Wanderung in den Fleimstaler Alpen am 12.06.2026

Die Fleimstaler Alpen sind in Bayern weitgehend unbekannt. Doch bieten sie einige landschaftliche Reize – unter anderem rund um ihren höchsten Gipfel, die Cima d’Asta. Diese kann man – wie so oft – entweder direkt besteigen oder mit einigen Umwegen. Der Leser möge raten, wofür ich mich entschieden habe …

Als ich morgens kurz nach 07:00 Uhr meine Wanderung begann, war es ruhig rund um die Malga Sorgazza. Es standen bereits einige Autos auf dem Parkplatz, aber niemand war zu sehen. Kalt war es auch. Aber wohl nicht mehr lange, denn ein ungetrübt blauer Himmel kündigte einen herrlichen Bergtag an.

Mit kalten Fingern und steifen Beinen startete ich meine Wanderung. Von der Tour am Vortag hatte ich nicht nur viele schöne Eindrücke behalten, sondern auch einen heftigen Muskelkater in den Oberschenkeln. Sollte ich die geplante Runde vielleicht abkürzen? Ach nein, ich wollte es versuchen. Langsam gehen und vor allem darauf achten, möglichst wenige große Schritte zu machen. Und dann eben schauen, wie weit mich die Muskeln tragen.

Bald bog ich von der Forststraße nach rechts ab und überquerte den Torrente Grigno, der aus dem See direkt am Fuße der Cima d’Asta entspringt und auf seinem gerade einmal 23 km langen Lauf ins Valsugana 2450 Höhenmeter überwindet. Das Durchschnittsgefälle des Flusslaufes liegt also bei erstaunlichen 10 %.

Ich überquerte diesen herrlich wilden Fluss und betrat auf der anderen Seite einen geradezu verwunschenen Bergwald. Ähnlich wild und ungezähmt wie der Fluss wirkte er. Ab hier ging es nun auch stetig bergauf, sodass mir endlich warm wurde.

Bald bemerkte ich Spuren auf dem Weg. Hier war offenbar in den vergangenen Tagen eine größere Schafherde unterwegs gewesen. Und ich war gespannt, ob ich dieser später noch begegnen würde. Zunächst aber führte mich der schmale Bergweg in weiten Kehren durch den Wald allmählich bergauf. Ich war darauf bedacht, meine Oberschenkel zu schonen, kam aber trotzdem stetig voran.

Als ich schließlich die Waldgrenze erreichte, sah ich bald die Schafe vor mir, die in einem abgezäunten Areal wenige Meter oberhalb des Weges grasten. Und ich hörte, dass sie nicht alleine waren, denn lautes, unfreundliches Bellen empfing mich.

Zwei Hütehunde beschützten die Herde. Weiß wie Schafe und ähnlich groß, aber deutlich kräftiger und aggressiver. Der eine war hinter dem Zaun bei seinen Schützlingen. Der andere saß außerhalb des Zauns, etwa 10m oberhalb des Weges, unter einem Felsüberhang. Ich bin den Umgang mit Hütehunden nicht gewohnt. Ich habe gehört und gelesen, dass sie Menschen nichts tun. Trotzdem machte das Knurren und Bellen Eindruck auf mich. Entsprechend vorsichtig näherte ich mich dem nicht eingezäunten Hund. Dann merkte ich, dass der Hund an Ort und Stelle blieb. Also ging ich langsam vorbei und trollte mich dann schneller von dannen. Endlich war ich ein gutes Stück weg und das Bellen wurde weniger. Puh – jetzt war mir richtig warm.

Nach diesem kleinen Abenteuer wanderte ich weiter die Kehren hinauf und erreichte schließlich den Sattel des Monte Coston (2017 m), von dem aus der Weg auf der Ostseite des Kammes weiterführt. Hier machte ich eine kurze Pause und genoss den hier schon weiten Blick nach Süden.

Die Fortsetzung des Weges gefiel mir dann außerordentlich gut. In leichtem Auf und Ab führte der Weg über weite Wiesenhänge und enge Scharten an den teils bizarren Granitaufbauten einiger Gipfel entlang. Die dank der Felsen etwas raue alpine Landschaft bildete eine großartige Kulisse für meine Wanderung. Da störte mich auch nicht, dass die Bewölkung mittlerweile deutlich zugenommen hatte.

Etwa auf halbem Wege zur Forcella del Passetto machte ich eine Essenspause, dann ging ich ein wenig zügiger zu besagter Scharte und gleich weiter zum Rifugio di Cima d’Asta Ottone Brentari. In diesem Abschnitt durfte ich über Granitplatten wandern, die vor Jahrtausenden von einem früheren Gletscher glatt gehobelt worden waren. Das erinnerte mich sehr an mein kalifornisches Abenteuer, das nun auch bald 15 Jahre zurückliegt.

