Skitour in den Lechtaler Alpen am 13.02.206

Endlich mal Skitour gehen in diesem Winter, das wäre schön. Aber die Form ist schlecht, die Schneelage dürftig und die Lawinenlage angespannt. Wohin also? Nach etwas Recherche steht die Wahl fest: das Galtjoch soll es sein. Da war ich zwar letzten Winter schon, aber die Tour passt einfach genau zu den Rahmenbedingungen.

Nach Frühstück mit der Familie starte ich erst gegen zehn vor zehn am Parkplatz in Reuth. Ich bin der erste der Spätstarter. Vor mir sind, wie ich später sehen werde, ein Alleingänger und eine riesige Kursgruppe mit drei Bergführern. Nach mir kommen noch ein paar kleine Gruppen.

Gemütlich starte ich in den winterlichen Wald. Es liegt insgesamt viel zu wenig Schnee, doch immerhin ist ein klein wenig Neuschnee hinzugekommen. Bald geht es bergauf und ich merke, dass meine Kondition noch Wünsche offen lässt. Wie viele unserer Bekannten mit kleinen Kindern waren wir in den vergangenen Wochen alle ständig krank. Und offensichtlich bin ich noch nicht ganz wiederhergestellt.

Ich versuche mein Tempo so einzustellen, dass ich es in endlicher Zeit auf den Gipfel schaffe, aber ohne mich zu verausgaben. Eine Dreiergruppe holt mich kurz vor der ersten Wiese kurzzeitig ein, was mir die Gelegenheit gibt, Sonnencreme zu ergattern (danke nochmals!). Dann geht es weiter, allein durch den schönen Winterwald. Die Aufstiegsspur ist in gutem Zustand und ich komme gut voran. Nur abfahren möchte ich hier später nicht, da wird doch der Forstweg herhalten müssen.

Kurz vor der Ehenbichler Alm halte ich an und esse einen Riegel, dann starte ich frisch gestärkt zur zweiten Hälfte der Tour. Nach einem kurzen Plausch mit einem sehr freundlichen Schneeschuhgänger steige ich durch das letzte Waldstück und erreiche die offenen Hänge unter dem Ostrücken des Galtjochs. Nur die Aufstiegsspur ist zu sehen; offensichtlich ist seit dem letzten Schneefall und dem stürmischen Wind vom Vortag noch niemand abgefahren. Das wird sich bald ändern.

Weiter geht es über die weiten Hänge. Anstrengend ist das irgendwie, aber immerhin noch moderat. Dafür wird die Aussicht immer besser: auf die Zugspitze in meinem Rücken, auf Gehrenspitze, Kellenspitze, Gimpel und Rote Flüh rechts neben mir und auf diverse Lechtaler zur Linken.

12:15 Uhr stehe dann auch ich am Gipfel, setze mich ans Kreuz und genieße die Aussicht. Diese wird beherrscht von der wilden Knittelkarspitze. Die davor liegende Hintere Steinkarspitze hat heute auch Besuch und ich höre einige Juchitzer abfahrender Skifreunde aus der tollen Gipfelflanke. Kurz bin ich neidisch, hatte ich diesen Gipfel für heute doch ebenfalls in Betracht gezogen. Aber dann schließe ich wieder Frieden damit, Skitouren allgemein sehr defensiv zu planen, gerade als Ortsfremder und bei einer so unübersichtlichen Lawinenlage wie aktuell.

Nun also wieder bergab. Die nächsten kommen gerade oben an, als ich mich zur Abfahrt bereit mache. Die ersten Skischwünge in diesem Winter sind noch etwas holzig, dann wird’s allmählich besser. Nach dem zerfahrenen Gipfelhang kommen bald weite Hänge, die noch Platz bieten für eine eigene Spur. Hui, das macht richtig Spaß! Besser als erwartet ist es heute, da habe ich Glück.

Als ich den letzten Gipfelhang erreiche, fährt die Riesengruppe gerade los. Also ein Skikurs ist das schon mal nicht! Elegant und sicher fahren alle die ersten Schwünge. Okay, der Gipfelhang ist damit schon mal komplett zerfahren, zum Glück ist weiter unten mehr Platz.

Am Waldrand ist der Spaß dann schon wieder vorbei. Zufrieden betrachte ich das tolle Abfahrtsgelände hinter mir, dann geht es weiter über den zerfahrenen Wanderweg bis zur Ehenbichler Alm. Dort muss ich natürlich einkehren. Denn die Hütte liegt fantastisch, die Wirtsleute sind nett und das Essen gut. Also setze ich mich auf die Terrasse, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und esse einen ausgezeichneten Kaiserschmarren. So soll es sein.

Die weitere Abfahrt ist dann unspektakulär. Durch die Wärme ist der Neuschnee stumpf und geworden und so geht die Fahrt über den Forstweg sehr gemütlich vonstatten. 14:15 Uhr bin ich zurück am Auto und freue mich über diese wirklich tolle Skitour. Etwas spät, dieser Saisonstart, dafür umso schöner.

Daten zur Tour

  • Galtjoch (2109 m) über Ostrücken
  • SKT-Schwierigkeit PD-
  • 950 Höhenmeter

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

2 Kommentare

Mark · 15. Februar 2026 um 5:50 p.m.

Servus Hannes,
dann steht es bei uns in Sachen Skitouren 1:1. Bei den Höhenmetern bist du sogar vorne.

    Hannes · 16. Februar 2026 um 8:56 a.m.

    Das spricht wahrlich nicht für diese Saison…

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