Sommerfahrt 2018 Teil 1 – Wandern, nicht klettern

Wanderungen in den Urner Alpen vom 05.-08.08.2018

Sommerfahrt des Alpinistenclubs nach Göschenen, das hieß Granitklettern. Allerdings sollten die ersten vier Tage unverhofft völlig kletterfrei ausfallen. Trotzdem war es schön, haben die Urner Alpen doch auch dem Wanderer Manches zu bieten.

Samstag war tatsächlich nur eine gemütliche Wanderung geplant. Tine, Christoph und ich trafen nach Anreise aus Zürich erst am späten Vormittag im Göschenertal ein. Flux bauten wir am Campingplatz mein Zelt auf und fuhren dann weiter zur Göschener Alp. Von hier aus führen mehrere aussichtsreiche Wanderwege in die Urner Bergwelt hinein. Wir wählten den zur Bergseehütte, der in zahlreichen Kehren etwa 500 Hm bergauf führt.

Um die Aussicht auf den Dammastock kommt man im Göschenertal einfach nicht herum.

Um die Aussicht auf den Dammastock kommt man im Göschenertal einfach nicht herum.

Wir sind noch nicht am Bergsee, aber der Bergseeschijen zeigt sich trotzdem schon.

Wir sind noch nicht am Bergsee, aber der Bergseeschijen zeigt sich trotzdem schon.

Oben (2370m) angekommen testeten wir erst einmal die Qualität des Hüttenröstis. Ziemlich lecker war’s und besonders das Älpler Rösti kann ich nachfolgenden Besuchern ans Herz legen. Anschließend hingen wir noch ein bisschen vor der Hütte ab und unterhielten uns. Wenn sich gute Freunde lange nicht gesehen haben, gibt es immer viel zu erzählen. Später gingen wir den fünfminütigen Gewaltmarsch zum namensgebenden See an. Und weil das so anstrengend war, mussten Christoph und ich – als patagonienerprobte Kaltbadeveteranen selbstverständlich furchtlos – erst einmal ein Bad nehmen. Der See war dann auch weniger kalt als erwartet und für ein kurzes Eintauchen gut geeignet.

Bergseehütte vor großer Kulisse

Bergseehütte vor großer Kulisse

Wunderbar erfrischt saßen wir noch eine Weile in der Sonne, bevor wir wieder abstiegen. Im Gasthaus an der Göschener Alp mussten wir dann noch mal einkehren, schließlich war die letzte Mahlzeit bestimmt schon drei Stunden her. Der Riesen-Staumauer-Burger hatte es uns angetan und stellte sich auch als ziemlich genau so gut und riesig heraus, wie erhofft. Ich hatte tatsächlich Schwierigkeiten damit, ihn strenger Burgerethik gemäß ohne Besteck zu essen. Nach diesem zweiten kulinarischen Highlight  fuhr ich die beiden noch zum Bahnhof nach Göschenen, bevor ich mich mit den Sektionskollegen zu einem gemütlichen Abend auf dem Campingplatz traf. Das war mal ein guter Einstand!.

Wir steigen wieder ab.

Wir steigen wieder ab.

Nachmittagslicht über Tiefenstock und Co.

Nachmittagslicht über Tiefenstock und Co.

Sonntag war der erste Programmpunkt ausschlafen. Dann kamen Frühstücken, Zeitung lesen und Ausrüstung sortieren. Am frühen Nachmittag machten sich Leonie, Jörg, Michael, Walter und ich dann auf den Weg zu Dammahütte. Vier von uns wollten am nächsten Tag eine Hochtour von der Hütte aus gehen. Es war die erste große angedachte Tour der Woche.

Heute wandern wir auf der anderen Seite des Stausees.

Heute wandern wir auf der anderen Seite des Stausees.

Links der Bildmitte über dem Firnfleck die Ostrippe des Dammastock

Links der Bildmitte über dem Firnfleck die Ostrippe des Dammastock

Beim Hüttenaufstieg kann man die gesamte Tour gut einsehen.

Beim Hüttenaufstieg kann man die gesamte Tour gut einsehen.

Es war furchtbar heiß, als wir am Stausee vorbei die etwa 900 Hm zur Hütte aufstiegen, und wir waren oben (2438m) alle ziemlich fertig. Dafür wurden wir von den Hüttenwirten sehr freundlich in Empfang genommen. Die Dammahütte ist eine sehr nette, urige Hütte und mittlerweile die kleinste bewartete Hütte des SAC. Ihr Vorgänger, die Seetalhütte, wird seit dem Ausscheiden vom Seetal-Max 2011 nur noch als Selbstversorgerhütte betrieben.

Aussicht auf die Urner Alpen

Aussicht auf die Urner Alpen

Sonnenuntergang an der Dammahütte

Sonnenuntergang an der Dammahütte

Montag früh klingelte der Wecker schon 2:30 Uhr. Wir hatten uns die Ostrippe auf den Dammastock vorgenommen und diese Tour ist nicht ganz kurz. Leider sagte der Wetterbericht bereits für die Mittagszeit Gewitter voraus, aber wir wollten zumindest losgehen und schauen, wie es gehen würde.

So tappten wir nach einem kurzen Frühstück um drei in die Dunkelheit. Ich war ein wenig nervös, fehlt mir in diesem Jahr doch die Kletterpraxis. Gleichzeitig freute ich mich sehr auf den zu kletternden Pfeiler. Über den vorbildlich markierten Steig näherten wir uns zunächst einmal dem Gletscher, den wir nach knapp eineinhalb Stunden erreichten. Vor uns war noch eine Schweizer Seilschaft unterwegs, mehr war nicht los.

