Klettern im Kaisergebirge am 31.07.2026

Der Hintere Goinger Halt Nordgrat schien mir bislang immer ein wenig zu leicht und zu kurz, um ihn als eigenständige Tour anzugehen. Doch als erste Alpinkletterei für einen bergerfahrenen Bekannten war er genau richtig.

Da für den Nachmittag mal wieder Gewitter angesagt waren, starteten wir recht früh, gegen 07:15 Uhr, an der Griesener Alm. Heute hatte ich mich mit Christoph zusammengetan, mit dem ich bislang nur Familienwanderungen unternommen hatte.

Christoph ist deutlich öfter als ich im Gebirge unterwegs und das meistens schnell. Dementsprechend fit ist er. Nur mit Seil und Sicherungen war er außerhalb von Hallen und Klettergärten noch nicht vertraut. Das wollten wir heute ändern.

So stiegen wir bald den Weg zum Stripsenjoch hinauf und nahmen die Abkürzung am trockenen Bachbett zum Eggersteig. Die gewaltigen Wände rund um die Steinerne Rinne machten auch heute wieder Eindruck. Am Einstieg zur Predigtstuhl-Nordkante lagen zwei Rucksäcke, und gerne erinnerte ich mich an diese abwechslungsreiche Tour zurück.

Heute stiegen wir noch ein Stück weiter in der Steinernen Rinne hinauf, bis wir nach links auf eine Schuttterrasse abbogen. Nachdem wir den Weiterweg zur Predigtstuhlscharte entdeckt hatten, machten wir zunächst Pause, aßen eine Kleinigkeit, gingen noch einmal die alpinen Kommandos durch und legten Gurt und Geraffel an. Anschließend kraxelten wir durch Rinnen zur Scharte. Das war schon gar nicht so trivial und erreichte kurz vor der Scharte den Grad III-.

Und in der Scharte begann nun die eigentliche Kletterei über den Hintere Goinger Halt Nordgrat. Heute würde ich alles vorsteigen, so hatten wir es ausgemacht.

Erste Seillänge (35 m, III)

Die erste Seillänge ist gleich eine der besten. Zunächst kraxelte ich ein paar Meter recht steil an der Kante entlang, dann musste ich am etwas flacheren Grat über eine Platte schleichen. Das war auch die einzige Stelle der Tour, an der ich erst ein wenig überlegen musste, wie ich sie am besten löse. Stand machte ich an einem Schlaghaken. Nur um später zwei Meter weiter zwei Bohrhaken zu finden.

Zweite Seillänge (50 m, III)

Vom Stand stieg ich kurz nach links und dann Rissen folgend etwas linkshaltend wieder zum Grat aufwärts. Gelegentliche Schlaghaken erleichterten die Orientierung, zwischendurch versenkte ich auch mal einen Cam. Insgesamt war das für mich die schönste Länge, da recht homogen und mit vielen schönen Klettermetern. Den Stand richtete ich an einem großen Köpfel ein.

Dritte bis fünfte Seillänge (II)

In den nächsten drei Seillängen ging es immer am Grat entlang. Es war eine Mischung aus Gehgelände und kurzen Kraxelstellen, einige davon auch ganz nett. Stände waren jeweils an Köpfeln, von denen es da oben ausreichend viele gibt.

Sechste Seillänge (40 m, III)

Nun wurde es wieder interessanter. Zuerst stieg ich auf der Ostseite des Grates an einem Klemmblock kurz nach unten, dann querte ich zu einer Scharte. Da mir das sehr kurz vorkam, stieg ich noch das nächste Wandl hinauf, das eigentlich bereits die siebte Seillänge darstellt.

Siebte Seillänge (35 m, III+)

Jetzt wartete die Schlüsselstelle auf mich, ein kurzes und speckiges Wandl. Dieses war schnell überwunden und ich ging gleich noch ein paar Meter weiter durch die nächste Scharte und zum nächsten Köpfelstand.

Achte Seillänge (40 m, II)

Zu Beginn stieg ich ein Stück ab und dann in leichten Schrofen wieder hinauf Richtung Gipfel. Da ich für Christoph eine Zwischensicherung im Abstieg angebracht hatte, verhinderte der Seilzug, dass ich bis nach ganz oben gehen konnte. Daher richtete ich an einem weiteren Köpfel einen Stand ein, ließ Christoph nachkommen und gleich weiter zum Gipfel gehen, wo er sich dann ausband. Ich ging anschließend hinterher und sammelte das Seil ein.

Um 12:35 Uhr standen wir also am Gipfel der Hinteren Goinger Halt (2192 m). Die Kletterei war flüssig gelaufen und Christoph war jedes Mal sehr schnell nachgestiegen. Er hat bei der Kletterschwierigkeit also offensichtlich noch Reserven. 😉

Nun pausierten wir entspannt am Gipfel, den wir uns mit einigen Normalwegs-Begehern teilten. Da das Wetter aber noch hielt und Christoph noch nie auf der Vorderen Goinger Halt gewesen war, entschlossen wir uns, diesen Abstecher noch anzuhängen. Etwa 30 Minuten benötigten wir ab dem Abzweig vom markierten Weg zum 2242 Meter hohen Gipfel und kraxelten dabei über einige hübsche IIer-Stellen.

Der Abstieg durch die Steinerne Rinne zog sich dann ziemlich. Die schwüle Hitze setzte uns zu. Dazu erfordert das Gelände sehr lange hohe Aufmerksamkeit und belastet auch die Muskulatur stark. Irgendwann hatten wir aber auch das geschafft und konnten ab dem trockenen Bachbett über den inzwischen leichten Weg entspannt talwärts hatschen.

Gegen 16:00 Uhr waren wir wieder an der Griesener Alm. Christoph nach seiner allerersten Alpinklettertour und wir beide nach einem mal wieder schönen Tag im Wilden Kaiser.

Daten zur Tour

  • Vordere Goinger Halt (2242m) über Hintere Goinger Halt Nordgrat
  • Schwierigkeit III+, 10 SL, 330 m, Weiterweg zur Vorderen Goinger Halt T5, II
  • Wenige fixe Sicherungspunkte vorhanden.
  • Abstieg über Normalweg (T3)
  • Nordgrat erstbegangen am 05.11.1899 durch Georg Leuchs und Fritz Schön.

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

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