurück über den Grat.

Franzi am Grat

Franzi am Grat

Während wir abstiegen, zogen die Wolken ab und auch die Luft wurde klarer. Schön dachten wir uns, zurück an der Jochwiese, dann können wir ja auch noch zum Seejoch hinübergehen. Wann hat man denn auch schon mal die Möglichkeit, zwei eigenständige, exakt gleich hohe Gipfel an einem Tag zu besteigen? Eben. Also los. Nach einer knappen halben Stunde hatten wir es dann auch schon geschafft und standen am (na, wie hoch wird er wohl sein) Gipfel des Seejochs. Noch mal – die inzwischen bessere – Aussicht genießen und dazu den letzten Riegel essen, dann ging es wieder talwärts.

Wir peilen den zweiten Tagesgipfel an.

Wir peilen den zweiten Tagesgipfel an.

Rückblick zum Peiderspitz

Rückblick zum Peiderspitz

Rietzer Grieskogel und Co.

Rietzer Grieskogel und Co.

Über schönes Wiesengelände ging es hinab. Zurück an der Lacke fiel uns jedoch auf, dass sich im Westen bereits erstaunlich große Wolkentürme gebildet hatten. Und im Süden war es bereits bedrohlich dunkel. Hmm, da braute sich was zusammen. Also legten wir einen Zahn zu und eilten hinab nach Haggen. Östlich von uns begann es bald zu regnen, im Süden donnerte es, doch wir blieben erstaunlicherweise trocken – sieht man einmal von dem Matsch ab, der stellenweise unsere zarten Waden streichelte. Gegen vier waren wir dann wieder an den Autos. Und zwei Minuten später begann es in Strömen zu regnen. Perfektes Timing also für diese schöne Tour.

Es geht abwärts.

Es geht abwärts.

Das schaut nicht gut aus.

Das schaut nicht gut aus.