Wanderung in den Allgäuer Alpen am 28.12.2025
Als nach einer Viertelstunde immer noch nichts weiterging, kam ich allmählich zu dem Schluss, dass es noch ziemlich lange dauern könnte, bis ich Reutte erreichen würde. Zum Glück war ich der Letzte im Stau, der noch problemlos die Ausfahrt nehmen konnte. Aber wohin? Da fiel mir der Iselergrat ein. Dieser wäre doch eine hübsche Alternative.
Kurz nach halb zehn stellte ich das Auto in Schattwald ab. Der Kühgundspitz sah von hier aus gar nicht weit aus und ihr Kreuz blinkte schon verheißungsvoll in der Sonne. Unten im Tal war es dagegen schattig und noch sehr kalt.
Also schnell los! Über die winterliche Forststraße wanderte ich durch den Wald in Richtung Stuibenalpe und weiter den Hang hinauf zur Bergstation der Wannenjochbahn. Dort, wo der Weg auf ca. 1450 m von der Forststraße abzweigte, kam ich endlich in die Sonne. Und schlagartig wurde es wärmer. Nun war es viel angenehmer und zufrieden wanderte ich weiter.
Ich war heute sehr gemütlich unterwegs, ließ mir Zeit und ging langsam. Bald kam ich an die traurigen Reste der präparierten Skipisten. Durch den schmierigen und spröden Kunstschnee1 wurde der Aufstieg recht mühsam. Und ich war froh, als der Weg abflachte und die Bergstation in den Blick kam.
Anstatt von hier aus direkt zum Kühgundspitz aufzusteigen, wählte ich den Schmugglerpfad zum Wiedhang. Entlang des Pfades sind verschiedene Stationen aufgebaut, die Kindern die frühere Schmuggelwirtschaft zwischen Tirol und Bayern näher bringen sollen. Der plattgetretene Schnee zeugte davon, dass der Weg in den vergangenen Tagen oft begangen wurde, heute aber traf ich weder Schmuggler noch Kinder.









Am Wiedhang bog ich auf den Steig zum Kühgundspitz ab, der ebenfalls gut ausgetreten und stellenweise sogar eisig war. Trotzdem machte es mir Freude, hier an diesem Gratweg entlangzuwandern. Die gelegentlichen Versicherungen ignorierte ich dabei, denn Fels anfassen finde ich viel schöner als Drahtseile.
Bald konnte ich rechts unter mir den Skizirkus am Oberjoch bewundern. Dieser war übrigens auch der Grund, warum ich mich für Schattwald als Ausgangspunkt entschieden hatte. Den Zirkus aus der Ferne bewundern ist eines, mitten hindurchzugehen etwas anderes.
Nach einem letzten steilen Schneeaufschwung erreichte ich das Kreuz des Kühgundspitz‘ (1855 m), ging aber gleich weiter zum etwas höheren Kühgundkopf (1907 m). Hier waren dann doch noch einige andere Bergfreunde unterwegs. Sowohl Fußgänger wie ich als auch Paraglider, die bald darauf starteten. Hier machte ich Pause, aß meine Brotzeit und bewunderte das Flugspektakel.
Ach ja, und natürlich die heute fantastische Aussicht. Vom fernen Alpstein im Westen reichte der Blick bis zur Zugspitze im Südosten. Dazwischen lagen diverse Allgäuer Gipfel und direkt im Osten die Tannheimer. Bei ungetrübter Sicht zeichneten sich die Silhouetten vieler bekannter Gipfel deutlich ab. Und wieder einmal freute ich mich darüber, schon den ein oder anderen dieser vielen schönen Berge bestiegen zu haben.







Frisch gestärkt spazierte ich noch hinüber zum Iseler (1876 m), dem letzten Gipfel für heute. Auch dort setzte ich mich noch einmal auf die Felsen und genoss die angenehme Nachmittagsstimmung hier oben. Es war so schön, einmal der Hochnebelsuppe zu entfliehen, die Oberbayern in den letzten Wochen fest im Griff hatte. Endlich wieder Sonne im Gesicht!
Kurz darauf wanderte ich über die südseitigen Hänge des Iseler bergab. Bis zum Stuibensattel war ich noch in der Sonne, ab dort lag das Stuibental im Schatten. Ich verabschiedete mich von unserem Stern und machte mich an den weiteren Abstieg über verschneite Hänge, die teils hart überfroren waren. Bald erreichte ich wieder die Forststraße und spazierte das letzte Stück zurück nach Schattwald.




Kurz vor halb drei endete diese sehr gemütliche Wanderung, die mir richtig gutgetan hatte.
Daten zur Tour
- Überschreitung Iselergrat (1907 m am Kühgundkopf)
- Schwierigkeit T3, A
- 1050 Höhenmeter ab Schattwald (ab Oberjoch kürzer)
- Dass etwas gleichzeitig schmierig und spröde sein kann, wirkt vielleicht nicht plausibel, aber Kunstschnee kann das! ↩︎
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