Wanderung in den Chiemgauer Alpen am 26.04.2026
Für den Nachwuchsjodler und mich stand mal wieder ein Wandertag an. Dieses Mal mit Kathrin, Christoph und ihrer Tochter, die gerne das Dürrnbachhorn besuchen wollten.
Unsere letzte gemeinsame Familientour ins Karwendel war schon länger her. Und so freuten sich Kathrin, Christoph und ich, dass sich mal wieder ein gemeinsamer Ausflug ausging. Christoph hatte das Dürrnbachhorn als Ziel ausgewählt. Ich war offen gesagt etwas skeptisch, ob beide Kinder das schaffen würden, aber man konnte es ja einmal versuchen.
Schon die Mautstraße hinauf zur Winklmoosalm war spannend. So kurvig und steil wie sie war. Ich fahre so etwas ja ganz gerne. Und dem Kleinen gefiel es auch. 09:15 Uhr trafen wir uns dann mit unseren Tourenpartnern für heute und gingen bei Kaiserwetter los.
Für den Aufstieg hatten wir uns die Variante über die Dürrnbachalm ausgesucht. Und das hieß, erst einmal auf der Straße gehen. Oh, wie langweilig! Die Stimmung bei den kleineren Wanderern war nicht gut und drohte, ganz zu kippen. Doch mit genug Essensnachschub und Tannenzapfen werfen mit Christoph ging es doch noch weiter.
Ab der Dürrnbachalm dann endlich ein gescheiter Wanderweg. Der machte uns allen gleich viel mehr Spaß. Auf etwa 1450 m legten wir eine erste richtige Pause ein. Essen fassen, ein wenig Kraft regenerieren, nachschauen, was sich in den Spalten eines Felsblocks so verbirgt.
Dann wanderten wir weiter – zunächst steil bergan, dann flacher querend hinüber zum – noch geschlossenen – Panorama-Wirtshaus. Hier setzten wir uns auf eine Bank und genossen die Aussicht. Ich erklärte dem Nachwuchsjodler, wo hinter der Steinplatte der Großvenediger zu sehen sei. Dessen Silhouette ist ja zum Glück sehr markant.




Dann stellte sich die Frage, ob wir weiter zum Gipfel gehen würden. Zunächst war die Begeisterung dafür nicht allzu groß. Christoph erklärte, dass wir den Großteil des Weges schon geschafft hätten. Beiläufig streute ich ein, dass wir dann die Spezial-Süßigkeit namens „Wendelstein“1, die ich extra für den Gipfel mitgebracht hatte, gar nicht essen könnten … Ein paar Minuten später stand dann fest, dass wir doch weitergehen würden.
Der Weg wurde nun steiler und steiniger. Doch das schreckte die Kinder nicht. Ganz im Gegenteil – jetzt drehten sie erst richtig auf. Ja, die Anstrengung war spürbar, und sie mussten immer mal wieder verschnaufen und etwas Kleines essen. Aber zwischen den Pausen wanderten sie zügig und entschlossen.
Und dann erreichten wir tatsächlich das Gipfelkreuz. Oh, da waren wir alle stolz! Und natürlich mussten wir hier gleich etwas essen. Und natürlich auch den „Wendelstein“. So gut!
Der Nachwuchsjodler und ich waren kurz nach den anderen angekommen. Christoph war da schon auf dem Weg zum höchsten Punkt, der etwas weiter östlich liegt. Als er zurückkam, fragte ich ihn, wie weit es sei und ob es sich lohne. Nicht weit, meinte er, dafür sei die Aussicht nochmals besser.
Ob es okay sei, wenn ich noch kurz zum Hauptgipfel ging, fragte ich meinen Kleinen. Er wolle mit, antwortete dieser. Christoph warf ein, dass das vielleicht keine gute Idee sei, da ein steileres Schneestück zu bewältigen sei. „Na ja, dann lassen wir’s gut sein“, meinte ich daraufhin. „Nein, ich will da hin“, war die fordernde Antwort. Da war ich baff. Und heimlich freute ich mich riesig, dass der Kleine plötzlich Ehrgeiz hatte, den richtigen Gipfel zu erklimmen. Und an der Süßigkeit konnte es dieses Mal nicht liegen, denn die hatten wir schon halb gegessen.