Am Lago beeindruckte mich die steile Gipfelwand der Cima d’Asta, die hier fast direkt aus dem See zum Gipfelkreuz zieht. Es ist die Schauseite des Berges, der ansonsten leider ein ziemlicher Bruchhaufen ist. Kurz vor der Hütte bog ich nach rechts ab und quert hinüber zum Gipfelweg, der zunächst in eine weitere Scharte zieht. Hier kamen mir zwei Trailrunner entgegen, die bereits auf dem Rückweg waren. Und ab hier sollte ich noch mehrere kleine Gruppen von Bergfreunden treffen; die Cima d‘Asta ist ein beliebtes Gipfelziel.

Der Weg führte jetzt über Granitblöcke aufwärts und erforderte auch immer mal wieder den Einsatz der Hände (I). Aus der Scharte führte er dann auf der Nordseite steil und versichert (B) etwa 50m bergab, bevor er sich über einige Schneefelder dem Gipfelaufbau zuwandte.

Letzterer bietet eine Kombination aus gewachsenem Fels und Blockgelände und ist recht unterhaltsam. Um 12:30 Uhr erreichte ich den Gipfel (2847 m), froh, dass die Oberschenkel bis hierher durchgehalten hatten. Die Aussicht war beeindruckend, wenn auch nicht ungetrübt. Die Dolomitengipfel im Norden steckten in Wolken, doch immerhin die Pala war frei. Und auch Brenta und Adamello konnte ich gut erkennen.

Nach einer ausführlichen Gipfelpause erkundete ich noch den schwach markierten westseitigen Abstieg, dessen oberer Bereich recht einladend aussah. Da er sich weiter unten jedoch in eine Rinne wandte, die ich nicht einsehen konnte, verzichtete ich auf einen Abstieg auf dieser Seite. Ich hatte Sorge, dass die Rinne noch mit Schnee gefüllt sein könnte. Später stellte sich diese Sorge als unbegründet heraus, aber hinterher ist man eben immer schlauer.

So stieg ich also den Normalweg inklusive Gegensteigung zurück zum Rifugio Cima d’Asta. Dort angekommen machte ich bei Radler, Espresso und Kuchen noch einmal Pause. Wenn ich schon bei einer so netten Hütte vorbeikomme! Zufrieden schaute ich zum Gipfel der Cima d’Asta hinauf. Toll, dass das geklappt hatte. Und sinnierte über den Weiterweg. Direkt absteigen? Oder noch einmal ein Stück bergauf zum Passo Socede und dann am Kamm entlang? Hmm, die Oberschenkel hatten bislang gut mitgemacht. Warum also nicht die längere Variante?

Also wanderte ich bald hinauf zum Passo Socede und auch gleich weiter zum südlich davon gelegenen kleinen Gipfel Col Verde (2563 m). Das letzte Stück zum Gipfel bestand dabei aus hübscher Blockkletterei (I). Leider wurde mir erst hier klar, dass die Passage zwischen Passo Socede und Punta Socede ein Klettersteig ist. Das war ohne passende Ausrüstung natürlich nicht ideal. Wie sich bald herausstellen sollte, sind die Klettersteigpassagen kurz. Zumindest die Klammerleiter – immerhin Kategorie C – würde ich Nachahmern jedoch nicht ungesichert empfehlen.

Der Weg, der an einigen wilden Felsgestalten vorbeiführte, gefiel mir ansonsten super. Eine prima Ergänzung meiner Runde – mit Klettersteigset wäre sie noch besser gewesen. Schließlich erreichte ich die Flanke unterhalb der Punta Socede. Auf den Gipfelabstecher verzichtete ich dann doch, da es mir allmählich zu spät wurde. Stattdessen wanderte ich über einen interessant angelegten Weg zur Forcella Tellina. Hier hatte ich die Wahl, links- oder rechtsherum weiter abzusteigen. Ich entschied mich für rechtsherum, den Weg über die Forcella Magna, da der Weg ab dort flacher ist und damit oberschenkelschonender.

Über diesen landschaftlich noch einmal wunderschönen Weg erreichte ich schließlich das Tal des Grigno. Nun war es echt mehr weit zurück zum Parkplatz, den ich kurz nach 17:00 Uhr wohlbehalten erreichte. Klasse, dass ich heute noch einmal die lange Runde geschafft hatte. Und die hatte mir richtig gut gefallen. Wirklich eine tolle Gegend, die Granitberge rund um die Cima d’Asta.

Daten zur Tour

  • Cima d’Asta (2847 m) über Monte Coston und Passo Socede
  • 1850 Höhenmeter
  • Schwierigkeit T4, I, C

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

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