Wanderung in den Allgäuer Alpen am 09.08.2022

Einen morgendlichen Termin in Reutte wollte ich nutzen, um die Kellenspitze zu besteigen. Immerhin der höchste Gipfel der Tannheimer Berge und mit einer markant spitzen Gestalt ausgestattet. Die Tour ist nicht ganz kurz, dafür abwechslungsreich und lohnend.

09:20 Uhr schwang ich mich in Reutte aufs Radl und fuhr hinüber nach Holz, wo der Fußaufstieg losgeht. Kürzer ist die Kellenspitze aus dem Tannheimer Tal erreichbar, aber ich war ja nun einmal hier. Also schloß ich mein Radl ab und wanderte los, mit allerlei Gedanken im Kopf.

Und wie der Deichjodler so den Berg hinauf gestiegen, ist ihm der letzte Brenner-Roman durch den Kopf gegangen. Sind dann also die Eltern von der Iris beide… Dann wäre ja das halbe Buch eine einzige große Irreführung. Trickbetrug nichts dagegen. So ging das weiter. Ich muss aber sagen, sonderlich originell waren die Gedanken vom Deichjodler über den Roman nicht. Mehr Durchschnittsgedanken. Also für die Abitur-Prüfung Deutsch hätten die damals wahrscheinlich nicht gereicht. Aber weißt Du, wenn Du zügig gehst und Dich anstrengst, hast Du keine originellen Gedanken mehr. Da kannst Du froh sein über ein paar Durchschnittsgedanken. Abitur hin oder her.

Und natürlich zügig gegangen. Du musst wissen, der Deichjodler hat schon immer einen ziemlichen Sturschädel gehabt. Besonders wenn es ums Gehen ging. Wenn er sich mal in den Kopf gesetzt hat, in einem Tempo zu gehen, dann hat er das gemacht. Auch wenn es ihm eigentlich zu schnell war. Und heute schnell losgegangen und sich dann in den Kopf gesetzt, das Tempo zu halten. Also nur noch Durchschnittsgedanken. Dafür ist er schon um 12:30 Uhr am Gipfel gewesen. Ohne Pause für Essen und Trinken. Und auch die Stecken noch am Rucksack. Weil ohne Stecken losgelaufen und Deichjodler eben Sturschädel.

An der Gehrenalpe (1611m) ist er vorbei, obwohl sehr gemütlich. Dann zum Gehrenjoch (1858m) und weiter zum Sabachjoch (1860m). Und wie er da zum Sabachjoch hoch gestiegen, hat es ihn glatt gejuckt, ein paar Schritte zu laufen. Aber hat sich dann beherrscht, weil er ja wandern war. Und Wandern und Berglauf zwei Paar Schuhe. Wobei heute eh in den leichten Schuhen unterwegs. Weil sehr leicht und bequem. Plüschhausschuhe nichts dagegen. Dafür in grobem Gelände nicht optimal, weil ohne Kantenschutz.

Aber auch in den leichten Schuhen ist der Deichjodler bergauf immer nur gegangen. Bergab dagegen eine ganz andere Nummer, frage nicht. Bergab fast immer Laufschritt. Weil er sich eingebildet hat, das sei weniger anstrengend. Energiespeicherung im Muskel und so. Ich glaube ja, ihm hat es einfach beim Bergabgehen an Geduld gemangelt.

An der Nesselwängler Scharte hat er dann lauter Schafe und Ziegen getroffen. Also genau gesagt Walliser Schwarznasenschafe und Walliser Schwarzhalsziegen. Das ist dem Deichjodler natürlich komisch vorgekommen. Walliser Schafe und Ziegen hätte er im Wallis erwartet. Oder eventuell im Rest der Schweiz. Vielleicht gerade noch in Vorarlberg, so rein von der Sprache her. Aber sicher nicht in Tirol. Aber die Tiere waren nun mal da. Im Gegensatz zu einem Vertreter des Österreichischen Bundsverbandes für Schafe und Ziegen (ÖBSZ), den man nach ihrer Herkunft hätte fragen können. Du musst wissen, die Schaf- und Ziegenzucht ist in Österreich bestens organisiert. Da macht auch Tirol keine Ausnahme. Bestens organisiert, klar, aber heute eben niemand vor Ort.

Der Deichjodler ist dann weiter gegangen, wo nun der anspruchsvolle Teil losging. Schwarzer Bergweg, leichte Kletterei I-II. Nicht wirklich schwer, aber sehr speckig. Weil Kalkstein immer stark abgespeckt, wenn viel begangen.

Irgendwann haben sich dann die Deichjodler-Beine gemeldet. Ich würde sogar sagen, heftig beschwert haben sie sich, weil Tempo zu hoch. Heftig beschwert und wollten langsamer gehen. Der Kopf aber nicht. Quasi interne Divergenz. Letztendlich natürlich Sturheit gewonnen, weil Deichjodler mehr Kopfmensch als Beinmensch.

Als er dann am Gipfel angekommen ist, war die Sturheit natürlich sofort wie weggeblasen. Weil Ziel erreicht. Also hat sich der Deichjodler erst mal hingesetzt und in Ruhe die Aussicht genossen. Natürlich hat er die meisten markanten Gipfel mit Namen gekannt: die Gehrenspitze rechts, den Gimpel links, die Große Schlicke vor ihm, den Thaneller hinter ihm. Anschließend hat er sich zu einem Nickerchen auf die Wiese gelegt. Denn entspannen konnte er schon auch, wenn ihm gerade nicht die Sturheit in den Weg gekommen ist.

Nach dem Nickerchen ist er wieder aufgebrochen und den obersten Teil konzentriert abgestiegen. Weil, weißt Du, die meisten Unfälle passieren im Abstieg, wenn Du müde und unkonzentriert wirst. Da hilft natürlich ein Gipfelnickerchen, um bei der Sache zu bleiben. Ab der Nesselwängler Scharte wurde es leichter, also Laufschritt. Übers Hochjoch (1754m) und die Lechaschauer Alpe zurück nach Holz. Interessanterweise hat er immer noch den Brenner-Roman im Kopf gehabt. Aber mittlerweile die Geschichte fast aufgelöst. Das Buch endlich verdaut, gewissermaßen. Zeit wurde es. Aber so ist das eben, wenn Du schnell gehst, dann denkst Du langsam.

Zufrieden setzte ich mich wieder aufs Radl. Die Oberschenkel waren ordentlich schwer, aber den Rückweg nach Reutte bekamen sie noch hin. 15:45 Uhr war ich wieder dort und beendete diese sehr schöne Tour in den Tannheimern. Ein gut genutzter Termin!

Daten zur Tour

  • Kellenspitze (2238m) Normalweg über Gehrenjoch, Rückweg über Hochjoch
  • Schwierigkeit T4+, I-II
  • 1700 Höhenmeter ab Reutte

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

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