Klettern in den Dolomiten am 05.07.2026

Die „Castiglioni/Battisti“ an der Croda di Roda ist ein moderater Klassiker in den Dolomiten. Vor kurzem hat diese Linie gebohrte Standplätze verpasst bekommen und ist nun wahrscheinlich noch beliebter als vorher. So kann es schon mal zu Stau kommen.

Zum Auftakt unserer Dolomitenwoche hatten Gregor und ich uns für zwei Nächte auf der Rosettahütte in der Pala eingemietet. Und als Auftakt wollten wir durch die Südwestwand der Croda di Roda klettern, zumal sich diese Tour perfekt als Hüttenzustieg nutzen ließ. Dass wir dabei ohne Seilbahnunterstützung aus dem Tal zustiegen, dürfte eher ungewöhnlich sein. Auch in unserem Kletterführer war der Zustieg nur von oben beschrieben.

Halb acht starteten wir also in San Martino di Castrozza zu unserer Wanderung. Knapp 1000 Höhenmeter lag der Einstieg zur geplanten Kletterei entfernt – und diese 1000 Höhenmeter zogen sich etwas, da der Weg durchgehend sehr flach angelegt ist. Das spart Kraft und kostet Zeit.

Landschaftlich lohnend war der Aufstieg in jedem Fall. Nach einem ersten Stück durch den Bergwald öffnete sich bald der Blick auf die wilden Felsgestalten der Pala. Torre Bettega, Campanile Pradidali, Pala di San Martino, Cima della Rosetta – an kühnen Gipfeln mit klingenden Namen herrscht hier wahrlich kein Mangel.

Nach diversen Serpentinen näherten wir uns über blühende Bergwiesen allmählich unserem Berg. Auf dem Anstieg zum Passo di Val di Roda warteten noch mehr Serpentinen auf uns, bis wir endlich nach rechts abbogen und Steigspuren folgend die Schuttterrasse gewannen, die uns zum Einstieg führte.

Halb elf standen wir unter den Felsen der Castiglioni/Battisti und schauten gespannt hinauf. Oben verschwand gerade eine Seilschaft in die zweite Seillänge. Na ja, bis wir so weit kommen, wären die schon längst weg, dachten wir uns.

Während wir uns also am Einstieg fertig machten, kam noch eine sympathische bayerische Seilschaft angerauscht, die gleich mal seilfrei zum ersten Zwischenstand stieg und dort loslegte. Na ja, die sind eh sauschnell, also kein Problem, dachten wir uns.

Erste Seillänge (45 m, III)

Also dann mal auf ins Vergnügen! Heute war Gregor dran mit Anfangen und stieg über den leichten Vorbau (II) und einen kurzen Aufschwung in eine Nische mit Stand. Und zwar mit einem eingerichteten Stand. Mit zwei Bohrhaken! Was machten die denn her? Urlaub von ihrem eigentlichen Arbeitsplatz in den bayerischen Voralpen? Wir hatten eigentlich eine dolomitentypische Absicherung erwartet, aber offensichtlich wurden hier vor nicht allzu langer Zeit die Stände saniert. Wohl, weil die Route so beliebt sei, wie uns die Bayern berichteten. An der Schlüsselstelle stecke jetzt auch ein Bohrhaken. Die weiteren Zwischensicherungen seien aber noch original oder selbst anzubringen. Na immerhin.

Zweite Seillänge (40 m, III)

In der zweiten Seillänge stieg ich an einem Riss über eine steile Stufe und durfte dabei auch mal eine Sanduhr fädeln und einen Cam versenken. Hach, Alpinklettern! Dann war aber auch schon wieder Gehgelände erreicht, bis ich den Stand unter einer Verschneidung erreichte.

Hier herrschte noch Betrieb. Die Nachsteigerin einer italienischen Seilschaft wartete noch und ebenso die Bayern. Da die Bohrhaken belegt waren, wich ich auf eine schöne Sanduhr aus und holte Gregor nach.

Dritte Seillänge (40 m, III+)

Als die Italiener und der bayerische Vorsteiger weg waren, stieg Gregor schon mal ein und hielt sich dabei etwas rechts der Linie, damit unsere Seile die der anderen nicht kreuzten.

An einem stellenweise richtig steilen Pfeiler ging es wunderschön aufwärts. Hier konnten wir auch zum ersten Mal den herrlichen Pala-Fels richtig würdigen: megagriffig und fast überall bombenfest. So etwas Gutes hatte ich selten unter den Fingern.

Vierte Seillänge (30 m, II)

Als ich an Gregors Stand ankam, staunte ich nicht schlecht darüber, was vor uns los war. Zwei italienische Seilschaften standen am nächsten Stand herum. Die Bayern waren knapp darunter unterwegs und eine vierte Seilschaft war weiter rechts zugange.

Das würde jetzt eine Weile dauern, und so ließ ich mir Zeit für die einfachen Meter zu einer Schulter unter dem nächsten Stand. Auf ein Ausweichen verzichtete ich bewusst, denn in der übernächsten Länge wartete ein Kamin, vor dem wir uns eh wieder einreihen müssten.