Also schön. Ich schärfte dem kleinen Gipfelstürmer ein, er solle genau tun, was ich ihm sage, dann gingen wir los. Der Grat verläuft größtenteils horizontal und so konnte er bei einigen harmlosen Schneeflecken schon einmal üben, genau in die horizontalen Absätze zu treten (denn natürlich war hier alles längst gespurt). Am steilen Stück blieb ich dann immer genau unter ihm, damit nichts passieren konnte, und sah stolz zu, wie er recht problemlos hinaufstiefelte. Toll!
Dann waren wir am höchsten Punkt kurz ganz alleine. Ein sehr stolzes und fröhliches Kind und sein sehr stolzer Papa. Und die Aussicht hier war tatsächlich besser, da weniger Latschen das Sichtfeld einschränkten. Vom Watzmann und seinen Berchtesgadener Nachbarn über die Steinberge, Zillertaler Alpen bis zum Kaisergebirge erstreckte sich das Panorama.




Kurz darauf kam noch Kathrin hinzu, die sich den Hauptgipfel ebenfalls nicht entgehen lassen wollte. Dann wanderten wir zurück zum Kreuzgipfel, sammelten die anderen beiden und unsere Rucksäcke ein und machten uns an den Abstieg.
Die Kinder waren konzentriert bei der Sache und stiegen sehr sicher ab. Am Panorama-Wirtshaus wählten wir der Abwechslung halber den direkten Abstieg. Das brachte uns noch einige kleine Schneefelder und auch mal einen kurzen Rutscher ein. Doch am Ende erreichten drei leicht erschöpfte Erwachsene und zwei sehr erschöpfte Kinder gegen 15:20 Uhr wohlbehalten und zufrieden den Parkplatz. Waren die kleinen Wanderfreunde wirklich gerade 600 Hm auf- und abgestiegen? Erstaunlich!
Daten zur Tour
- Dürrnbachhorn (1778 m), über Dürrnbachalm hoch und Dürrnbacheck runter
- Schwierigkeit T2
- 600 Höhenmeter ab Talstation Nostalgie-Sesselbahn
- Den Wendelstein, eine Spezialität der Albert-Link-Hütte, kann man als riesenhafte, extrem dichte Kokosmakrone mit Schokoladenüberzug beschreiben. Er hat geschätzte 7000 kcal und schmeckt wirklich sauguad. ↩
4 Kommentare
Mark · 9. Mai 2026 um 1:22 p.m.
Gratulation an den Nachwuchsjodler zum ersten(?) Gipfel aus eigener Kraft! 🙂
Hannes · 10. Mai 2026 um 6:53 p.m.
Danke – ich werde es weitergeben. 🙂 Und bis auf einige Seilbahngipfel war es tatsächlich der erste Gipfel, den er komplett auf den eigenen Beinen erreicht hat.
Rebecca · 23. Mai 2026 um 7:13 p.m.
Sehr cool, Glückwunsch zu diesem tollen gemeinsamen Gipfelerfolg! Und ich überlege, von welchem Parkplatz es morgen schon zu weit bis zur Schwaigeralm (Kreuth) sein könnte 🫣 Aber gut, jeder Nachwuchswanderer fängt mal klein an ☺️
Hannes · 24. Mai 2026 um 7:07 p.m.
Vielen Dank Rebecca! Dass der kleine Herr solche Distanzen und Höhenunterschiede meistert, ist noch eine sehr junge Entwicklung. Und ich habe festgestellt, er läuft ungefähr doppelt so weit, wenn andere Kinder dabei sind. Ich hoffe, Ihr hattet heute eine schöne Tour!