Klettern im Kaisergebirge am 26.05.2024

Was darf’s denn sein für die erste Klettertour des Jahres? Etwas Leichtes, dafür längeres? Oder etwas Kurzes, dafür schwereres? Da wir nach einigen unbeständigen Tagen mit Nässe rechneten, entschieden wir uns für Ersteres und wurden am Kraxengrat im Wildern Kaiser fündig.

Kurz nach halb acht gingen Dirk und ich beim Jägerwirt los. Wir freuten uns beide auf die Kletterei und waren gespannt, wie es uns ergehen würde. Schließlich können im Kaiser auch IVer schon zach sein. Und ziemlich lang ist die Tour auch.

Bei Sonnenschein und Vogelgesang wanderten wir bald an der Niederalm (989 m) vorbei und weiter bergwärts. Die Kopfkraxen stand bereits vor uns und auch der Kraxengrat war erkennbar. Interessant sah das aus und heizte die Vorfreude weiter an.

Das Schneekar machte seinem Namen dann alle Ehre und zeigte sich ziemlich weiß. Auch der Einstieg unserer Tour war nur über ein steiles Schneefeld zu erreichen. Wir konnten unterhalb auf einer Geröllinsel Pause machen und schon mal die Gurte anlegen. Dann schnappte ich mir den Leichtpickel, den Dirk dabeihatte, und spurte durch den mittelharten Schnee zum Einstieg.

Da die erste Seillänge noch vom Schnee begraben war, mussten wir gewissermaßen in der Randkluft zum ersten Zwischenstand kraxeln. Da sowohl Schuhe als auch Fels nass waren und dazu die Finger klamm, waren das für mich die unangenehmsten Klettermeter der Tour.

Hatten wir bisher nur zwei weitere Seilschaften getroffen, die andere Touren im Auge hatten (1x Blue Moon und 1x Via Romantica) tauchten nun zwei weitere Kraxengrat-Anwärter im Kar auf. Insgesamt drei andere Seilschaften gingen schließlich die Tour an. Mit keiner davon kamen wir uns ins Gehege. Nur ein Tiroler Alleingänger sollte uns schließlich im oberen Teil überholen. 45min für den gesamten Grat. Da kann machten wir doch gerne und anerkennend Platz.

Doch jetzt galt es erst einmal, in unsere Route zu starten. Das machten wir zu einem großen Teil am laufenden Seil, mit Tiblocs an den Standplätzen. Dirks 40 m-Seil stellte sich dafür als sehr geeignet heraus, nur in der nominell dritten Seillänge hatte ich mit dem Seilzug zu kämpfen. Die beiden IV- und einige der IIIer-Längen sicherten wir hingegen klassisch von Standplatz zu Standplatz. Insgesamt benötigten wir so ab der Geröllinsel knapp 4 Stunden für den Grat.

Aufgrund der vielen Seillängen mit leichtem Gelände gehe ich nur auf ein paar Highlights ein:

Die erste richtig schöne Stelle ist die IIIer-Passage in SL 6. Hier geht es erstaunlich steil und sehr griffig auf den Grat und oben um einen abdrängenden Block herum. In Seillänge 7 folgt gleich eine wunderschöne Verschneidung (III+), in die man etwas ausgesetzt hineinqueren muss.

In der neunten Länge folgt die erste von zwei Schlüsselstellen. Nach einer steilen Rinne geht es scharf nach rechts und dort an schön griffigen Schuppen aufwärts (IV-). Die zweite Schlüsselstelle folgt dann in Seillänge 14: Die Rissverschneidung fanden wir gutmütiger, als sie zunächst aussah. Oben muss man etwas seltsam um eine sperrende Rippe herum, dann kann man sehr schön hochspreizen (IV-).

Die 19. Länge beginnt nochmals mit einem steilen, griffen Aufschwung an einer Kante (III+), danach folgt Ausstiegsgelände. Insgesamt hat uns die Tour gut gefallen, den neben einigen schönen Kletterstellen bietet sie auch eine gute Aussicht und ein schön alpines Ambiente.

Da Dirk noch nie am Sonneck war, wanderten wir noch hinüber und machten an dessen Gipfel (2261 m) unsere Pause. Schön war es, hier oben zu sitzen, ein paar Happen zu essen und die Blicke über Ellmauer Halt, Treffauer, Scheffauer und dahinter über Täler und unzählige Berge schweifen zu lassen.

Schließlich machten wir uns an den Abstieg. Dieser führte uns zurück zur Kopfkraxen (2178 m) und auf dessen grasbewachsenem Westgrat abwärts, bis linkerhand der Steig zurück ins Tal abzweigte. Hier oben war der Steig feucht und erdig, was mit dem runtergerockten Profil meiner Zustiegsschuhe nicht so angenehm war. Weiter unten wurde es dann besser und ab dem Wasserfall konnten wir es dann auch ein wenig laufen lassen. Trotzdem, der Abstieg zog sich und wir waren froh, um 17:00 Uhr wieder den Parkplatz zu erreichen.

Zufrieden packten wir dort zusammen und traten den Heimweg an. Die Kletterei hatte uns weniger gefordert als erwartet, Freude hatte sich uns allemal gemacht. Ein gelungener Saisonauftakt also.

Daten zur Tour

  • Sonneck (2261 m) via Kraxengrat
  • Schwierigkeit IV- (zwei Stellen), sonst bis III+
  • Gute Absicherung mit Bohrhaken; in den letzten Längen nur noch Stände gebohrt
  • 23 Seillängen, 665 m
  • 1500 Höhenmeter
  • Abstieg über Wanderweg (T3)
  • Erstbegangen 2002 durch Herbert Haselsberger und Hans Zott
  • Infos und Topo bei bergsteigen.com

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

2 Kommentare

Mark · 3. Juni 2024 um 7:39 pm

Servus Hannes,
ich bin dort ein paar Routen geklettert mit etlichen schönen Seillängen, aber die stärkste Erinnerung ist der schmierige Abstieg, obwohl er weder schwierig, noch gefährlich ist, aber irgendwie einfach nervig.

    Hannes · 5. Juni 2024 um 7:44 am

    „Einfach nervig“ trifft es gut, finde ich. Ich bin auch kein Fan des Abstiegs, auch der untere Teil zieht sich irgendwie. Aber für so schöne Kletterei kann man sich das schon mal antun. 😉

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