Skitour im Wetterstein am 20.03.2022

Anspruchsvollere Touren arten bei mir ja gerne in fordernde, tagesfüllende Unternehmungen aus. Da ist es schön, wenn auch mal etwas wie am Schnürchen läuft. So wie die Ski-Überschreitung der Alpspitze über Alpspitz-Ferrata (hoch) und Ostflanke (runter).

Nachdem wir den Tipp bekommen hatten, dass die Verhältnisse sehr gut seien, suchten sich Boris und ich für diesen Sonntag die Alpspitze als Ziel aus. Ich war bis dahin nur im Sommer oben gewesen, Boris noch gar nicht. Es wurde also Zeit für eine Winterbesteigung.

Alpinistisch wertvoll ist eine solche Besteigung natürlich vor allem „by fair means“, also ohne Verwendung der Seilbahn. Uns war diese Variante jedoch einfach zu lang. Dazu kommt, dass ich Aufstiege in Skigebieten ohnehin nicht sehr reizvoll finde. Daher entschieden wir uns für die Faulito-Variante und schwebten 08:30 Uhr mit der ersten Bahn zum Osterfelderkopf.

Dort machten wir uns startklar und querten zur Alpspitze hinüber – wie auch einige andere Ski- und Bergfreunde. Voll war es hier zum Glück nicht, aber es waren doch noch ein paar Gruppen unterwegs, sowohl mit als auch ohne Ski. Wobei die Skitragenden im Steig alle schneller unterwegs waren als die Skilosen. Vielleicht weil keiner von uns Lust hatte bei so viel Gewicht am Rucksack auch noch ein Klettersteigset mitzunehmen, das man dann einhängen müsste. 😉

Wie dem auch sei, nach der kurzen Querung packten wir die Ski also an den Rucksack und die Steigeisen an die Füße, bzw. die Skischuhe. Und dann ging es hinein ins steile Vergnügen. Den unteren Teil der Alpspitz-Ferrata hatte bereits die Sonne erreicht und entsprechend floss der Schweiß in Strömen, während wir die ersten gut gespurten Firnhänge angingen.

Es folgten einige flache Klettersteig-Passagen über Fels, bevor die Wand wieder aufsteilte und schattig wurde. Hier folgten wir nicht den Versicherungen, sondern stiegen eine gespurte Rinne (ca. 50°) direkt auf. Die Bedingungen waren perfekt, denn der Schnee war griffig und fest. Das Überwinden einer kleinen Felsstufe war etwas unangenehm, ansonsten empfanden wir den Aufstieg hier als anstrengend, aber problemlos. Die Exposition war jedoch eindrucksvoll.

Nach dieser Passage hatten wir den Hauptteil bereits geschafft und es folgte der Steigabschnitt am Nordwestgrat der Alpspitze. Hier lag nun deutlich weniger Schnee und der Klettersteig war einfach zu begehen. Nur die Latten am Rucksack störten hier und da ein wenig.

Kurz vor elf traten wir dann wieder hinaus in die Sonne – nur wenige Meter unterhalb des Gipfels der Alpspitze. Nur 2h hatten wir seit dem Aufbruch am Osterfelderkopf gebraucht. Das war deutlich leichter gegangen als erwartet! Da wir also gut im Zeitplan waren, konnten wir uns zu einer gemütlichen Gipfelrast setzen. Warm und angenehm war es hier oben in der Sonne, die Aussicht dazu herrlich. Und noch war auch nicht allzu viel los. Ein paar andere Begeher der Alpspitz-Ferrata saßen hier, dazu eine Gruppe, die vom Jubiläumsgrat kam. Über den Ostgrat hingegen kamen die ersten Skitourengeher erst ein wenig später hinauf.

Nach dieser schönen Gipfelpause gingen wir die Abfahrt durch die Ostflanke an. Auch vor dieser hatte ich Respekt, hat die steilste Stelle doch ca. 45°. Gleichzeitig wollte ich hier schon lange einmal herunterfahren. Zu oft schon hatte ich im Winter aus dem Karwendel auf diese riesige Flanke geblickt. heute nun würde es also soweit sein.

