Mini-Spraunza als Hüttenzustieg

Hochtour in der Glocknergruppe am 23./24.06.2018

Den Meletzkigrat am Großglockner hatte ich schon sehr lange im Hinterkopf. Er versprach einen eleganten und recht wenig frequentierten Aufstieg auf den höchsten Berg Österreichs. Am letzten Wochenende war es dann soweit und Stefan und ich nahmen diese Tour in Angriff.

Samstag: Als wir uns halb sechs an der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (ca. 2400m) aufmachten, war der Optimismus etwas gedämpft. Die Stufen hinab zur Pasterze waren frisch eingegraupelt und teilweise dick vereist. Dazu fühlte ich mich am Beginn einer Erkältung und nicht wirklich fit. Na ja, mal sehen, was das heute geben würde.

Da strahlt er schon, der Großglockner. Der Grat links vom Gipfel ist der Meletzkigrat.

Da strahlt er schon, der Großglockner. Der Grat links vom Gipfel ist der Meletzkigrat.

Wahrscheinlich an wenigen anderen Orten in den Alpen werden die Auswirkungen des Klimawandels so deutlich illustriert wie an der Pasterze. Von dem einstmals hunderte Meter mächtigen Eisstrom ist nur noch ein trauriges Eisbett geblieben, der aus dem Pasterzenboden auch kaum noch genährt wird. Schilder, die mit Jahreszahlen die verschiedenen Gletscherstände markieren, dokumentieren das enorme Tempo, mit dem der Gletscher an Mächtigkeit und auch Länge verloren hat. Zum Hoffmannsweg hinüber kann man bereits jetzt ohne direkte Eisberührung queren und es wird wahrscheinlich nur noch ein paar Jahre dauern, bis der ganze Gletscherrest mit Geröll bedeckt ist, um dann langsam und unbeobachtet vor sich hin zu schmelzen.

Vor drei Jahren war hier noch Gletscher.

Vor drei Jahren war hier noch Gletscher.

Vieles wird sich ändern in den Alpen, wenn die Gletscher verschwinden. Wir jedoch ließen uns davon nicht vom weiteren Aufstieg abhalten. Bis zum sogenannten Frühstücksplatz ist der Weg durchgehend markiert. Was uns aber nicht davon abhielt, die Markierungen zwischendurch aus den Augen zu verlieren. Einem Firnfeld folgend kamen wir schließlich in unschönes Gelände aus halbgefrorenem Dreck und losen Felsstücken. Das war eher Mist. Und Stefan, der noch nicht so viel Erfahrung in solchem Gelände hat, fühlte sich noch einmal deutlich unwohler als ich.

Zusammengefrorener Dreck - immer wieder kein Vergnügen.

Zusammengefrorener Dreck – immer wieder kein Vergnügen.

Firnfeld ins Nichts

Firnfeld ins Nichts

Während wir uns gerade zurückzogen, kam von hinten eine Vierergruppe, die unseren Spuren gefolgt war und jetzt hier durchstieg, um weiter oben durch einige Felsen zurück zum markierten Weg zu gelangen. Dummerweise ließ ich mich dazu hinreißen, mir das auch noch mal anzusehen, was zusätzlich Zeit kostete. Schließlich stiegen wir aber doch über das Firnfeld wieder ab, fanden den Weg und wanderten – nun deutlich entspannter – wieder bergauf.

Allmählich gewinnen wir an Höhe.

Allmählich gewinnen wir an Höhe.

Immerhin der obere Teil der Pasterze ist noch weiß.

Immerhin der obere Teil der Pasterze ist noch weiß.

Um 10:00 Uhr – 2h später als geplant – erreichten wir endlich den Frühstücksplatz auf 2796m. Hier machten wir (natürlich) eine Frühstückspause und legten das Geraffel für den Meletzkigrat an. Konditionell lief es bei mir bislang besser als erwartet. Topfit war ich nicht, aber es würde es schon noch was gehen. Der Kraxelei sollte also nichts im Wege stehen.

Der Meletzkigrat wartet auf uns.

Der Meletzkigrat wartet auf uns.

Zwischendurch gibt es auch immer wieder Gehgelände.

Zwischendurch gibt es auch immer wieder Gehgelände.

Also los. Der untere Teil ging noch gut seilfrei über herrlich griffige und komplett graupel- und eisfreie Blöcke und Platten. Auch die erste IIer-Stelle war kein Problem und wir kamen gut voran. Etwas später wird der Grat flach, schmal und ausgesetzt und hier wurde es Zeit, das Seil auszupacken. Am laufenden Seil ging es nun weiter, nie schwer (meist I, selten II), dafür aber immer wieder erstaunlich steil und ausgesetzt. Insgesamt erinnerte mich die Tour an den Spraunzagrat, wenn auch deutlich kürzer und leichter. Wir hatten richtig Freude an dieser Kletterei. Entsprechend groß war der Tatendrang, heute noch zum Gipfel gehen.

Ab hier kletterten wir am laufenden Seil.

Ab hier kletterten wir am laufenden Seil.