Rückblickend hätten wir gute Chancen gehabt, die Italiener bis zum Kamin zu überholen, aber in dem Moment dachte ich nicht, dass sie so langsam sein würden. Also blieb ich genau auf der Route und bezog Stand an einem Köpfl etwas unterhalb des Bohrhakenstandes und direkt neben den Bayern. Mit denen hatte ich dann fast eine Stunde Zeit zum Ratschen; Gregor legte sich zwischendurch zum Dösen auf den Seilhaufen.

Über uns gaben die beiden Italienerinnen im Zeitlupentempo Seil an ihre jeweiligen Vorsteiger aus, die einfach nicht am nächsten Stand ankommen wollten. Es dauerte, aber wenigstens warteten wir hier an einem sonnigen Platzerl.

Fünfte Seillänge (35 m, IV)

Irgendwann war es dann so weit: Die Italiener waren weg, die Bayern waren weg und Gregor konnte loslegen. Der folgende gestufte Pfeiler war superschön. Immer wieder überraschend steil, dazu griffiger Fels und einfach schöne Kletterei. Und auch ein paar Zwischensicherungen konnte Gregor unterbringen.

Sechste Seillänge (25m, IV+)

Nach einer dieses Mal nur kurzen Wartezeit durfte ich in den „steilen Kamin“ starten, der in der ersten Hälfte wirklich sehr steil und auch gar nicht so leicht ist. Dafür gibt es hier auch einen gebohrten Zwischenhaken und eine vorgefädelte Sanduhr. Letztere befindet sich an der Engstelle, an der man ein wenig nach rechts raus muss. Leider verpasste ich die beste Stelle zum Rausqueren und musste mich etwas höher und weiter hinten im Kamin recht mühen.

Siebte Seillänge (40m, IV)

Nach dieser Schlüssellänge mussten wir nochmals länger warten, da sich vor dem nächsten Kamin in Länge acht wieder ein Stau gebildet hatte. Irgendwann durfte Gregor dann aber los und durch eine Verschneidung und schwach ausgeprägte Rinnen zum nächsten Stand klettern.

Achte Seillänge (40m IV+)

Nun wartete der „enge Kamin“ auf mich, der aber eigentlich breiter ist als der „steile Kamin“ weiter unten. Na ja, sei’s drum. Also unten schön hochspreizen und dann eher am Grund des Kamins weiter hinauf. Irgendwo verpasste ich einen Ausstieg nach rechts und stand bald unter dem oberen Abschluss des Kamins. Auf der linken Seite konnte ich ein Podest sehen, auf dem auch der bayerische Nachsteiger stand, und dort wollte ich hin. Die letzte Zwischensicherung lag weit unter mir und der Fels hier war gelb und kleinteilig und sah sehr brüchig aus. Ich war ein wenig besorgt, wie ich hier herauskommen sollte, bis ich probehalber am ersten Griff zog. Fest. Und der nächste? Auch fest. Okay, das war unerwartet. Kein Problem also, und bald gelangte ich in interessanter Kletterei zu einem Schlaghakenstand. Wieder eine schöne Länge!

Neunte Seillänge (20m, II)

Gregor hatte nun nicht mehr viel zu tun. Etwas nach links und dann über einige Blöcke zum Ausstieg an der Pala-Hochfläche. Geschafft! Und bis auf die Warterei hatte auch alles super geklappt.

Apropos Warterei: Zu unserem großen Erstaunen war niemand mehr hier. Niemand, der noch Schuhe wechselte oder Karabiner verstaute. Wo waren die denn alle so schnell hin? Einsam lag die wüste Hochfläche vor uns. Nur am Nachbargipfel waren noch zwei Leute unterwegs.

Wir hatten keinen Stress. Es war jetzt halb fünf und der Abstieg zur Rosettahütte kurz. Also packten wir in Ruhe den Kram weg und wanderten dann hinab zur schön gelegenen Hütte. Für mich war es heute die erste Klettertour in den Dolomiten seit Ewigkeiten. Entsprechend freute ich mich, dass sie so gut funktioniert hatte. Und war gespannt, was die nächsten Tage bringen würden.

Daten zur Tour

  • Croda di Roda (2694) über Südwestwand „Castiglioni/Battisti“
  • Schwierigkeit IV+, 9 SL, 375 m
  • Stände und ein Zwischenhaken gebohrt. Zwischensicherungen an (wenigen) Schlaghaken und selbst mitzubringenden mobilen Sicherungsmitteln
  • Abstieg über Normalweg (T3)
  • 1400 Höhenmeter ab San Martino
  • Erstbegangen am 05.08.1934 durch Ettore Castiglioni und Camillo Battisti

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

2 Kommentare

Mark · 26. Juli 2026 um 5:06 p.m.

Der Abstieg von der Croda di Roda ist richtig angenehm und kurz – was man nicht überall in der Pala sagen kann. 😀 Es geht natürlich nichts über den Mont-Blanc-Granit, aber im Kalk ist die Pala für mich das nonplusultra. Ich bin gespannt, was ihr noch gemacht habt.
Wir hatten bei unserer Woche in San Martino leider ziemlich instabiles Wetter.

    Hannes · 26. Juli 2026 um 5:14 p.m.

    Ja, uns hat der Fels auch absolut begeistert. Und Fortsetzung folgt…

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