Wieder hatten wir perfekte Verhältnisse, denn es hatte schon gut aufgefirnt, als wir losfuhren. So machte die steile Flanke trotz einiger Harschbollen richtig Spaß. In der steilen Durchfahrt folgten wir der deutlichen Rutschspur. Hier war ich froh, dass wir heute unter den ersten waren, die hier herunter fuhren, denn so war die Spur noch in gutem Zustand. Ganz ausgenudelt oder wenn der Schnee hart ist, ist das hier sicherlich deutlich schwieriger.

So aber hatten wir den felsdurchsetzten Teil bald hinter uns und konnten durch den Butterfirn des Oberkars gleiten. Yeah! Am Bernadeinkopf hielten wir noch mal an und machten einen Fuß-Abstecher auf diesen kleinen Gipfel (2143m), der sowohl Boris als auch mir noch fehlte. Anschließend ging es weiter hinab durch anhaltend schönes Skigelände.

Schließlich rutschten wir noch über den Wanderweg vom P1531 zum P1510 und hatten damit die Skipiste erreicht. Da wir in der Früh zwar zu faul für den Talaufstieg gewesen waren, aber uns nicht gänzlich dem Müßiggang hatten hingeben wollen, hatten wir auf die Karte für den Bernadeinlift verzichtet. Also mussten wir jetzt noch einmal 300 Hm an der Piste aufsteigen.

Auch das war dann recht bald geschafft und nun mussten wir nur noch bergab rutschen. Über die Kandahar-Abfahrt ging es schließlich zurück zum Parkplatz, den wir 14:15 Uhr erreichten. Früh genug, um noch ein wohlverdientes Weißbier in der Sonne zu genießen. Heute hatte einfach alles wie am Schnürchen geklappt bei dieser ja durchaus anspruchsvollen Tour.

Fakten zur Tour

  • Alpspitze (2628m) über Alpspitz-Ferrata
  • Abfahrt über Ostflanke
  • SKT-Schwierigkeit AD+, B, 50° (im Aufstieg)
  • 1000 Höhenmeter ab Osterfelderkopf und inkl. Gegenanstieg am Bernadeinlift

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

6 Kommentare

Rebecca · 25. März 2022 um 7:14 pm

Sehr cool, Glückwunsch – vor allem zur anspruchsvollen Abfahrt! Die Ferrata mache ich im Winter sicher auch mal, dem Osthang würde ich aber wohl den Ostgrat vorziehen (und erst im Kar in die Bindung steigen 😉 )

    Hannes · 26. März 2022 um 10:05 am

    Danke Rebecca! Über den Ostgrat abzusteigen, ist bestimmt auch eine lohnende Variante. Er sah zumindest von oben und von der Seite sehr schön aus.

Robert · 27. März 2022 um 11:50 am

Sehr schöne Beschreibung, vielen Dank!
Weißt du noch, um wieviel Uhr ihr oben losgefahren seid? Hast ja geschrieben, kurz vor 10 wart ihr oben, dann hättet ihr ja aber ja nur ne Stunde für die Ferrata gebraucht…
Wollte eventuell nächstes Wochenende hoch und würde gerne abschätzen, wann ein guter Zeitpunkt für die Abfahrt ist. 😀

    Hannes · 28. März 2022 um 5:55 am

    Danke Robert! „Kur vor zehn“ am Gipfel war ein Fehler, es muss „kurz vor elf“ heißen. Danke für den Hinweis, ich habe es korrigiert. Die Abfahrt haben wir kurz vor halb zwölf begonnen, da waren die Verhältnisse ziemlich optimal. Viel Erfolg und Spaß wünsche ich Dir, falls Du auch gehst!

Local von vor Ort · 24. Juli 2022 um 11:05 am

Sorry, aber so wie du auf dem Bild auf de Ski „stehst“ (und damit mein ich dein Fahrkönnen) solltest du lieber in flacherm Gelände mit weniger Gefahrenpotential in der Abfahr bleiben. Ja, das nächste Mal lieber Ostgrat bis Oberkar und na anschnallen. Muss ja ned sei das was passiert. Hab in der Ostflanke scho viel bluten sehen!

    Hannes · 25. Juli 2022 um 9:42 am

    Ich denke, ich kenne meine skifahrerischen Grenzen recht gut. Trotzdem danke für den Hinweis! Und mal sehen, wann und wie es mal wieder auf die Alpspitze geht. 🙂 Schöne Grüße nach Garmisch!

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