Wanderung in den Gardaseebergen am 20.06.2020

Unseren diesjährigen Gardaseeurlaub wollte ich gerne mit einer Besteigung des Monte Cadria abschließen. Des höchsten Gipfels der Gardaseeberge. Leider hatte ich dafür nicht allzu viel Zeit, so dass ich mich etwas beeilen musste.

Da die Grenzen inzwischen wieder offen sind, beschlossen wir, Mitte Juni mal wieder nach Arco zu fahren. Und nach einigen Tagen Kletterns und Radelns wollte ich zum Abschluss noch auf einen schönen Gipfel. Das Wetter war dafür perfekt, denn der schönste und stabilste Tag der Woche wartete auf mich.

06:50 Uhr nahm ich morgens den ersten Bus von Riva nach Lenzumo (788m) im Val de Concei. 07:35 Uhr kam ich dort an und wusste, dass ich 13:30 Uhr den Bus zurück nehmen müsste, um rechtzeitig zu einer wichtigen Verabredung (Eis essen und Aperitif trinken) wieder in Riva zu sein. Damit war mein Zeitbudget etwas begrenzt, trotzdem war ich wild entschlossen, diese Tour zu genießen.

Dementsprechend hatte ich mir die Aufstiegsvariante über Bocchetta de Zori ausgesucht, von dem ich mir mehr Genuss versprach als von der Forstraße, die direkt zur Malga Vies führt. Und tatsächlich gefiel mir der steile, schmale Weg sehr gut. Niemand sonst war hier unterwegs und ich konnte ganz allein den morgendlichen Bergwald genießen.

Nach der Bocchette de Zori (1174m) wird der Weg dann noch einmal schmaler und zieht wunderschön durch Wald und Wiesen auf der Südwestseite des Monte Vies entlang. Immer wieder traf ich hier auf alte Kriegsstellungen. Ja, auch dieser Bergzug war zwischen 1915 und 1918 Frontgebiet. Den kurzen Abstecher zum Gipfel des Monte Vies (1699m) ließ ich mir nicht nehmen, dann stieg ich ab zur Malga Vies (1567m).

Ab hier waren nun auch Andere unterwegs, die wohl alle den direkten Anstieg gewählt hatten. Einem zunächst breiten Weg folgte ich hinauf zur Malga Cadria (1924m). Die Bergwiesen standen in voller Blüte. Gelbe, weiße, violette Blütten überall. Ein wahrer Augenschmaus.

Aus dem Hochtal führt nun ein Weg über den Südgrat zum Gipfel. Zügig bewältigte ich den letzten steilen Aufschwung, bevor es dann am Grat auf und ab weiterging. Die Ausblicke dazu waren herrlich und reichten bereits bis Brenta und Adamello. Und nach 3h 5min erreichte ich dann den Gipfel des Monte Cadria, den mit 2254m höchsten Punkt der Gardaseeberge. Super!

Die herrliche Aussicht hier oben sowie die beiden Semmeln in meinem Rucksack luden zur Gipfelrast ein, die ich mir dann auch gönnte. Mein Blick schweifte über den hufeisenförmig gebogenen Kamm bis hinüber zu Tofino und Corno di Pichèa. Tja, mit etwas mehr Zeit hätte ich gerne versucht, die ganze Runde zu laufen. Aber heute nicht.

Nach zwanzig Minuten machte ich mich wieder auf den Weg. Ich wählte nun den direkten Abstieg zur Malga Cadria. An der Malga Vies war es dann leider vorbei mit dem schönen Abstieg. Ich bin ja allgemein kein großer Freund von steilen Forstwegen. Noch schlimmer aber sind sehr steile und betonierte Forstwege. Dieser hier ist so ätzend, dass ich tatsächlich einen Mountainbiker überholte. Der sein Radl schob. Bergab. Und ich an seiner Stelle hätte es wohl genau so gemacht.

Spaß machte das also nicht, dafür vernichtete ich Höhenmeter in Rekordtempo und war schon kurz vor 13:00 Uhr zurück in Lenzumo. So konnte ich nach ganz entspannt in der Bar einen Espresso trinken, bevor ich mich vom Bus zurück nach Riva fahren ließ. Und das Schönste an dieser Expressbegehung war: Trotz des gedrängten Zeitplans hatte sie richtig Spaß gemacht.


Hannes

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

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