Wanderung in den Dolomiten am 17.06.2021

Eigentlich hatten wir gar nicht viel vorgehabt. Doch dann stieg ich spontan auf die Söllnspitze, was mir eine schöne und auch etwas abenteuerliche Tour bescherte.

Heute wollten Claudia und ich es gemütlich angehen lassen. Mit dem Bus fuhren wir hinauf zum Nigerpass (1668m) und wanderten von dort zur Hanicker Schwaige (1904m). Das Wetter war etwas schwül, trotzdem machte uns das Gehen durch die Wälder und Wiesen des Sagenwegs viel Freude.

An der Hanicker Schwaige genehmigten wir uns eine kleine Stärkung, dann stand der Rückweg nach St. Zyprian an. Doch juckte es mich nun, den Aufstieg zur Söllnspitze zu erkunden, für den ich im Hotel eine grobe Skizze bekommen hatte. Ich erkundigte mich bei der Wirtin danach, die mir den groben Wegverlauf schilderte. Da Claudia nichts dagegen hatte, allein abzusteigen, beschloss ich, mir diesen Aufstieg einmal anzusehen.

Viel besucht wird der Gipfel von Auswärtigen nicht. Und wäre der Aufstieg nicht schon an anderer Stelle im Internet beschrieben, würde auch ich darauf verzichten. Der genaue Start des Steiges soll jedoch hier wie dort nicht beschrieben werden. Ich fand ihn dank der Hilfe der Wirtin und etwas Spürsinn. Einmal gefunden, war es jedoch kein Problem mehr, ihm zu folgen.

Am Rande einer Rinne, war ein Teil des Steiges abgerutscht. Hier wurde es kurz abschüssig (T5) und es war Vorsicht geboten, zumal ich heute ohne Wanderstöcke unterwegs war (und ohne Karte, was ich noch bereuen sollte). Weiter ging es schräg den Hang hinauf zur Huarta-Scharte am Fuße des Plogerkamms. Teil anregend ausgesetzt verlief der Steig über Bergwiesen hinauf.

An der Scharte angekommen freute ich mich über diesen Platz hoch über Tierser Tal und Tschamintal. Ich erkundete das Gelände und merkte mir das ein oder andere für möglich zukünftige Unternehmungen vor. Dann erstieg ich noch den felsigen Kopf P2136. Von diesem stieg ich in westlicher Richtung ab, umging den Plafetsch (dessen bequemste Aufstiegsroute ich erst von der Söllnspitze aus erkannte) und wanderte zur Westseite der Söllnspitze. Dort führt der Steig erstaunlich einfach auf den Gipfel dieses steilen Berges.

Nach einem Juchitzer und angemesser Würdigung der Aussicht, die vor allem aus einem herrlichen Blick auf den Rosengarten besteht, setzte ich mich zur Pause. Ein Eintrag ins Gipfelbuch blieb mir in Ermangelung eines Stiftes leider verwehrt. Aber auch so war es herrlich hier oben. Und nur zurückhaltend machte ich mich an Abstieg zurück ins Tal.

Ich folgte dem Steig weiter nach Westen, bis ein breiter Weg ins Tschamintal zog. Nach der sehr groben Wegskizze, die ich dabei hatte, musste ich jedoch in die andere Richtung, ins Tierser Tal absteigen. Also folgte ich sehr schwach ausgeprägten Pfadpsuren, die am Kamm weiter geradeaus führten.

So ging es weiter in stetigem auf und ab über zahlreiche bewaldete Gratbuckel. Gelegentliche Forstmarkierungen an Bäumen sowie angeschnittene Latschenäste bestärkten mich darin, dass der immer wieder verschwindende Steig nicht allein den Gämsen vorbehalten sei. Trotzdem wuchsen meine Zweifel hier richtig zu sein, war doch kein Abstieg nach Süden erkennbar. In Ermangelung von Alternativen und hoffend, dass der Pfad mich irgendwann zu einem Wirtschaftsweg führen würde, folgte ich ihm weiter.

Schließlich erreichte ich eine Feuerstelle. Dahinter brach der Kamm jäh ab und ich konnte auch keinerlei Pfadspuren mehr erkennen. Hier ging es nicht weiter. Das letzte Mal, dass das Gelände, einen sinnvollen Abstieg ins Tierser Tal erlaubte, lag schon ein Stück zurück. Und so wanderte ich zurück, erneut fünf der störenden Gratbuckel überwindend.

Auch hier waren keinerlei Anzeichen eines Steiges erkennbar, so dass ich auf gut Glück nach Süden durch den Wald abstieg. Nach etwa 150 Höhenmetern erreichte ich einen quer verlaufenden Wirtschaftsweg. Diesem nach Westen folgend erreichte ich eine Sackgasse. Doch nach Osten führte er mich zur Plafetschalm. Nun war ich wieder auf markierten Wegen! Eine gute halbe Stunde später war ich zurück in St. Zyprian und hatte auch dieses kleine Abenteuer wohlbehalten überstanden.

Fakten zur Tour

  • Söllnspitze (2186m), vom Nigerpass
  • Schwierigkeit T4-T5
  • 1000 Hm

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.