Am Gletscher

Am Gletscher

Am Gletscher beobachteten wir erst einmal das Wetter. Seit unserem Aufbruch hatte die Bewölkung bereits deutlich zugenommen, dazu war im Mondlicht der Dunst im Tal deutlich sichtbar. Das sah nicht gut aus. Dazu kam, dass die nach der Hitzeperiode schwierigen Gletscherverhältnisse im Zustieg Zeit kosten würde. Und so hatte keiner von uns wirklich das Gefühl, dass wir vor dem Gewitter hoch und wieder runter kommen würden. Das konnte nur eines bedeuten: Umkehr.

Kleckerburgen? Pixelgrafik? Oder doch Granitberge?

Kleckerburgen? Pixelgrafik? Oder doch Granitberge?

Bald geht die Sonne auf.

Bald geht die Sonne auf.

Sehr schade, aber auch ich hatte mich dafür ausgesprochen. So setzten wir uns auf einen Fels, warteten den Sonnenaufgang ab, machten ein wenig Brotzeit und wanderten schließlich zur Hütte zurück. Dort hielten wir noch mal an und warteten die Rückkehr der beiden Schweizer ab, die weiter oben ebenfalls umgedreht waren, weil der Firn unter dem Pfeiler schon morgens weich gewesen war. Immerhin hatten wir also nicht viel verpasst.

Wir sind umgedreht.

Wir sind umgedreht.

Die Sonne zeigt sich hinterm Moosstock.

Die Sonne zeigt sich hinterm Moosstock.

Es geht zurück zur Hütte.

Es geht zurück zur Hütte.

So wanderten wir schließlich zurück. Natürlich bei bestem Wetter. War ja eh klar. Das Gewitter kam dann noch, aber erst gegen 14:00 Uhr. Hätten wir vielleicht doch…? Egal, oben, in der Situation war es die richtige Entscheidung gewesen. Während die anderen an der Göschener Alp gleich weitergingen, kompensierten Walter und ich unsere Enttäuschung noch durch Nahrungsaufnahme. Zwei mal Riesen-Staudamm-Burger. Was sonst? Immerhin, der schmeckte immer noch saugut.

Dienstag hatten wir uns etwas weniger vorgenommen. Armin, Günther, Jörg, Michael und ich wollten den Südgrat auf den Hochschijen klettern. Also wanderten wir wieder zur Bergseehütte hinauf und querten dann über Blockgelände zum Fuß des Hochschijen hinüber.

Dann suchten wir erst mal den Einstieg. Alle Anderen auf der Ostseite des Grates, ich schließlich direkt am Gratfuß. Als ich 100%ig sicher war, ihn gefunden zu haben, holte ich die Anderen. Und ich lag auch goldrichtig, denn der Einstieg war genau hier. Nur leider gehörte er zu einer anderen Tour. Die schwerer war, 5b oder so. Blöd, denn wenn ich mich nicht eingemischt hätte, wären wir wohl richtig gewesen.

Im Aufstieg fällt der Salbitschijen auf.

Im Aufstieg fällt der Salbitschijen auf.

Wieder zurück zum richtigen Einstieg wollte niemand mehr gehen, denn für den Nachmittag waren wieder Gewitter vorhergesagt. Armin und Günther beschlossen, als Zweier-Seilschaft einzusteigen und diese Route zu klettern. Jörg und Michael wollten lieber an der Hüttenwand klettern. Das war mir nix, denn ich wollte endlich mal auf einen Berg. Klar waren wir zum Klettern hier, aber am vierten Tag immer noch auf keinem Gipfel gewesen zu sein, war echt frustrierend.

Also ließ ich das Klettern sein und folgte dem Steig (oben T4, B) zum Bergseejoch und dann weiter zum 2816m hohen Gipfel des Bergseeschijen. Klar hatte das nichts mir Alpinismus zu tun, aber jetzt war ich wenigstens mal irgendwo oben. Dazu war die Aussicht sehr schön und auch sonst gefiel es mir gut auf diesem gemütlichen Granitgipfel.

Kletterer am Bergseeschijen

Kletterer am Bergseeschijen

Tiefblick zur Bergseehütte

Tiefblick zur Bergseehütte

Nach angemessener Gipfelrast stieg ich schließlich wieder ab, traf die Anderen an der Hütte und nach einer kleinen Erfrischung stiegen wir gemeinsam wieder ab. So war sich wenigstens mal irgendwas ausgegangen und am nächsten Tag wollten wir es dann noch mal probieren mit dem Klettern.

Im Abstieg bekam ich einige Schneehühner zu Gesicht.

Im Abstieg bekam ich einige Schneehühner zu Gesicht.

2 Kommentare

  1. Irgendwie hatte ich mir eine Sektionsfahrt von euch anders vorgestellt, eher so wie unsere Reise, nur in schwieriger und härter. Aber gute Burger zu essen ist auch keine schlechte Freizeit-Beschäftigung.

    • Hannes
      Hannes

      22. August 2018 at 6:48 pm

      Ich hatte mir das auch etwas anders vorgestellt. 😉
      Etwas enttäuschend war schon, dass in den ersten Tagen so wenig ging. Immerhin wurde es dann ja noch etwas besser.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2018 Deichjodler

Theme von Anders NorénHoch ↑