Bergtour in den Lechtaler Alpen am 12.09.2026
Bei unserer Skitour auf den Tschachaun Anfang April durfte ich zum ersten Mal die gewaltige Heiterwand aus der Nähe bestaunen. Mein Interesse war geweckt. Und während die Gesamtüberschreitung dieser gewaltigen Wandflucht ein sehr exklusives Unternehmen ist, gibt es auch eine Schnupper-Variante: die Überschreitung von Maldongrat und Gabelspitze.
Auf dem Weg zu einer größeren Unternehmung wollte ich mich etwas einkraxeln. Und erinnerte mich an Maladongrat und Gabelspitze, die vom Hahntennjoch mit vergleichsweise geringen Mühen erreicht werden können. Um 10:45 Uhr stellte ich also mein Auto am Joch ab und begann den Aufstieg.
Der Wanderweg führt mich zunächst querend nach Osten, dann steiler hinauf zum Steinjöchle. Es war viel los in diesem Bereich; die meisten waren wohl auf dem Weg zur Anhalter Hütte. Ich hingegen wandte mich nach rechts und stieg weiter zum Maldongrat auf. Bereits der markierte Steig auf diesen Gipfel ist nicht einfach (T4, I) und es gibt mit dem einige Meter oberhalb verlaufenden „Westgrat“ noch eine weitere, etwas anspruchsvollere Variante. Diese wollte ich mir gerne ansehen.
Zwischendurch kam ich an einer Gedenktafel vorbei. Für Julia, die 2025 bei der Heiterwand-Überschreitung verunglückt ist. Welche tragische Geschichte wohl dahinter steckt? Und was ihr wohl passiert ist? Ein Felsausbruch? Steinschlag? Eine Unachtsamkeit? Es war eine traurige Erinnerung daran, dass die Berge nicht nur geben. Und dass jedes Unglück bei den Hinterbliebenen eine schreckliche Lücke hinterlässt.
Ein wenig bedrückt wanderte ich weiter. Als Beschreibung zum Einstieg in den Westgrat hatte ich den Hinweis, vor einem Pfeiler am Rande einer Geröllrinne aufzusteigen. Das tat ich und fand mich unterhalb der Gratkante in unerwartet anspruchsvollem Gelände wieder, das auch gar nicht abgeklettert wirkte. War ich hier richtig? Wohl eher nicht, aber ich kam zum Glück trotzdem sicher auf den Grat. Einige Meter weiter fand ich dann einen besonders großen Steinmann, der wohl die Stelle markiert, an der man üblicherweise den Grat betritt. Die darunter liegende Rinne sah auch deutlich einladender aus.







Weiter ging es über Gehgelände mit schönen Tiefblicken nach Norden bis zu einer Passage, auf der sich der Grat für einige Meter dachartig verengt. Hier musste ich erst einmal schauen, wie das am besten zu klettern war. Am Ende wurde es eine Kombination aus Reiten und Hangeln auf der Nordseite (II). Wenn man den richtigen Einstieg wählt, dürfte diese Stelle die anspruchsvollste des Westgrates sein. Und da sie zum Gipfel hin leicht abfällt, ist der gesamte Grat eventuell im Abstieg angenehmer zu begehen als im Aufstieg.
Nach dieser originellen Stelle musste ich noch durch eine Scharte klettern (II), dann wartete bis zum Gipfel nur noch Gehgelände. Um 12:40 Uhr erreichte ich den höchsten Punkt des Maldongrates (2544 m). Dort traf ich zwei andere Bergsteiger, mit denen ich ein paar Worte wechselte, dann ging ich gleich weiter.
Der Weiterweg zur Gabelspitze entpuppte sich als weniger „kraxelig“ als erwartet. Meist bot sich mir Gelände im I. Schwierigkeitsgrad oder anspruchsvolles Gehgelände dar. Ein richtiger IIer war eigentlich nur die Durchkletterung einer Scharte in der Nähe des Gipfels. Ab hier lohnte es sich dann auch, aufmerksam nach Steinmännern Ausschau zu halten. Denn nun verläuft der Weg nicht mehr an der Gratkante, sondern auf Bändern in der Südflanke. Noch vor einigen Jahren wäre der Gratübergang zur Gabelspitze für mich eine äußerst spannende Unternehmung gewesen. Mittlerweile genoss ich einfach die alpine Umgebung und die Einsamkeit hier heroben.
Um 13:25 Uhr erreichte ich die Gabelspitze (2581 m), wo ich erst einmal Pause machte. Schließlich wollte ich meine Brotzeit ja nicht wieder ins Tal tragen. Und auch die Aussicht wollte genossen werden. An der imposanten Heiterwand entlang zur Zugspitze. Und zwischen den Wolken über dem Inntal hindurch auf Gepatschferner, Wildspitze, Zuckerhütl und Acherkogel. Schön war es hier!








Erholt und gestärkt machte ich mich an den Rückweg, kletterte und spazierte in Ruhe den Weg zurück zum Maldongrat. Und dann weiter über dessen Normalweg talwärts. Dabei war ich so entspannt, dass ich zweimal versäumte, rechtzeitig abzubiegen, und zu lange geradeaus ging. Es ließ sich jeweils leicht korrigieren und gegen 16:00 Uhr kam ich wohlbehalten wieder am Hahntennjoch an. Hoffentlich gut vorbereitet für die Tour am Folgetag.
Daten zur Tour
- Maldongrat Westgrat und Übergang zur Gabelspitze (2581 m)
- Schwierigkeit T6, II
- 900 Höhenmeter
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