Wanderung in den Karnischen Alpen am 26.08.2026

Urlaub mit einer befreundeten Familie im Gailtal. Und wie schon im Maltatal wollte ich auch dieses Mal gerne auf einen Berg steigen. Dafür tat ich mich mit Tobias zusammen, der für eine bevorstehende Mehrtageswanderung ein wenig trainieren wollte. Da machte ich gerne mit und hängte als Bonus noch den Gailtaler Polinik an.

Unser eigentliches Ziel heute war der Würmlacher Polinik, ein Latschenberg, dessen Gipfelkreuz man bereits von unserem Campingplatz in Kötschach aus sehen konnte. Gegen 10:00 Uhr fuhren Tobias und ich mit den Rädern von Kötschach nach Würmlach. Dort stellten wir sie an einer Bank ab und begannen unsere Wanderung.

Wie so oft in den Kalkalpen war der Waldgürtel mit Forststraßen erschlossen, was das Wandern reichlich uninspirierend machte. Immerhin ein kurzer Abstecher zum Würmlacher Wasserfall schaffte Abwechslung. Und natürlich war es gut, dass wir zu zweit waren. Auch Gespräche können schließlich inspirieren.

Auf ca. 1300 m verließen wir schließlich den Wald und damit auch die Forststraßen. Und schlagartig gewann die Tour an Reiz. Über Almgelände wanderten wir in einen von steilen Hängen und Wänden umgebenen Kessel. Einige Kühe grasten hier, zwischendurch hörten wir ein Murmeltier pfeifen. Ansonsten war hier nichts los. Auch die Hütte des Würmlacher Alpls (1460 m) lag verlassen da.

Im Schatten eines Baumes machten wir eine kleine Brotzeit, dann wanderten wir wieder in den Bergwald, um uns von Osten dem Würmlacher Polinik anzunähern. Der Wanderweg bereitete uns dabei große Freude. Er war immer gut erkennbar, aber wenig ausgetreten. Wir gingen durch hohes Gras, stiegen über Wurzeln und Steine, schoben Zweige zur Seite – Bergwandern, wie es sein soll.

Um 13:20 Uhr erreichten wir das Gipfelkreuz, das zwar nur auf einer vorgelagerten Schulter steht, aber bereits eine herrliche Aussicht übers Gailtal gewährt. Blickfang Nummer 1 war die Felspyramide des Reißkofels auf der anderen Talseite. Dahinter breitete sich die Kreuzeckgruppe aus und weiter rechts die runderen Gipfel der Gailtaler Alpen. Links in der Ferne zeigten sich die spitzen Zacken der Lienzer Dolomiten und davor sehr markant die gewaltigen Wände rund ums Valentintörl.

Nach angemessener Würdigung dieser Aussicht gingen wir weiter über den Gipfelgrat, dessen höchster Punkt (1960 m) wenig markant ist. Anschließend folgten wir einem auch hier wieder herrlich wilden Weg in Richtung Spielbodentörl. Ja, kaum verlässt man den Einzugsbereich von München und Wien und die bekannten Fernwanderwege, wird es gleich viel einsamer und ursprünglicher.

Da Tobias sein Trainingspensum erfüllt hatte, beschloss er, am Abzweig zum Abstieg zu warten, während ich noch weiter zum Gailtaler Polinik steigen wollte, meinem Bonus-Polinik für diesen Tag. Zu markant ist dessen felsiger Gipfelaufbau aus dem Tal, als dass ich an ihm hätte vorbeisteigen können. So wanderte ich zügig um den Kessel zum Spielbodentörl (2097 m) und anschließend steiler weiter in Richtung Gipfel.

Kurz vor dem Gipfel traf ich zum ersten Mal heute einen anderen Bergfreund, der sich bereits im Abstieg befand. Wir grüßten kurz, dann ging ich weiter zum höchsten Punkt (2332 m). Dort schaute ich mich ein wenig um, dann setzte ich mich auf einen Stein und genoss die Aussicht, die hier nochmals besser war als am Würmlacher Polinik. Klar, der Gailtaler Polinik ist ja auch fast 400 m höher.

Einen besonderen Anblick boten drei Adler, die im Südosten über den Gipfel kreisten und nach wenigen Minuten zwischen Wolken verschwanden. Majestätisch schön.

Als ich wieder aufbrach, holte ich den anderen Bergfreund bald ein. Wir unterhielten uns kurz über Abstiegsoptionen (nach Mauthen oder zum Plöckenpass und dann per Anhalter), dann ging ich zügig weiter, um Tobias nicht unnötig warten zu lassen. Dieser war tatsächlich schon aufgebrochen und ich musste vom Abzweig aus noch überraschend rustikal durch eine Rinne absteigen (T4), bevor ich ihn einholte.

Nun setzten wir den Weg wieder gemeinsam fort, unterhielten uns über Gott und die Welt, absolvierten noch einen weglosen Abstecher durch den Wald und über einen Stacheldrahtzaun und erreichten schließlich gegen 17:15 Uhr wieder unsere Fahrräder. Die Rückfahrt nach Kötschach war anschließend nur noch Formsache und zufrieden kamen wir am Campingplatz an, wo wir für das Eintreffen von Frauen und Kindern schon einmal das Abendessen vorbereiteten. Und als mein Blick wieder einmal hinauf zum Polinik schweifte, konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen.

Daten zur Tour

  • Würmlacher Polinik und Gailtaler Polinik (2332 m)
  • Schwierigkeit T4 (eine Passage im Abstieg, sonst bis T3)
  • 1700 Höhenmeter ab Kötschach

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

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