Herrliches Klettergelände

Herrliches Klettergelände

Rückblick über den Meletzkigrat

Rückblick über den Meletzkigrat

Nach knapp vier Stunden hatten wir den Großteil des Grates hinter uns gelassen und folgten einer frischen Spur nach links hinaus zur Erzherzog-Johann-Hütte (3451m). Hier wollten wir einige Sachen deponieren und dann gleich weiter zum Glocknergipfel. Gesagt, getan. Mittlerweile waren wir jedoch etwas erschöpft, Stefan noch mehr als ich. Auf dem Weg zum Glocknerleitl, auf knapp 3600m hielten wir schließlich an. Ich hatte Sorge, dass die Konzentration nicht mehr für eine souveräne Begehung des Gipfelgrates reichen würde. Nach kurzer Beratung kehrten wir schließlich um und stiegen zurück zur Hütte, fest entschlossen, es morgen früh noch einmal zu probieren.

Wir queren zur Adlersruhe.

Wir queren zur Adlersruhe.

Der Gipfel fast zum Greifen nah

Der Gipfel fast zum Greifen nah

Tauernblick

Tauernblick

Hier drehen wir um.

Hier drehen wir um.

Sonntag: Auch dieser Tag begann mit gedämpftem Optimismus. Drinnen hatte mir die  stickige Luft des Lagers ordentliches Kopfweh eingebracht. Und draußen schneite es bei starkem Wind und Sicht so ca. bis zur Nasenspitze.

Immerhin vertrieben zwei Tassen Tee beim Frühstück das Kopfweh. Also probieren wir es mal mit dem Glockner. Vielleicht wird es ja noch. Als Erste verließen wir viertel vor sechs die Hütte und hatschten los. Ungefähr am Umkehrpunkt des Vortages war auch dieses Mal Schluss. Zu wenig Sicht, zu viel Wind, der den Neuschnee über unsere Spuren wehte.

Als wir wieder zurück zur Hütte stapften, brachen die Anderen gerade auf. Wir ließen es trotzdem gut sein. Einer Führerseilschaft hinterherzuschleichen ist nicht gerade, was ich unter selbständigem Bergsteigen verstehe. Stattdessen wärmten wir uns kurz auf und traten anschließend den Abstieg über die Salmhütte an.

Durch den Neuschnee geht es hinab.

Durch den Neuschnee geht es hinab.

Das Wetter ist so mäßig.

Das Wetter ist so mäßig.

Der versicherte Abstieg von der Hohenwartscharte war dank Neuschnee noch mal spannend, dann hatten wir die Schwierigkeiten hinter uns und konnten zunehmend entspannt über die Salmhütte (2638m) und durchs Leitertal zur Stockerscharte (2501m) wandern. Obwohl es auch so eine lohnende Tour war, war ich doch ziemlich enttäuscht. Es hatte wirklich nicht viel gefehlt.

Der Steig hinab von der Hohenwartscharte ist das letzte Hindernis.

Der Steig hinab von der Hohenwartscharte ist das letzte Hindernis.

Wir haben den Wanderweg erreicht.

Wir haben den Wanderweg erreicht.

Im Abstieg von der Stockerscharte immerhin holte uns das Glück doch noch ein in Form eines Bartgeiers, der von unten kommend an uns vorbeistieg und dann fast regungslos das Tal hinaufflog. Ein herrlicher Anblick.

Auch die Salmhütte hat etwas Schnee abbekommen.

Auch die Salmhütte hat etwas Schnee abbekommen.

Das schöne Leitertal

Das schöne Leitertal

Der Gegenanstieg vom Margaritzenstausee (2000m) zur Franz-Josefs-Höhe war dann Pflichtprogramm und ging auch vorbei. Eine beeindruckende und schöne Tour ging hier zu Ende, trotzdem stiegen wir mit gemischten Gefühlen ins Auto. Da werden wir wohl früher oder später noch mal wiederkommen müssen.

Die Geier kreisen schon - also zumindest einer.

Die Geier kreisen schon – also zumindest einer.

Abstieg zum Stausee

Abstieg zum Stausee

Wenigstens steckt der Glocknergipfel bis zum Schluss in Wolken.

Wenigstens steckt der Glocknergipfel bis zum Schluss in Wolken.

6 Kommentare

  1. Schade, dass es mit dem Gipfel nicht geklappt hat. Es klingt so, als hätten am Ende genau die zwei verlorenen Stunden den Ausschlag gegeben. Das ist natürlich besonders ärgerlich.

    • Hannes
      Hannes

      3. Juli 2018 at 5:54 am

      In der Tat – ohne die Verkofferung wäre sich der Gipfel ziemlich sicher ausgegangen. Und darüber habe ich mich tatsächlich geärgert. 😉

  2. Hey, auch diese Tour kommt mir bekannt vor 😉 Schade, dass es auch bei euch nicht bis zum Gipfel gereicht hat. Dafür der Bartgeier, was für eine schöne Begegnung!

    Liebe Grüße

    Rebecca

    • Hannes
      Hannes

      25. Juli 2018 at 7:09 pm

      Tja, leider erging es uns ähnlich wie Dir bei dieser Tour. (Im Hinterkopf habe ich sie übrigens schon deutlich länger, bin nur irgendwie nie dazu gekommen). Ich hoffe, dass wir dann irgendwann bei einem zweiten Versuch mehr Glück haben als Du… 😉

      Der Bartgeier war wirklich toll.

  3. Jo der Meletzigrat fehlt mir auch noch auf unseren Höchsten. Sag‘ mal Bescheid, wenns dich wieder freut. Ich dürfte auch Wetterglück und Gipfelglück mitbringen bei unserem Landeshöchsten 😉

    • Hannes
      Hannes

      25. August 2018 at 4:28 pm

      Hallo Dani, das klingt gut. Da melde ich mich gerne. Und dann schauen wir, was sich durchsetzt, Dein Wetterglück oder mein Wetterpech. 😉

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