Skitour in den Lechtaler Alpen am 06.04.2026

Skitouren haben normalerweise den Vorteil, dass die Abfahrt deutlich schneller geht als der Aufstieg. Normalerweise. Am Ostermontag erging es uns am Tschachaun etwas anders. Das lag teils an schlechten Verhältnissen und teils an schlechten Entscheidungen.

Mark und ich starteten erst kurz vor neun in Namlos (1225 m). Schließlich war der Himmel bedeckt und erst für den Mittag Wetterbesserung vorhergesagt. Allerdings zeigte sich bald, dass es früher als erwartet aufriss, was nicht nur Vorteile mit sich brachte.

Wir starteten auf der noch gut mit Schnee bedeckten Forststraße hinein ins Brentersbachtal. Die Tour beginnt mit einem ausgedehnten Talhatscher, der allerdings landschaftlich von Beginn an sehr reizvoll ist. Wir hatschten also bei bester Aussicht.

Nach nächtlichem Frontdurchzug mit Regen bis 2300 m war der Schnee natürlich feucht und weich. Und wir ahnten, dass das Abrutschen auf dem Forstweg später vielleicht nicht ganz ohne Nachhelfen gehen würde.

Ab dem Rudigerbach mussten wir immer von den Ski steigen, um verschiedene Wasserläufe zu überqueren. Etwas nervig war das, aber nicht weiter störend. Nach etwa einer Stunde kamen wir zum Abzweig ins Faselfeiltal und ab hier ging es dann auch endlich spürbar bergauf.

Wir folgten dem Tal zunächst nach Osten. Als wir dann um die Biegung nach Süden kamen und sich der Blick öffnete, bekamen wir endlich unser heutiges Gipfelziel zu Gesicht. Von Norden macht der Tschachaun ganz schön was her.

Da auch der Talschluss einsam vor uns lag, war nun klar, dass wir die Einzigen waren, die hier heute unterwegs waren. Man könnte auch sagen, alle anderen waren schlauer als wir. Aber davon ließen wir uns nicht aufhalten und folgten weiter einer wenige Tage alten Aufstiegsspur durch das Tal.

Bald mussten wir zwei ausgedehnte Lawinenkegel queren. Hier hatte wohl die Nachmittagssone am Vortag den frischen Schnee weit oben in der Westflanke des Hinterberges gelöst, der dann weiter unten einiges an weiterem Schnee mitgerissen hatte.

Nach diesen Querungen wandten wir uns nach Süden, dem Kromsattel zu. Die Nordhänge, die wir hier antrafen, trugen feinsten Bruchharsch und weckten so gar keine Vorfreude auf die Abfahrt. Na ja, für den Aufstieg war es egal, und kurz vor zwölf erreichten wir den 2137 m hohen Sattel. Hier stärkten wir uns kurz, bevor wir die letzten 200 Höhenmeter zum Gipfel angingen.

Ab dem Kromsattel führt der Skiaufstieg nach Westen weiter über eine breite Flanke zum Gipfel des Tschachaun. Etwa 100 Höhenmeter dieser Flanke sind durchaus steil. Aufgrund des hier sehr lebhaften kühlenden Windes schien uns die Lawinengefahr trotzdem klein zu sein.

Nach diversen Spitzkehren in der Flanke erreichten wir den wieder flachen Gipfelrücken, der uns um 12:25 Uhr zum höchsten Punkt (2334 m) des Tschachaun führte. Die Aussicht von hier war sehr interessant, mit der riesigen Heiterwand auf der einen Seite und der schön geformten Namloser Wetterspitze auf der anderen. Schon nett hier. Nur leider heute sehr windig und kalt, sodass wir beschlossen, die Gipfelrast später nachzuholen.

Und noch etwas beschlossen wir hier. Nämlich den Bruchharsch zu umgehen und durchs Brennhüttental abzufahren. War das schlau, für den Abstieg eine unbekannte Variante zu wählen, die wir uns beide nur sehr rudimentär angeschaut hatten? Eher nicht so, wie sich noch zeigen sollte.

Aber jetzt stand erst einmal die Abfahrt zum Kromsattel an. Die Sulzabfahrt durch die steile Gipfelflanke machte richtig Spaß. Immerhin die. Vom Kromsattel aus fuhren wir dann nach Südwesten weiter zum Kromsee. Und zwar geradeaus wie auf Schienen, weil der Schnee so nass und schwer war, dass Schwünge nur unnötig gebremst hätten.

Am Kromsee machten wir erst einmal Pause und bewunderten die Steilwand zum Maldongrat direkt vor uns. Wir ließen uns unser Essen schmecken und hatten eigentlich keine Lust, weiterzugehen. Denn Mühsal schien garantiert. Aber einmal mussten wir dann doch.

Also stiegen wir wieder auf, an der geschlossenen Anhalter Hütte vorbei auf einen Buckel. Hier packten wir die Felle wieder weg und begannen die zweite Abfahrt des Tages. Vom Buckel nach Westen hinab fuhr ich nochmals einen Schwung. Es sollte der letzte des heutigen Tages sein. Dann querten wir nach Westen und Nordwesten zum Imster Gruebigjöchl (1831 m).

Nun lag das Brennhüttental vor uns, das hier recht einladend aussah. Zunächst ging es auch angenehm dahin. Zwar weiterhin durch extremen Bremsschnee, aber immerhin geradeaus bergab und bald pittoresk am bereits aperen Bach entlang. Doch dann wurden die Flanken am Bach steiler, die Querungen anspruchsvoller. Schließlich mussten wir ein Stück zu Fuß durch die Schneeflanke eiern und einige Meter weiter den Bach nach Westen überqueren. Dann wieder ein paar Meter fahren, gehen, fahren … bis wir endlich am Brentersbach standen. Also durch Bruchharsch wäre es sicherlich schneller gegangen.

Die Brücke auf die Ostseite des Brentersbaches, auf der sich die Forststraße befand, war von uns aus schlecht erreichbar, sodass wir eine weitere Bachquerung angingen. Rucksäcke hinüberwerfen, halb springen, halb waten, Ski anreichen, dann der nächste. Hatte langsam Trekkingcharakter heute.

Kurz darauf waren wir also wieder auf der Forststraße, die wir nun ganz entspannt talwärts rutschten. Also so hätten wir es uns zumindest gewünscht. Stattdessen mussten wir permanent anschieben. Der Vordere immer ein wenig mehr als der Hintere, weswegen wir uns auch abwechselten. Immerhin konnten wir den begrenzten Skispaß-Faktor dieser Tour mit Humor nehmen. Irgendwann, als ich gerade vorging und keinen Bock mehr hatte, meinte Mark: „Es könnte auch schlimmer sein. Wir könnten Snowboards dabei haben.“ Das war natürlich auch wieder wahr.

Weiter und weiter schoben wir durchs Brentersbachtal, überquerten zwischendurch kleine Seitenbäche und schoben weiter. Und dann, so gegen halb vier, erreichten wir das Ende der Forststraße. Wohl selten haben wir uns so darüber gefreit, dass eine „Abfahrt“ zu Ende geht.

Ja, das war heute alles nicht so schlau gewesen. Aber immerhin ein Tag im Gebirge. Und viel erlebt hatten wir auch. Es gibt wahrlich Schlimmeres.

Daten zur Tour

  • Tschachaun (2334 m) über Kromsattel und Mister Gruebigjöchl
  • SKT-Schwierigkeit PD+
  • 1250 Höhenmeter

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

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